Alter macht launisch: Das Neue Globe Theater mit einem actionreichen, aber zu langen König Lear

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König und Narr: Andreas Erfurth und Kilian Löttker. Foto: Gerrit Wittenberg

Diesem langen, zu langen Abend möchte ich ein kurzes Nachwort beifügen. Es ging heiß her, bei diesem „König Lear“ des Neuen Globe Theaters, das am Donnerstag im T-Werk Premiere feierte: bei gefühlten 40 Grad, die sich auch mit dem Programmheft nicht wegwedeln ließen. Die acht Mannen in schau-lustigen Frauen- und Männerkleidern kosteten den von Shakespeare tief gegrabenen Spielbrunnen genüsslich aus. Sie boten ganz im Sinne des großen Dramatikers pralles, derbes, witziges, bluttriefendes, zotiges und in seinen besten Momenten auch berührendes Theater. Weiterlesen

„Sag mal, geht’s noch?“: „Die Berliner Stadtmusikanten“ als vergnügliches Puppenspiel für Erwachsene

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Die Puppenbühne der Zitadelle Spandau kommt mit ihren skurril-witzigen „Berliner Stadtmusikanten“ ins T-Werk.

Zu meinen Lieblingsmärchen gehörten sie nicht: „Die Bremer Stadtmusikanten“. Vielleicht misstraute ich dem ganzen Spuk, dass vier so abgewrackte Gesellen tatsächlich richtige Räuber in die Flucht schlagen können. Und diese Botschaft „Etwas Besseres als den Tod findest du überall …“  bewegte mich als Kind auch nicht sonderlich. Eigentlich packte mich diese Grimm‘sche Geschichte erst so richtig, als ich sie in der Theaterversion der Zitadelle Spandau erzählt bekam: nunmehr als „Berliner Stadtmusikanten“ und als Puppenspiel für Erwachsene. In dieser kurzweilig-pointierten Inszenierung des Familienunternehmens Wagner und des Regisseurs Pierre Schäfer paarten sich plötzlich Leben, Witz und Klugheit auf erfrischende Weise, die noch im Nachhall für vergnügliches Schmunzeln sorgt. Weiterlesen

Mittendrin im Bühnenbild und im Geschehen – bei „Murmels Reise“

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Voller Abenteuer: „Murmels Reise“. Foto: Sabine Opdensteinen

Eigentlich soll Murmel schlafen. Den ganzen Winter durch. So ist das bei den Murmeltieren. Aber einmal aufgewacht, kann Murmel einfach nicht mehr einschlafen. Es zieht ihn hinaus: auf die Wiese, in den Schnee, auf den Berg und immer weiter. Ein Abenteuer zieht das nächste nach sich. Der Weg des kleinen Ausreißers ist voller Gefahren und Murmel braucht nicht nur schlaue Ideen, sondern auch Freunde und etwas Glück, um im Frühjahr wieder rechtzeitig in der Höhle zurück zu sein. Denn wenn seine Familie erwacht, soll sie sich nicht um ihn sorgen. Nein, dann will Murmel ihr erzählen, wie er all den Gefahren mutig trotzte …

Das Erzähltheater „Murmels Reise“ nimmt Entdecker ab vier Jahren mit auf eine Odyssee voller Wunder und Überraschungen. Weiterlesen

Die PuppenTheaterTeufel in Schöpferlaune: Samstag ist Premiere

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Jugendliche Puppenspieler zeigen am Wochenende im T-Werk frei nach Prometheus, wie die Geschichte der Menschheit begann: „Ich nenne es: Den Anfang!“

Es muss schon kräftig dampfen und brodeln in dieser Ursuppe, in der alles entstand. Und so läuft die Nebelmaschine auf Hochtouren, wenn Prometheus sein Werk beginnt … Fünf Potsdamer Jugendliche, genannt die „PuppenTheaterTeufel“, bringen am Wochenende im T-Werk die griechische Mythologie auf die Bühne: in ihrer ganz eigenen bildreichen Version. Weiter

Nikolaus mit Alice im Wunderland

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Gedankenverloren träumt Alice vor sich hin, als plötzlich ein sprechendes Kaninchen an ihr vorbeihuscht. Neugierig geworden, folgt sie ihm in seinen Bau und landet mitten im Wunderland. Dass sie dort merkwürdige Abenteuer erlebt und seltsamen Wesen begegnet, wie der Grinsekatze oder dem Hutmacher, erscheint ihr beinah selbstverständlich. Doch als sie die gefürchtete Herzkönigin trifft, muss Alice einige gefährliche Situationen meistern.

