Darf ich vorstellen? Miss Schnuck – Letzte Chance für Toni Erdmann

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Miss Schnuck alias Ines Conradi lädt zum Empfang im Evakostüm und sorgt für Lacher, die im Halse stecken bleiben. (Foto: Komplizen Film)

Sein Name war in den vergangenen Wochen in vieler Munde: Toni Erdmann. Das ist dieser verrückte Papa, der nicht mit ansehen kann, wie seine Tochter über ihre Arbeit das Leben vergisst. Nachdem der Film von Regisseurin Maren Ade in Cannes gefeiert und mit dem Preis der internationalen Filmkritik 2016 ausgezeichnet wurde, traf er auch bei den deutschen Cineasten auf großen Anklang. Im Thalia Potsdam war er über Wochen zu sehen und trotzdem hab ich es einfach nicht nach Babelsberg geschafft. Mal stimmte die Zeit nicht, mal fehlte die Begleitung. Aber da Freunde und Familie gleichermaßen begeistert waren, wollte ich dieses Kinoerlebnis auf keinen Fall verpassen. Umso mehr freute ich mich, als ich den Film im Programm des Filmmuseums entdeckte. An drei Terminen haben alle Nachzügler noch einmal die Chance, selbst die Bekanntschaft mit Toni Erdmann und Ms. Schnuck zu machen.

Manchmal ist es ja so, dass alle Welt von einem Film redet, und man selbst im Kino sitzt und sich fragt, woher die Begeisterung rührt. Weil die Erwartungen einfach zu hoch waren. Bei Toni Erdmann ging mir das allerdings nicht so. Überrascht wurde ich eher von der Ernsthaftigkeit des Films, die sich hinter Furzkissen und Perücke versteckt. Denn dieser Film berührt auf eine ganz eigene Art. Er erzählt von dem Phänomen meiner Generation, für die Karriere um die Welt zu reisen, zwei Mal zuhause auf Stippvisite aufzutauchen und dann gar nicht recht zu wissen, was man dort eigentlich verloren hat. Alles Verbindende scheint verloren, jedes Gespräch mit den Verwandten ist ein Krampf. Erleichterung, wenn dann endlich der Anruf aus dem Büro kommt und man schnell in den Flieger zurück in seine Welt steigen kann. Gearbeitet wird 7 Tage die Woche, 24 Stunden. Schließlich will man es ja zu was bringen. Und obwohl man für diese Unternehmensberaterin Ines Conradi, unglaublich gespielt von Sandra Hüller, einfach nur Mitleid empfindet, da sie sich selbst zwischen Businessmeting und Hotellobby verloren hat, kann man auch ihre Scham nachempfinden, wenn der Papa plötzlich in einem lächerlichen Aufzug in der Firma auftaucht und dort einfach nichts zu suchen hat. Und dabei versucht dieser doch nur, seiner Tochter ein Lachen zu entlocken, sie aus ihren Schnüren zu befreien und zu zeigen, dass das Leben noch mehr zu bieten hat als Berichte zu schreiben und sich anzubiedern, um einen Auftrag zu bekommen. Als Zuschauer durchlebt man ein Wechselbad der Gefühle. Lachen, Fremdschämen und Mitleid halten sich bei mir die Waage. Was nach tränendem Lachen bleibt, ist ein komischer Kloß im Hals, ein bisschen bitter, aber im Nachgang dann doch süß-sauer.  (So)

Fast verpasst? Toni Erdmann läuft noch an drei Terminen im Filmmuseum Potsdam:

21. Oktober 2016 | 21:00 Uhr

28. Oktober 2016 | 17:00 Uhr

29. Oktober 2016 | 19:00 Uhr

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