Das Gesicht des Museums Barberini

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Die neue Barberini-Direktorin Ortrud Westheider / Foto: Barberini

In dieses Gesicht schaut man gern. Es ist offen und grübchen-verschmitzt und wirkt sofort sympathisch. Es gehört der neuen Museum-Barberini-Direktorin Ortrud Westheider, die im April 2016 nach Potsdam kommt. Die 50-jährige Westfälin soll ab 2017 die hochkarätige Kunstsammlung von Multimillionär Hasso Plattner an der Alten Fahrt sinnfällig und publikumswirksam in Szene setzen. Im Umgang mit Plattners gesammelter DDR-Kunst wird sie vielleicht wenig Erfahrung mitbringen, dafür aber steht sie den Impressionisten und der Klassischen Moderne sehr nahe.

Gerade konnte ich mich von ihrer Intentionen und Handschrift selbst überzeugen. Ein Hamburg-Besuch führte mich in das von ihr mit aufgebaute und derzeit noch geleitete Bucerius Kunst Forum direkt am Rathausmarkt. Eine kleine feine Adresse, die über zwei Etagen die Creme de la Creme der Kunstwelt präsentiert und in ihrer Überschaubarkeit niemanden überfordert. Das Ausstellungshaus geht auf die gemeinnützige Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius zurück und wurde 2002 eröffnet. Zurzeit hält es sich mit Malerei und Photographie von William Turner bis Olafur Eliasson „Über Wasser“ und entlässt den Besucher erfrischt, berauscht, aber auch nachdenklich in die Sommersonne. In dieser assoziationsreichen Schau fließt, stürzt, plätschert, schäumt, rollt und gefriert das Wasser in allen nur erdenklichen Formen und mündet im eigenen Gedankenstrom. Sie erzählt nicht nur von der Erhabenheit und Schönheit, sondern auch von der großen Bedrohung des Wassers, wenn zum Beispiel das Meer zum Grenzzaun wird. Das Großartige und Grausige liegt oft dichtbeieinander. Wir sehen Gerhard Richters endloses „Seestück“ und Caspar David Friedrichs naturgetreuen „Eisschollen“, Arbeiten vom Meer vor Lampedusa und von Surfern im Küstengebiet vor Fukushima. Und der großartige Isländer Eliasson zeigt uns das Schmelzen eines Eisblocks in zwölf Stufen als Sinnbild für die Erderwärmung.

Durch die übersichtliche Größe des Bucerius Kunst Forums beschränken sich die Ausstellungen zumeist auf rund 100 bis 130 Werke. Diese werden mit großer Sorgfalt ausgesucht und aus internationalen Sammlungen und Museen zusammengebracht. Das Forum vermittelt Kunst von hoher Qualität in neuen Zusammenhängen und möchte, so der selbst formulierte Anspruch, Kunstkennern ebenso wie Neueinsteigern einen spannenden und erkenntnisreichen Ausstellungsbesuch bieten. Im Mittelpunkt stehen meist ein konkretes Thema, eine Epoche oder ein Künstler.

Ein Konzept, das auch in Potsdam greifen könnte. Hier geben natürlich die gesammelten Werke von Plattner den Ton an: die Noldes, Monets, Renoirs. Aber es sind durchaus Kooperationen angedacht. „Vorstellbar wäre, dass man einen Monet aus Plattners Sammlung auswählt und dann sieht, welche Museen ebenfalls einen Monet oder andere Kunstwerke aus der selben Zeit haben und sie uns ausleihen“, sagte Ortrud Westheider kürzlich in einem Interview mit den PNN.

Ein Renoir und ein Monet hängen derzeit auch in ihrem Bucerius Forum Hamburg (noch bis 20. September 2015). Vielleicht finden diese Meeresbilder ja auch irgendwann den Weg an die Havel.

Und noch etwas ist an dem „Hamburger Modell“ interessant: Kinder und Jugendliche können die Ausstellungen gratis besuchen. Es gibt einen Kinder Kunst Club und spezielle Familienführungen. Und zu allen Ausstellungen findet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Konzerten, Debatten, Vorträgen, Lesungen und Poetry Slams statt. Mal sehen, was davon in zwei Jahren nach Potsdam rüber schwappt. (he)

Weiteres unter www.buceriuskunstforum.de und www.museum-barberini.com

 

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