Singende Frohnaturen im Findlingsgarten

Schunkelnde Gäste
Lieder, die verbinden Fotos: he

In dieser steinreichen Gemeinde lässt es sich trefflich feiern. Zwischen den Findlingen, die einst mit dem Spargel nach oben wuchsen, singen, klatschen und schunkeln auf Bierbänken die Kähnsdorfer mit ihren Gästen. Sie haben ihre bunten Schirme aufgespannt, um sich gegen die Sonne zu schützen. Statt im Seddiner See abzutauchen, trotzen sie singend der sengenden Hitze. Wenn Alt und Jung in die Lieder der fünf Chöre einfallen, bewegen sich die weit aufgespannten Schirme wie bunte Falter. Es ist das 3. Chortreffen, zu dem der Verein Findlingsgarten Seddiner See am Sonntag eingeladen hat und das Echo ist groß. Weiterlesen

Kein Sanssouci

ohne sorgen
Abgesagt: das Ohne Sorgen Festival. Foto: ro

Bands aus Köln, Hamburg, ja sogar aus London, Prag und Kapstadt waren für dieses Wochenende angekündigt. Mit einer stilistisch breiten Mischung aus Rock über Folk bis Punk und Worldmusic sollte die Neuauflage des zweitägigen „Ohne Sorgen“-Festivals im Potsdamer Lindenpark zum Sommerausklang noch ein musikalisches Highlight bieten. Doch das Motto, mit der bewussten Anspielung auf Potsdams bekanntestes Wahrzeichen Sanssouci, konnte sich nicht bewahrheiten. Im Gegenteil: das Festival wurde kurzfristig abgeblasen, anscheinend aus mangelndem Interesse am Vorverkauf. Der Veranstalter wollte und konnte das finanzielle Risiko nicht tragen. Weiterlesen

Spenden für einen Potsdamer „Nathan“

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Als der Jude Nathan von einer Reise zurückkommt, erfährt er, dass seine Pflegetochter Recha von einem christlichen Tempelherrn aus dem Feuer seines brennenden Hauses gerettet worden ist. Zeichnung: Gottlieb 1877

In dieser Zeit des Auseinanderdriftens, in der wir erschrocken vor mordenden und brandschatzenden Hohlköpfen stehen, kommt diese Idee wie gerufen: „Nathan der Weise“ soll sprechen – hier aus Potsdam, in der Mitte der Bürger.

Anlässlich des 330. Jahrestages des Edikts von Potsdam möchte das Poetenpack gemeinsam mit dem Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt das Stück im Oktober in der Französischen Kirche auf die Bühne bringen. Jugendliche verschiedener Religionen sollen darin mitwirken.

Um dieses Vorhaben umzusetzen, wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Im Moment fehlen noch 3 679 Euro von insgesamt 62 702 Euro. In einem großen Endspurt soll es bis zum 31. August – also bis Montag – gelingen, diesen Betrag zusammenzubekommen. Weiterlesen

Der Rote-Bete-Möhren-Salat als Krönung

Sommersfest
Genussvolles Schwelgen am Havelufer Foto: Kinne

Es gibt duftige Sommerkleider, ausladende Hüte – und herrliche Köstlichkeiten. Wenn die sportbewegten Frauen um Trainerin Sybille Kinne sich zu ihrem traditionellen Sommerfest vor dem Kleinen Schlösschen im Babelsberger Park treffen, ist genussvolles Schwelgen angesagt. Jeder bringt eine feine kleine Leckerei aus seinem Küchenstudio mit und breitet sie am Ufer des Tiefen Sees auf großer Decke aus. In diesem Jahr wurde der Rote-Bete-Möhren-Salat zum unangefochtenen Favoriten gekürt. Bereits zum zweiten Mal! Kein Blättchen, kein Spältchen in der großen Schüssel blieben übrig. Allein es folgte der Ruf nach dem Rezept! Weiterlesen

„Forelle grau“ – eine schillernde Geschichte

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OL erzählt mit viel Humor seine Geschichte Foto: Literaturbüro/Tim Trzoska

Seine Mutter nahm sich das Leben elf Tage vor seinem dritten Geburtstag. Sie war einundzwanzig und zum zweiten Mal schwanger. Olaf wuchs in der Familie seiner Tante und seines Onkels auf. Durchaus liebevoll. Über den Tod der Mutter sprachen sie nie mit ihm. Olaf wusste nur, etwas Schlimmes war passiert. Kein Thema für Kinder. Ständig fühlte er sich schuldig, hatte ein schlechtes Gewissen, ohne zu wissen warum. „Es gab keinen Kinderpsychologen, nur Schuld.“

Heute ist Olaf Schwarzbach 50 und bekannt unter seinem Künstlernamen OL. Er hat seine Geschichte in einem Roman aufgeschrieben: federleicht – ohne die Tiefen zu umschiffen. Der Cartoonist lässt die Vergangenheit hochschwappen wie einen kalten Wasserschwall. Weiterlesen

Mitsinge-Chorfest zwischen Findlingen

Kähnsdorf – wir kommen! Der Aus-Freude-Singen-Chor Potsdam macht sich warm. Foto: he

Auf diesen sonntäglichen Ausflug freue ich mich schon lange: Endlich schaffe ich es, mir den vielgepriesenen Skulpturengarten am Seddiner See anzusehen. Und zugleich darf ich dort singen! Unser Potsdamer Aus-Freude-Singen-Chor ist eingeladen worden, das Chortreffen im Findlings- und Skulpturengarten mitzugestalten.

