Potsdam spielt mit in der Spitzenliga der Kunst. Das Barberini ist eröffnet

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Hier haben die Klassiker der Moderne ihren farbkräftigen Auftritt: darunter Munchs „Mädchen auf der Brücke“.

Geschrieben und gelobpreist wurde genug. Jetzt ist es an der Zeit, dass sich jeder selbst ein Bild macht. Nachdem das Barberini am Samstag freien Eintritt gewährte und sich die Besucher quer über den Alten Markt schlängelten, ist heute die reguläre Eröffnung des Museums. Der „Alltag“ zieht ein: wenn man bei einem Haus dieser Superklasse überhaupt davon reden kann.

Ich hatte das Glück, bereits beim Presserundgang gemeinsam mit 200 Kollegen die nunmehr mit Bildern gefüllten Räume zu erleben. Und ich war sprachlos. Allein der Saal mit den Klassikern der Moderne, zu denen Liebermann, Munch, Nolde oder Slevogt zählen, versetzte mich geradezu in einen Rausch. Wo kommt bloß dieses Licht her, das die Farben so leuchten, so kraftvoll erstrahlen lässt?! Ist es die dunkle Wandfarbe, die die Pastelltöne der Gemälde besonders hervorlocken oder aber das raffinierte Oberlicht? Egal: Hier ist eine Bühne, die jedem einzelnen Star zu seinem Glanzauftritt verhilft. Keiner stiehlt dem anderen die Show. Jeder bekommt seinen Platz und seine Stimme und alle klingen wie in einem großen Orchester harmonisch zusammen: die Impressionisten ebenso wie die Klassiker der Moderne und auch die Künstler aus der DDR.

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Claude Monets Seerosen

Einer aber steht auf einem besonders hohen Sockel: Claude Monet. 41 der 92 ausgestellten Impressonisten stammen von ihm. Wir sehen seine lichtbadenden Seerosen, die Heuhaufen im Wechsel der Jahreszeiten, Häfen im Spiegelbild… Auch eines seiner seltenen Nachtbilder ist dabei: „Der Hafen von Le Havre am Abend“. Welche Bilder aus der Sammlung von Hasso Plattner sind, wird geheim gehalten. Nur so viel: „Kaiser Wilhelm II. mochte keine Impressionisten – im Gegensatz zu mir!“ Das sagte Hasso Plattner bei der Pressekonferenz. Sei sie ihm gegönnt, die stolz geschwellte Brust. Wir alle sind schließlich Nutznießer seiner kostspieligen Leidenschaft.

Plattner baute sein Museum nicht Berlin, wo er geboren wurde, sondern hier in Potsdam: am Sehnsuchtsort seiner Kindheit.  Er kannte den Osten nur aus dem Fernsehen, vom Sandmännchen oder Eishockey. Wenn er mit den Eltern auf dem Wannsee segelte, war an der Glienicker Brücke die Welt zu Ende. Der milliardenschwere Unternehmer sah nach der Wende aber gerade hier Handlungsbedarf: in der ehemaligen DDR, die etwas schlecht weggekommen sei bei der Wiedervereinigung. Auch in der Bewertung der Kunst.  Hasso Plattner kaufte sie: die Renommierten, wie Heisig, Mattheuer oder Sitte. 20 Bilder sind schon jetzt in der Eröffnungsausstellung zu sehen. Im Herbst folgt eine größere Schau zur Kunst in der DDR: dann ergänzt durch  Leihgaben aus Leipzig, Dresden, Berlin. Plattners eigene Sammlung ist der Grundstock des Barberini, aber sie setzt auf das Zusammenspiel mit anderen Museen. Die leihen ihre Bilder natürlich nur aus, wenn sie wissen, dass die Werke mit Samthandschuhen angefasst werden. Und dieses Vertrauen genießt das Museum – auch dank seiner Leiterin Ortrud Westheider, die sich schon in Hamburg am Bucerius Kunst Forum  das Wohlwollen großer Häuser erarbeitet hat.  „Wir sind stolz, dass wir als Anfänger gleich in der Liga der Spitzenmuseen vorgedrungen sind“, freut sich Plattner. Und wir Potsdamer freuen uns mit.

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Mit Caillebotte gibt es einen Brückenschlag an die Seine

Auch wir fühlen uns königlich! Beschenkt durch Kunst, die diese Stadt einfach nur adelt. Wir schweben durch die Säle und lassen uns urlaubslaunig vom Licht und Zauber der Bilder und Plastiken bekränzen. Von diesem wundervoll schwermütigen Auftritt Rodins, der den Impressionismus in die Skulptur brachte, von der mediterranen Leichtigkeit in Monets “ Rio della Salute“ oder von  der „Reitergruppe im Wald“, für die Max Slevogt einen goldenen Lichtteppich ausrollte. Es geht durch Wälder und Lichtungen, durch zugewucherte Gärten und freie Felder und immer wieder am Wasser entlang. Und dort ist jetzt auch Plattners Museum angekommen: das sich in der Alten Fahrt majestätisch spiegelt.

Vielleicht haben Sie Lust, uns über Ihren ersten Besuch im Barberini,  über Ihr Lieblingsbild zu schreiben?! Der Kultursegler freut sich über jeden Kommentar!  jä

Eintritt 14/erm. 10 Euro, unter 18 Jahren freier Eintritt

Dienstag ist Ruhetag (außer am morgigen), ansonsten täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Weiteres unter www.museum-barberini.com und www.kunst-potsdam.de 

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