Der Kultursegler legt an und verabschiedet sich

Fast ein Jahr ist es her, dass wir unseren letzten Beitrag veröffentlicht haben. Das hat natürlich seinen Grund: Es fehlte wohl einfach die Energie und Inspiration zum Schreiben. Vielleicht lag es an der Schwemme der Informationen, an den vielen Podcasts, Blogs und sonstigen sozialen Veröffentlichungen, dass wir das Gefühl hatten, nicht auch noch mitmischen zu müssen. Oder es war die eigene Ermüdung angesichts dieser aufgedrehten Welt, die uns immer leiser werden lässt? Natürlich haben wir auch in den vergangenen Monaten vieles erlebt, über das es sich zu schreiben lohnen würde, das sich über Kriegsgebrüll und politischem Gezeter wohltuend erhebt. Aber zum Schreiben braucht es freudvollen Enthusiasmus, und der ist irgendwo versandet.

Wichtiger sind uns reale Begegnungen, das gegenseitige Zuhören und Stärken. „Eine Hinwendung, zu dem, was uns wärmt und nicht zerstört. Kein Anti, sondern ein leises Trotzdem“, wie es Podcaster Matze Hielscher vom Hotel Matze in seinem Newsletter so treffend formuliert.

Vielleicht gibt es irgendwann wieder frischen Wind, der uns aufbrechen lässt, erneut hinaustreibt. Vielleicht laufen wir uns bis dahin auch durch Zufall in die Arme, was in unserem beschaulichen Potsdorf zum Glück des öfteren passiert?!

Blick über die Berge, Kathlen Pieritz

Vielleicht bei der Ausstellungseröffnung von Kathlen Pieritz in der Orangerie im Neuen Garten? Am 5. Juli um 16 Uhr lädt die Potsdamer Malerin zu ihren farbintensiven Begegnungen mit der Natur ein. Bis zum 26. Juli können die Besucher in der lichtdurchfluteten Pflanzenhalle mit einem Kaffee durch ihre Bilderlandschaften wandeln.

Vielleicht sehen wir uns aber auch im Hans Otto Theater, das in der zurückliegenden Spielzeit vor allem mit seiner Christa-Wolf-Inszenierung „Also träumten wir mit hellwacher Vernunft“ glänzte und die nach der Sommerpause weitere Aufführungen erlebt. Oder im Potsdam Museum, das neben dem Barberini oft übersehen wird, aber durchaus einen Besuch lohnt. Wie jetzt in der Ausstellung über den Platz direkt vor der Haustür: den Alten Markt (bis 25. Oktober). Historische Pläne, Fotografien und Modelle erinnern an die vielen Gemütsbewegungen im Wandel der Zeit. Dort entstanden einst ein Theater, das im Rohbau wieder abgerissen wurde und eine Blechbüchse als ungeliebtes Trostpflaster. Und jetzt: viel Stein und wenig Grün, aber eingerahmt von Kultur, Gastronomie, Kirche und Politik.

Wen es hinauszieht ins Grüne hinter der Glienicker Brücke, dem sei hier noch eine Empfehlung an die Hand gegeben: Das Brücke Museum in Dahlem. Bestens mit Öffis zu erreichen und gut zu verbinden mit einem Spaziergang zum Grunewaldsee und einem Kaffee am Jagdschloss. Dort im Schlosshof gastiert im Sommer auch das Potsdamer Globe Theater mit seinem Sturm (22. August, 19 Uhr, 23. August 16 Uhr)

Großer Phoenix, Berhard Heiliger

Besonderer Glanzpunkt ist die im Garten neben dem Brücke Museum zu findende Plastik-Schau von Bernhard Heiliger. Sein weithin strahlender Großer Phoenix aus Bronze ist ein wahrer Schmaus für Hand und Augen. Entstanden sind diese Arbeiten im Kunsthaus Dahlem, einst Staatsatelier Arno Brekers, dem Lieblingsbildhauer von Adolf Hitler. 1949 zog Heiliger (1915–1995), einer der wichtigsten Bildhauer der westdeutschen Nachkriegsmoderne, ein. Eine kleine, aber spannende Auswahl seiner Werke im schattigen Garten des Dahlemer Kunsthauses zeigt seine sehr unterschiedlichen Handschriften. In einer der Arbeiten gibt es turbulentes Leben: Ein riesiger Bienenschwarm sorgt für munteres Surren und Tun. Ein Ort zum Innehalten.

Natürlich ist beim Verlassen des Kulturseglers auch ein bisschen Wehmut dabei: Es ist nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Herzblut in unser Dreierprojekt  geflossen. Danke für Euer Mitsegeln, für Eure Anregungen und Kommentare!  he

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