Wenn die Seele spricht – Magda Langenstrass-Uhlig im Potsdam-Museum

1_k_Magda Langenstraß-Uhlig_ Selbstporträt im blauen Kleid, um 1933
Magda Langenstrass-Uhligs „Selbstportrait im blauen Kleid“, gemalt 1933

Sie ließ sich nicht eingrenzen und auch nicht entmutigen. Ihre Hände legte sie wohl nur für ihre Selbstporträts in den Schoß. Magda Langenstrass-Uhlig (1888 bis 1965), die vielseitige umtriebige Malerin, die das Potsdam-Museum durch eine interessante und sehr berührende Ausstellung dem Vergessen entriss, blieb zeitlebens eine Kämpferin. Sie malte in den Lazaretten des Ersten Weltkrieges verwundete Soldaten, durchdrang biblische Themen auf abstrakt-spirituelle Weise, probierte sich in immer neuen Formen aus und fand zu einer ganz eigenen, vielgesichtigen Sprache. Als eine der ersten Frauen in Deutschland absolvierte Magda Langenstrass-Uhlig mehrere Kunststudien und zahlte dafür einen hohen Preis. Denn nachdem sich ihr Mann – der Arzt Karl Langenstraß – in die USA abgesetzt hatte, musste sie sich um die beiden Kinder allein kümmern.

Nach Jahren der Einsamkeit im oberfränkischen Egloffstein ging die diplomierte Malerin 1924 ans Bauhaus Weimar und setzte dort ihre Ausbildung bei Lehrern wie Klee und Kandinsky fort. Die ein- und vierjährige Tochter ließ sie bei einer Kinderfrau zurück. Später wohnten die Mädchen bei der Großmutter in Jena. Als das Bauhaus nach Dessau umsiedelte, zog auch Magda Langenstrass-Uhlig mit. Ihre Kinder brachte sie nunmehr in einem Diakonissenheim in Dessau unter. Erst ab 1926 gab es wieder ein gemeinsames Zuhause: in der Villenkolonie Rehbrücke, In den Gehren 9. Dort bewohnten Mutter und Töchter eine Doppelhaushälfte. „Ich versuche Stunden zu geben, Tische zu dekorieren, Porträts zu malen“, schreibt die Malerin von Arbeit und Anspruch gehetzt in ihr Tagebuch.

Magda Langenstrass-Uhlig malte nicht nur wunderschön bewegte Landschaften, wie den „Winter in den Gärten“, sondern immer wieder auch ihre Töchter: mit feinem Bleistiftstrich und in kräftigen Farben. Über das Bildnis von Sinje aus dem Jahr 1924 liegt eine große Schwere und Traurigkeit. Der Strohhut in der Hand des Mädchens scheint wie eine bleierne Last. Das „Goldköpfchen“, wie die Mutter ihre blondhaarige Tochter nannte, spricht bildkräftig aus, was die Familie bewegte und durchstand. „Es sind ja alles nur Worte: Naturalismus, Impressionismus, Expressionismus usw. – das Kunstwerk ist immer ein Neues, Überraschendes – der seltsam keusche und wieder so unbedingt offene Ausdruck einer Seele!“, ist in der Ausstellung ein Zitat der Malerin zu lesen. Magda Langenstrass-Uhlig gab viel von ihrer Seele preis: zwischen Schwermut und Vitalität, spirituellem Versinken und kraftvollem Aufbegehren. „Der Anstoß ist ja gleich – sei es Blume, Landschaft, Mensch oder sonst ein fabelhaftes Geschöpf – nur auf die Neuschöpfung kommt es an!“

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„Der graue Spaziergang“, um 1928

Dass sie sich gegen das wilde Berlin und für die Ruhe der Künstlerkolonie in Rehbrücke entschied, hinderte Magda Langenstrass-Uhlig nicht daran, weiter zu experimentieren – und zu ganz neuen Formen der Malerei durchzudringen. „Der graue Spaziergang“ von 1928, der maschinenartige Menschen aus geometrischen Figuren zeigt, wirkt beim Betrachter lange nach.

Die Ausstellung, die auch anderen Künstlerinnen der Moderne – darunter Käthe Kollwitz, Sella Hasse, Hannah Höch und Jeanne Mammen – ein Podium gibt, lässt Kunst und Zeitgeist sinnfällig ineinanderfließen. Vor allem aber zeigt sie das facettenreiche Werk einer Künstlerin, die mit wenigen Strichen Charaktere formt und auch in der Abstraktion Gedankentiefe beweist: Magda Langenstrass-Uhlig. (he)

 

Am 26. November um 18 Uhr gibt es eine Führung durch die Ausstellung zum Thema

„Vereine, Malorte, Künstlerkolonien – Künstlerinnennetzwerke in der Moderne“.

Die Ausstellung läuft bis 31. Januar im Potsdam Museum, Am Alten Markt 9

Weiteres unter www.potsdam-museum.de

 

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