Die sinnumstürzende Kraft des Theaters: Hinein in die Unidram-Bilderwelt

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Der wilde Tanz der Puppen. Mit „Blind“ wird das Festival eröffnet. Foto: Patrick Argirakis

Lautlose Schreie, flackerndes Licht, Puppen außer Rand und Band – der Unidram-Trailer gibt einen bitter-süßen Vorgeschmack auf das internationale Festival in der Schiffbauergasse. Ein turbulentes Spiel mit den Möglichkeiten des Theaters um Illusion und Wirklichkeit beginnt. Junge Künstler aus Europa reisen nach Potsdam, um ab Dienstag ihre faszinierenden Bilderwelten und visuellen Experimente zu zeigen. Auch ohne Worte sprechen sie eine kraftvoll-beseelte Sprache.

Zum Auftakt fordert eine bucklig-deformierte Kreatur lebensgroße Puppen zu einem wilden Tanz der Dämonen. Die Duda Paiva Company, die zu den innovativsten Theatern in den Niederlanden gehört, erzählt in „BLIND“ auf magisch groteske Weise von einer schweren Krise, einer Krankheit und ihrer surrealen Heilung. In einer Mischung aus Bewegungstheater, Figurenspiel sowie afrobrasilianischen Yoruba-Gesängen verspricht dieses Stück komisch und bewegend das Publikum in seinen Bann zu schlagen und es mit einzubeziehen.

Die zweite Aufführung des Eröffnungsabends kommt aus Russland: von Akhe. Ihre Performances, voll von seltsamen Objekten und Kunstzitaten, nennen sie selbstironisch „Ingenieurtheater“. Unidram hat bislang fast alle Produktionen des Ensembles präsentiert. Nach einigen Jahren der Abstinenz zeigt die Gruppe nun erstmals außerhalb von St. Petersburg ihren episch breit angelegten Zyklus „Between Two“ zum Tibetischen Totenbuch. In dieser Deutschland-Premiere im T-Werk geht es um nichts Geringeres als die Schönheit des Lebens und die Größe des Sterbens.

UNIDRAM feiert inzwischen seine 23. Auflage. An fünf Tagen (vom 8. bis 12. November) sind zwölf Inszenierungen aus sieben Ländern, darunter sieben deutsche Erstaufführungen, zu sehen. Und es gibt auch wieder viel Musik – live in den Stücken und als Konzert nach den Vorstellungen im Festival-Zelt.

„Unidram ist über die Jahre zu einem der wichtigsten Festivals für die freie Szene geworden, denn hier glaubt man fest an die welt- und sinnumstürzende Kraft des Theaters …“, schrieb ein Kritiker ins Festvalbuch. Es ist vor allem der enge Kontakt der Künstler zum Publikum und die persönliche Atmosphäre, die den besonderen Charakter des Festivals ausmacht. (he)

Weiteres unter www.unidram.de

Für die Vorstellung „Lichtung“ vom O-Team aus Stuttgart (Donnerstag, 10. November, 20 Uhr, verlosen wir 2 mal 2 Freikarten. „Lichtung“ ist ein wuchtiges Bilder- und Geräuschtheater, das nach einem Dasein zwischen Natur und Technik fragt: Stille und Höllenlärm.

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