Steh-Espresso und Baby-Konzerte

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Das freundliche Gesicht des „Ricciotti“: Tanja Hofmann führt Regie im mediterranen Café im Nikolaisaal, das am morgigen Samstag eröffnet. / Foto: he

Ein Espresso im Stehen – schnell mal auf die Husche. Für nur einen Euro. So etwas fehlte bislang in Potsdam. Heike Bohmann kennt das aus Frankreich. „Wenn man irgendwo im Hafen mit dem Boot anlegt, gibt es überall so ein Tässchen am Tresen“. Dieses romantische Gefühl von Urlaubsflair holte sich die Prokuristin nun direkt an den Arbeitsplatz: in den Nikolaisaal. Dort eröffnet am Samstag im barocken Vorderhaus das „Ricciotti“: für die Mitarbeiter des Veranstaltungshauses eine Kantine im besten Sinne, für Konzertbesucher und Flaneure eine lichtdurchflutete gemütliche Stätte zum Innehalten und Genießen.

Dass die mediterranen Speisen zur Köstlichkeit werden, dafür zeichnet Tanja Hofmann verantwortlich. Beim gestrigen Probelauf überzeugte sie schon mal mit der süßen Sünde eines Schoko-Mandel-Kuchens. Wer die junge Frau bereits vom Lekker Snoepjes im Holländischen Viertel kennt – wird ihr gewiss auch hierher folgen: in die Wilhelm-Staab-Straße 10, im ersten französischen Quartier. Nach dem Ausscheiden ihrer Kollegin, die ihre Mutterfreuden leben wollte, musste sie die Pralinenmanufaktur schließen. Nun gibt es die Köstlichkeiten vom Lekker Snoepjes eben hier, im „Ricciotti“: die beliebten Schoko-Lollies ebenso wie Rosenblütenmohnmarzipan am Stiel. Sie möchte das Gesicht des neuen Cafés im Nikolaisaal sein, sagt Tanja Hofmann und nimmt sofort mit ihrem sympathischen Lächeln für sich ein. Auch ihre beiden 2- und 6-jährigen Kinder werden hier wohl öfter zu Gast sein, denn eine Spielecke wird noch eingerichtet. Unter den Blicken von zig Affen können die Kleinen malen und Bücher angucken.

Die Affen, Schmetterlinge und Vögel auf der Tapete erinnern an einen Paradiesgarten und geben der Fantasie freien Lauf. Die 45 Plätze in dem dreigeteilten, schlicht möblierten, in grün-blauen Meeresfarben getauchten Raum sollen alle Generationen anziehen: den hippen Jungunternehmer ebenso wie die Großmutter mit Enkel. Während man vorn zum Prosecco greift oder sich das wechselnde Mittagsangebot schmecken lässt, kann man im Loungebereich ungestört beim Café Cortado oder hausgemachten Smoothie lesen oder am Laptop arbeiten. Auch die Musik schwappt vom Konzertsaal rüber ins Café, das seinen Namen nach dem französischen Stararchitekten des Nikolaisaals, Rudy Ricciotti, erhielt, der sich sehr geehrt über diese Hommage fühlte. Hier, wo früher die Kammerakademie ihren Sitz hatte, wird es nun den Hörklub sowie Einführungen in die Konzerte geben, der Freundeskreis tagen, aber auch Livemusik für Schwangere und Eltern mit Kleinkindern erklingen. So etwas wie Hausmusik bei Kaffee und Kuchen oder selbstgemachter Limonade, kündigt Andrea Palent, die Geschäftsführerin des Nikolaisaals, an. Platz sei vorhanden „und die musische Bildung beginnt ja schon im Babybauch.“ So sorgt sie rechtzeitig für nachwachsende Konzertgänger. Locker, vital und barrierefrei wird es zugehen unter den schirmlosen Glühbirnen, die man zu einem originellen „Kronleuchter“ verknoten kann. Und auch draußen in der Wilhelm-Staab-Straße und im lauschigen Innenhof gibt es Sonnen- und Schattenplätze. Doch anders als am Mittelmeer wird hier – einen Steinwurf vom Potsdamer Stadtkanal entfernt – bereits um 22 Uhr geschlossen. Das ist der Tribut an die historische Innenstadt, die die Betreiber zahlen mussten.

Wer sich also morgen  nach der Nikolaisaal-Lesung Martina Gedecks aus der Gourmet-Novelle „Babettes Fest“ noch eine Frittata im „Ricciotti“ munden lassen will, wird das wohl auf eine frühere Stunde verschieben müssen. Oder er stimmt sich auf die Lesung mit einem Steh-Espresso ein. (he)

Wilhelm-Staab-Straße 10, montags bis freitags von 11 bis 22 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 20 Uhr.

Weiteres unter www.cafe-ricciotti.de

 

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