Wie eine Reise in die Savanne. Angélique Kidjo und das Filmorchester Babelsberg im Nikolaisaal

Eine internationale Größe in Potsdam (Foto: So)

Vor einigen Jahren reiste ein Freund von uns in den Benin, um dort für ein paar Wochen als Arzt in einem Hilfsprojekt mitzuarbeiten. Zum Abschied in dieses Abenteuer wollten wir ihm eine musikalische Begleitung mit auf den Weg geben. Bei der Suche nach der passenden Musik stießen wir auf Angelique Kidjo, eine Sängerin aus dem Benin. Für uns eine echte Entdeckung. Umso mehr freuten wir uns, als sich diese Künstlerin als Gast im Nikolaisaal ankündigte – und das auch noch in Begleitung des Filmorchesters Babelsberg.

Angélique Kidjo gilt bei Kritikern nach Miriam Makeba als DIE Stimme Afrikas. Kein Wunder. Die Kraft und Weite ihrer Stimme geht sofort ins Mark, beschwingt, klagt an, reißt mit. Obwohl die Sängerin 1983 nach Paris emigrierte, singt sie heute noch oft in den Sprachen ihrer Heimat Yoruba und Fon. Ihre Musik klingt jedoch keineswegs folkloristisch, sondern ist vielmehr ein buntes Potpourri aus R&B, Jazz und Pop.

Am Samstagabend im Nikolaisaal steht eine Fusion von Weltmusik und Klassik auf dem Programm. Dass sie aufgeht, beweist der Grammy, den Kidjo unter anderem für ihr Album „Sings“ erhielt, an dem das Luxemburgische Philharmonieorchester und Komponist und Dirigent Gast Waltzing mitgewirkt haben. Der Luxemburger steht auch an diesem Abend am Dirigentenpult. Er und Kidjo sind ein eingespieltes Team. Sie harmonieren, witzeln, necken sich.

Die ausgelassene Stimmung strahlt auch auf das bunt gemischte Publikum aus, das an den Lippen der sympathischen Sängerin hängt, die in afrikanischen Stoffen gekleidet noch dazu ein absoluter Hingucker ist. Als sie durch die Reihen des Nikolaisaals tanzt, lässt sich das Publikum bereitwillig auf einen Gesangsdialog ein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die anfängliche Distanz aufgehoben.

Obwohl ich ein großer Fan des Filmorchesters bin, hätte ich mir bei dem einen oder anderen Song von Angélique Kidjo weniger Orchester und mehr Stimme gewünscht. Denn die braucht nicht viel, um ihre Wirkung zu entfalten. Sie nimmt mich mit auf eine Reise in die Savanne Afrikas, weckt Fernweh nach fremden Kulturen, macht Lust auf Reisen. Angélique Kidjo ist nicht nur Sängerin, sie ist auch UNICEF-Botschafterin, engagiert sich bei Oxfam, spendet ihre Gage regelmäßig für den guten Zweck. Ihre Wünsche und Sorgen, Ängste und Erfahrungen fließen ein in ihre Musik, in der sie den Frieden und die Liebe besingt.

Hätte ihr 1983, im Jahr ihrer Emigration, jemand gesagt, dass sie 2017 mal hier in Potsdam auf der Bühne stehen würde, hätte sie vermutlich geantwortet: „What have you been smoking?“, erzählt sie in einer ihrer symathischen Zwischenmoderationen. Nun steht sie hier, diese weitgereiste Powerfrau, und das Publikum feiert mit ihr.   (so)

 

Informationen zur Sängerin, Hörproben und mehr gibt es hier.

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