F-Fan-Fanatische Vocalise: Am Sonntag beginnt das Festival

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Klangvolle Inspiration. Die Vocalise lädt zu einem musikalischen Miteinander.

Das Motto provoziert. „Fanatisch“ ist die diesjährige Vocalise überschrieben: dieses glänzende Fest der Stimmen im dunklen Monat November. Warum wird diese Hohezeit der Musik, die den inneren Frieden beschwört, mit diesem negativ besetzten Wort „abgewertet“? Fanatiker versetzen gerade jetzt die Welt mit ihrem blinden religiösen Eifer in Angst und Schrecken. Ihre besessene Leidenschaft schafft Leiden.

Ud Joffe, der Künstlerische Leiter des Vocalfestivals, das vom 6. bis 27. November mit sieben Konzerten in vier Gotteshäusern aufwartet, weiß natürlich um die Irritation und will provozieren. Oder das Wort von seinem schwarzen Gewand befreien. Weiterlesen

Märchenhaft schön – „Nathan der Weise“ in der Französischen Kirche

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Jude und Muslim werden Freunde: Teo Vadersen spielt den reichen und weisen Nathan (r.), Martin Molitor den offenherzigen Sultan Saladin.                 Foto: Poetenpack/Constanze Henning

Dieser Ring ist von feinstem Schliff, facettenreich schillernd, rund und märchenhaft schön. Teo Vadersen lässt als Nathan der Weise jedes Wort aus der Ringparabel vorsichtig im Mund zergehen. Nachdenklich streicht er seinen Bart, tastet sich vor wie eine Katze um den heißen Brei. Er lässt sich Zeit, wägt ab und lässt blitzgescheit eine Geschichte entstehen, die zutiefst ergreift: Die Geschichte des Vaters und seiner drei streitenden Söhne, die gleichnishaft für die sich streitenden Religionen in der Welt steht. Welche nun ist die wahre?

Die meisten Zuschauer, die dicht gedrängt um die Bühne in der Französischen Kirche sitzen, kennen Lessings Lehrstück sicher noch aus der Schule. Doch wenn sie wie in der Inszenierung von Andreas Hueck und in dem blutvollen Spiel Teo Vadersens so plastisch vor Augen geführt wird, ist sie wieder ganz neu: zupackend und hoch aktuell. Dieser Jude Nathan hat Schlimmes erlebt und sich doch das Wichtigste bewahrt: seine Menschlichkeit. Weiterlesen

Spenden für einen Potsdamer „Nathan“

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Als der Jude Nathan von einer Reise zurückkommt, erfährt er, dass seine Pflegetochter Recha von einem christlichen Tempelherrn aus dem Feuer seines brennenden Hauses gerettet worden ist. Zeichnung: Gottlieb 1877

In dieser Zeit des Auseinanderdriftens, in der wir erschrocken vor mordenden und brandschatzenden Hohlköpfen stehen, kommt diese Idee wie gerufen: „Nathan der Weise“ soll sprechen – hier aus Potsdam, in der Mitte der Bürger.

Anlässlich des 330. Jahrestages des Edikts von Potsdam möchte das Poetenpack gemeinsam mit dem Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt das Stück im Oktober in der Französischen Kirche auf die Bühne bringen. Jugendliche verschiedener Religionen sollen darin mitwirken.

Um dieses Vorhaben umzusetzen, wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Im Moment fehlen noch 3 679 Euro von insgesamt 62 702 Euro. In einem großen Endspurt soll es bis zum 31. August – also bis Montag – gelingen, diesen Betrag zusammenzubekommen. Weiterlesen