An die 200 Sänger sollen es werden, die sich am 30. August musikalisch verbünden. Fünf Chöre singen und swingen sich unter freiem Himmel durch ihr vielseitiges Repertoire an Volksliedern, Klassik, Evergreens, Spirituals, Rock und Pop. Da wird „querbeet“ gepflückt, was es an Klangschönheiten am Wegesrand gibt. Das kann nur Frohsinn stiften. Weiterlesen

Feinste „Häppchenkultur“

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„Brigandu“ spielt keltische Musik zum Dahinschmelzen / Foto: Jäger

Monde hängen in den Bäumen, Liebesfalter schwirren durch die Lüfte: ein Sommerabend der Leidenschaft. Die Schirrhofnächte verzaubern mit einem sanft prickelnden und zuweilen auch überschäumenden Charme. Es ist ein herrliches Flanieren zwischen den einzelnen Kulturquartieren, die sich alle für diese Nacht geöffnet haben. Weiterlesen

Das Gesicht des Museums Barberini

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Die neue Barberini-Direktorin Ortrud Westheider / Foto: Barberini

In dieses Gesicht schaut man gern. Es ist offen und grübchen-verschmitzt und wirkt sofort sympathisch. Es gehört der neuen Museum-Barberini-Direktorin Ortrud Westheider, die im April 2016 nach Potsdam kommt. Die 50-jährige Westfälin soll ab 2017 die hochkarätige Kunstsammlung von Multimillionär Hasso Plattner an der Alten Fahrt sinnfällig und publikumswirksam in Szene setzen. Im Umgang mit Plattners gesammelter DDR-Kunst wird sie vielleicht wenig Erfahrung mitbringen, dafür aber steht sie den Impressionisten und der Klassischen Moderne sehr nahe. Weiterlesen

Zehrfeld auf Tätersuche

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Das Ermittlerteam (Ronald Zehrfeld, Martin Brambach, Florian Panzner). Am 30. August ist Zehrfeld live zu erleben: in einer Lesung in Brandenburg. Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach

Was muss das für ein Mensch sein, der Spaß daran hat, Kinder mit einem Messer zu massakrieren und ihnen dann die Kehle durchzuschneiden? Kommissar Heinz Gödicke versucht sich, in diesen kranken Menschen hineinzuversetzen, seine Triebe zu verstehen, zu begreifen, nach welcher Art Mensch sie bei diesem Mord in Eberswalde suchen. Damit steht er 1969 allerdings noch ziemlich allein da. Seine Kollegen von der Staatssicherheit vertrauen einzig auf das Rüstzeug, das ihnen die Polizeischule vermittelt hat. Dass es sich beim dem Täter um einen sadistisch veranlagten und psychisch kranken Menschen handeln muss, können Gödickes linientreue Kollegen nicht akzeptieren, denn solche Menschen gäbe es in der Deutschen Demokratischen Republik nicht.

Dass es sie doch gab, beweist dieser reale Justizfall des Kindermörders Erwin Hagedorn, den Stephan Wagner 2013 verfilmte. Weiterlesen

KulturGarage in Werder

Clarissa Scheve und Julia Zimmermann erzählen die Geschichte von zwei Kindern, die den Grusel-Faktor von Werder an der Havel untersuchen. Foto: KulturGarage Werder
Clarissa Scheve und Julia Zimmermann sind dem Grusel-Faktor von Werder auf der Spur.
Foto: KulturGarage Werder

Werkzeug, Bretter, Ski, Flaschen, Fahrräder … in der Garage meiner Eltern gibt es alles, nur kein Platz. Vor zehn Jahren haben mein Bruder und ich dort noch unsere Geburtstagspartys gefeiert. Dann wurde mal alles in die Regale gestopft und ordentlich durchgefegt. Aber seit wir aus dem Garagen-Feier-Alter raus sind, passiert auch das nicht mehr. Ein Auto hat hier das letzte Mal vor 20 Jahren gestanden. Und trotzdem mag ich unsere Garage, weil man allerhand (wieder-)entdecken kann. Auch für meine Do-It-Yourself-Projekte findet sich hier immer noch das passende Brett oder die fehlende Schraube.

Dass Garagen nicht nur zum Zumüllen geeignet sind, beweist die KulturGarage Werder von Gabriele und Julia Zimmermann. Hier kitzelt nicht der Staub in der Nase, sondern wird vom 24. August bis 20. September 2015 Kultur gemacht. Weiterlesen