Mit Wucht und Zauber: Unidram ist eröffnet und zeigt sich gewohnt anders

akhe-choosing-the-womb-l
Sie nennen sich selbstironisch „Ingenieurtheater“, die Künstler von Akhe aus St. Petersburg. Bei Unidram stellen sie an mehreren Abenden ihre Annäherung an das Tibetische Totenbuch vor.

Erschöpft trete ich nach diesem ersten langen Unidram-Abend in die Kühle der Nacht. Die russische Gruppe Akhe hat ganze Arbeit geleistet. Ihre Annäherung an das Tibetische Totenbuch ist nicht nur für die beiden Performer ein enormer Kraftakt.  Während sie sich mit Milch und Blut beschmieren, über die Bühne robben und wie besessen in wilder Pinselei die Bühne weißen, sinniert der Kopf der Zuschauer angestrengt über Sinn und Widersinn dieser akribisch-chaotischen Aufführung nach. Weiterlesen

Die sinnumstürzende Kraft des Theaters: Hinein in die Unidram-Bilderwelt

05-Dudapaiva-Blind-Foto-Patrick-Argirakis-3
Der wilde Tanz der Puppen. Mit „Blind“ wird das Festival eröffnet. Foto: Patrick Argirakis

Lautlose Schreie, flackerndes Licht, Puppen außer Rand und Band – der Unidram-Trailer gibt einen bitter-süßen Vorgeschmack auf das internationale Festival in der Schiffbauergasse. Ein turbulentes Spiel mit den Möglichkeiten des Theaters um Illusion und Wirklichkeit beginnt. Junge Künstler aus Europa reisen nach Potsdam, um ab Dienstag ihre faszinierenden Bilderwelten und visuellen Experimente zu zeigen. Auch ohne Worte sprechen sie eine kraftvoll-beseelte Sprache. Weiterlesen

Die Macht der Anonymität – „Insight Men“ beim unidram­-Festival

Ohne Identiät: "Insight Men" von "AnonymoUS" beim unidram - Foto: promo / AnonymoUS
Ohne Identität: „Insight Men“ von „AnonymoUS“ beim unidram – Foto: promo / AnonymoUS

Wir sitzen zusammen in einer Gruppe auf der kleinen Zuschauertribüne. Niemand kennt den anderen. Und nicht nur das: Wir können uns nicht einmal voneinander unterscheiden, denn alle sehen komplett identisch aus. In Overalls und den zum Symbol gewordenen Guy-Fawkes-Masken sind wir alle gleich, anonym.

Diese Anonymität, die die Gruppe „AnonymoUS“ beim diesjährigen unidram-Festival im Laufe ihrer Performance per Anweisung auch im Publikum erreicht, ist einerseits befremdlich, andererseits hat sie auch etwas Verlockendes. Das wird dem Besucher in diesem Moment deutlich vor Augen geführt: Man kann tun und lassen, was man will, man kann sprechen und schweigen, wie man will. Keine Tat und kein Wort (ob wahr oder unwahr) wird mit dem eigenen Gesicht, der eigenen Person in Verbindung gebracht. So verschwindet mit einem Mal die Hemmung, in einer Gruppe völlig fremder Menschen persönliche Details und Geheimnisse preiszugeben oder sich ohne die Gedanken über das, „Was denken die Anderen über mich“, durch den Raum zu bewegen. Hinter der Maske findet sich potenziell der Mut, sich wahlweise zum Deppen zu machen oder aber für Dinge einzustehen, in Kämpfen, die man sonst nur aus der Distanz beobachtet. So entsteht eine ganz eigene, spannende – aber zuweilen auch gefährliche – Dynamik. Weiterlesen

Wilde Flammen – Unidram entzündet am 3. November sein Festivalfeuer

ariel-doron-l
Ein Tiger, eine Wüste, ein Krieg. „Plastic Heroes“ des israelischen Puppenspielers Ariel Doron ist eine grotesk in Szene gesetzte Mobilmachung gegen Gewalt.  Es wird u.a. am 5. November um 19 Uhr im Museum FLUXUS+ gezeigt.

Wenn es draußen schmuddelt und die Kälte nasskalt in den Körper steigt, ist Festivalzeit. Unidram schlägt in der Schiffbauergasse seine Zelte auf und heizt mit einem hell lodernden Theaterfeuer kräftig ein. Es ist indes kein Feuer, an dem es nur wohlig zugeht. Die Funkenflüge treffen oft mitten ins Herz, wühlen auf, verstören. Es ist junges, es ist leidenschaftliches und oft auch politisches Theater, das hier auf Einladung des T-Werks gastiert. Sie kommen von überall her, die Puppenspieler und Musiker, Schauspieler und Bühnenbildner. Sie sprechen andere Sprachen und reden doch mit einer Zunge: mit der der Toleranz und Achtsamkeit. Diese experimentierfreudigen, oft wild und wütend um sich schlagenden Fantasie-Poeten verdienen Gehör. Denn sie stiften durch ihre unabgenutzten Bilder, mit der sie die Bühne tränken, auch in uns neue Gedanken. Weiterlesen