Harry Mohr, der Glücksbeschwörer. Eine Ausstellung im Kunstraum

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Harry Mohrs „Der Auftrieb der Seele“, 1995

Seine Linien- und Kreislabyrinthe entführen auf eine weite Reise der Fantasie. Wer sie betritt, findet immer neue Wege und Abzweigungen, die mit warmer Poesie frohlocken. Harry Mohr war ein Träumer, ein Hoffender, der mit seinem Malstift das Glück beschwor. Vor einem Jahr ist der Potsdamer Künstler gestorben, gerade mal 64 Jahre alt. Im Kunstraum wird ab Donnerstag mit einer Ausstellung an ihn erinnert.

Mein „persönlicher“ Mohr hängt seit vielen Jahren im Schlafzimmer: der „Auftrieb der Seele“. Diesen feinkomponierten Akt der Balance entdeckte ich Mitte der 90er Jahre in der Sperl Galerie – und wollte ihn besitzen. Es war nicht nur diese besondere Technik auf besonderem Papier, die mich faszinierten. Es war wohl auch dieser naiv fabulierende Gestus, der mich in das Bild hineinzog. Auf eine leise unspektakuläre Art beschreibt es die Schwierigkeit,  immer wieder im Leben das Gleichgewicht finden zu müssen. Es packt die Neugierde beim Schopfe und bewahrt trotz der scheinbaren Banalität immer ein Stück Geheimnis. Diese zarte Schöpfung der Kunst ändert sich mit dem jeweiligen Zustand des Betrachters, weil sie in ihrem freien Formenspiel nichts festzurrt. Sie bleibt lebendig.

Harry Mohr, der kräftige Mann von der Küste, war ein Schiffbauer und als Künstler Autodidakt. Er begann während seiner Armeezeit mit „Kritzeleien“, wie er es nannte. Sie waren ihm in den Zwängen des Militärdienstes Überlebensventil  und sicherten ihm eine Insel, die nur er betreten durfte. Das Malen musste ihn noch oft über schwierige Lebenssituationen und Schicksalsschläge hinweg tragen. Die Kunst diente ihm immer wieder als Auftrieb der Seele. Harry Mohr igelte sich nicht ein. Immer wieder traf man ihn bei Veranstaltungen, wie bei Tanzaufführungen in der fabrik. Er suchte die Inspiration und ließ sie in seinem ganz eigenen Kosmos einfließen. Es ist gut, dass der Potsdamer Kunstverein jetzt gemeinsam mit dem Kunstraum des Waschhauses an ihn erinnert: an „Harry Mohr – Die innere Kraft der Freude“. (he)

Die Ausstellung ist vom 23. Oktober bis 22. November im Kunstraum des Waschhauses in der Schiffbauergasse zu sehen.  Die Vernissage ist am Donnerstag, den 22. Oktober um 19 Uhr.

Weitere Informationen unter www.kunstraumpotsdam.de

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