Protest und Verantwortung – Potsdamer Tanztage 2017

16. Mai 2017 - 19:30

14467 Potsdam

Auftakt ist am 16. Mai um 19.30 Uhr mit der Deutschlandpremiere „Hieronymus Bosch: der Garten der Lüste“ im Hans Otto Theater.

Eine Demo mit weißen Plakaten schreitet durch die Straßen Potsdams, indonesische Frauen
praktizieren Kriegstänze, Traditionen geprägt von Tabus und Gewalt werden hinterfragt – die
Potsdamer Tanztage werden dieses Jahr zum Resonanzraum für Protest und Verantwortung!

Sie beginnen am 16. Mai mit der Deutschlandpremiere „Hieronymus Bosch: der Garten der Lüste“ der Compagnie Marie Chouinard, in deren Mittelpunkt die chaotische und anarchistische Welt von
Hieronymus Bosch als Grundlage ihrer Choreografie steht. Angst, Freude, Emotionen und Lüste
finden eine Bühne als Verkörperung der wildesten Träume der Menschen.

Weiterhin fallen in diesem Programm einige Produktionen auf, die für eine engagierte Kunst stehen. Sinnbild hierfür ist das Happening von Anne Collod, das eine Wiederaufnahme der Kunstdemo „The Blank Placard Dance“ von Anna Halprin aus dem Jahr 1976 nach Potsdam bringt. Die Banner der Demonstranten sind dabei unbeschriftet und rufen mit ihren fehlenden Parolen die Zuschauenden zur eigenen Vervollständigung der Revolte auf.

Das Stück von Daina Ashbee „Unrelated“ beeindruckt durch die Thematisierung von Gewalt gegen Frauen in der indigenen
Bevölkerung und ihrer Wirkung über Generationen hinaus. Der Tanz ist fur Ashbee eine Möglichkeit des Ausdrucks der Not, aber auch der Heilung.

Ali Chahrour beschäftigt sich in seinen Stücken den Traditionen seiner Heimat und behandelt in „May He Rise…“ das Thema der Männlichkeit im Zusammenspiel mit Momenten der Schwäche und des Verlusts.

Der indonesische Choreograf Eko Supriyanto widmet sich wiederum den Frauen Indonesiens. Er präsentiert mit „Balabala“ eine
Gruppe junger Frauen, die mit der Praxis von typisch männlichen Kampfkünsten ihrer Region die gesellschaftlichen Regeln ihres Dorfes infrage stellen. Sein Stück wird zur Huldigung an die modernen indonesischen Frauen und reklamiert für sich die gesellschaftliche Wirkung der Kunst.

Mit einem Kanada-Fokus haben die Potsdamer Tanztage darüber hinaus fünf Produktionen zu Gast,
die einen Einblick in die Vielfalt der kanadischen Tanzszene gibt und damit das 150. Jubiläum der Gründung Kanadas mitfeiert.

Die Compagnie Marie Chouinard gehört zu den bekanntesten Ensembles des Landes, so wie die RUBBERBANDance Group mit ihrem
unverwechselbaren Stil aus Hip Hop und Zeitgenössischem Tanz. Weitere enfants terribles wie
Frédérick Gravel oder Daina Ashbee werden international für ihre hoch sensiblen und zugleich
eindrucksvollen Stücke geschätzt. Als Festival-Prolog bereist Caroline Laurin-Beaucage mit
ihrem openair Stück „Habiter sa Mémoire“ das Land Brandenburg und bringt in einer 4-stündigen
Performance für Passanten den Tanz ins alltägliche Leben.

Neben dem Aufführungsprogramm präsentieren die Potsdamer Tanztage ein breites Angebot von
Konzerten, die nach den Stücken dazu einladen, den Abend zu verlängern: LINKAA, Pretty Mery
k., HOPE, Aaron Ahrends, Raman Khalaf & Kaan Wafi sowie TripAdLip sind einige der
Bands, die die openair Bühne der fabrik beleben werden.
Darüber hinaus lädt das Festival zum Besuch von 33 Workshops für Profis, Amateurs und Kinder,
sowie zu Künstlergesprächen zur Vertiefung des Erlebten ein.

TICKETS:
www.potsdamer-tanztage.de / Tel. 0331 24 09 23