Schaurig-schön

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„Oma, wohnt da unten die Hexe?“. Die Frage meines Enkels ist nicht unbegründet. Die Häuserruinen, auf die wir aus 20 Metern Höhe schauen, verströmen märchenhaften Grusel. Die perfekte Szenerie für „Hänsel und Gretel“. Doch die Hexe bleibt in ihrem Versteck und wir können ungestört die weite Aussicht vom Baumwipfelpfad genießen. Stufe für Stufe haben wir ihn erklommen und den Fahrstuhl links liegen gelassen. Schließlich muss man solche Erlebniswelt aus eigener Kraft erobern. Der Wind pfeift uns um die Nase, wir ziehen den Schal enger um den Hals. Doch es geht noch höher: von den leicht schwankenden Bohlen des 320 Meter langen Pfades über die Baumwipfel, klettern wir weitere 20 Meter den Aussichtsturm hinauf.

IMG_2059Um uns herum breiten sich Beelitz-Heilstätten, alte Sanatoriums-gebäude, Villen-Ruinen und der märkische Wald aus. Es ist einer der geheimnisvollsten Orte Brandenburgs, der uns zu Füßen liegt. Hier soll es Geister geben, die durch die leeren Räume und unterirdischen Gänge der einstigen Lungenheilanstalt spuken. Tatsächlich ermordete die „Bestie von Beelitz“, der „Rosa Riese“, zwischen 1989 und 1991 in diesem Dunst des einstigen Kranken-hauses sechs Menschen. Davon erzähle ich meinem Enkel nichts. Wir schauen über die malerischen Ruinen, die von Schlingpflanzen überwuchert sind und stellen uns vor, wie Hänsel und Gretel den Weg wieder nach Hause finden. Das Gebiet strotzt nur so vor Fotomotiven. Natürlich haben Filmscouts längst das Areal für sich erobert: Hier wurden Szenen für Der Pianist, Operation Walküre oder Hotel Adlon gedreht. Und Hänsel und Gretel wird sicher bald folgen.

Die Zeit zwischen den Festtagen bietet sich geradezu an, diese märchenhaft-schaurige Aussicht in Familie zu genießen. (he)

Der Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten ist ganzjährig geöffnet, im Winter von 10 bis 16 Uhr. Der Spaß ist indes nicht ganz billig: Der Eintritt beträgt 9,50 Euro für Erwachsene und 7,50 Euro für Kinder und Jugendliche (7 bis 16 Jahre), Studenten und Rentner zahlen 8,50 Euro, Kinder unter 6 Jahren können den Pfad kostenlos besuchen.

Täglich wird zudem eine einstündige Führung angeboten. Dabei erfahren die Besucher Wissenswertes über Natur, Architektur und Geschichte der zwischen 1889 und 1930 errichteten Heilstätten.

Weiteres unter http://www.baumwipfelpfad-baumkronenpfad.de

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