Zum Auftakt des Kultursegler-Adventskalenders gibt es 1×2 Freikarten für die Vorstellung am Nikolaustag im T-Werk Potsdam zu gewinnen. Abenteuerlustige Interessenten schicken bis zum 4.12. einfach eine Email oder Facebooknachricht an die Kultursegler. Weiterlesen

Die Macht der Anonymität – „Insight Men“ beim unidram­-Festival

Ohne Identiät: "Insight Men" von "AnonymoUS" beim unidram - Foto: promo / AnonymoUS
Ohne Identität: „Insight Men“ von „AnonymoUS“ beim unidram – Foto: promo / AnonymoUS

Wir sitzen zusammen in einer Gruppe auf der kleinen Zuschauertribüne. Niemand kennt den anderen. Und nicht nur das: Wir können uns nicht einmal voneinander unterscheiden, denn alle sehen komplett identisch aus. In Overalls und den zum Symbol gewordenen Guy-Fawkes-Masken sind wir alle gleich, anonym.

Diese Anonymität, die die Gruppe „AnonymoUS“ beim diesjährigen unidram-Festival im Laufe ihrer Performance per Anweisung auch im Publikum erreicht, ist einerseits befremdlich, andererseits hat sie auch etwas Verlockendes. Das wird dem Besucher in diesem Moment deutlich vor Augen geführt: Man kann tun und lassen, was man will, man kann sprechen und schweigen, wie man will. Keine Tat und kein Wort (ob wahr oder unwahr) wird mit dem eigenen Gesicht, der eigenen Person in Verbindung gebracht. So verschwindet mit einem Mal die Hemmung, in einer Gruppe völlig fremder Menschen persönliche Details und Geheimnisse preiszugeben oder sich ohne die Gedanken über das, „Was denken die Anderen über mich“, durch den Raum zu bewegen. Hinter der Maske findet sich potenziell der Mut, sich wahlweise zum Deppen zu machen oder aber für Dinge einzustehen, in Kämpfen, die man sonst nur aus der Distanz beobachtet. So entsteht eine ganz eigene, spannende – aber zuweilen auch gefährliche – Dynamik. Weiterlesen

Wilde Flammen – Unidram entzündet am 3. November sein Festivalfeuer

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Ein Tiger, eine Wüste, ein Krieg. „Plastic Heroes“ des israelischen Puppenspielers Ariel Doron ist eine grotesk in Szene gesetzte Mobilmachung gegen Gewalt.  Es wird u.a. am 5. November um 19 Uhr im Museum FLUXUS+ gezeigt.

Wenn es draußen schmuddelt und die Kälte nasskalt in den Körper steigt, ist Festivalzeit. Unidram schlägt in der Schiffbauergasse seine Zelte auf und heizt mit einem hell lodernden Theaterfeuer kräftig ein. Es ist indes kein Feuer, an dem es nur wohlig zugeht. Die Funkenflüge treffen oft mitten ins Herz, wühlen auf, verstören. Es ist junges, es ist leidenschaftliches und oft auch politisches Theater, das hier auf Einladung des T-Werks gastiert. Sie kommen von überall her, die Puppenspieler und Musiker, Schauspieler und Bühnenbildner. Sie sprechen andere Sprachen und reden doch mit einer Zunge: mit der der Toleranz und Achtsamkeit. Diese experimentierfreudigen, oft wild und wütend um sich schlagenden Fantasie-Poeten verdienen Gehör. Denn sie stiften durch ihre unabgenutzten Bilder, mit der sie die Bühne tränken, auch in uns neue Gedanken. Weiterlesen