CD statt Beethovenfest. Brandenburger Symphoniker trotzen der Leere

Ein sinfonisch besetztes Orchester mit 44 Musikerinnen und Musikern, eine Pianistin, ein Dirigent. Doch kein Publikum. Nur einer ist dabei, der zuhört, und das ganz genau: Werner Dabringhaus. Er führt mit seinem Partner Reimund Grimm das Label MDG in Detmold (Musikproduktion Dabringhaus und Grimm). Dabringhaus ist bei der neuen CD-Aufnahme der Brandenburger Symphoniker im Großen Haus des Theaters in der Grabenstraße in Brandenburg an der Havel als Tonmeister der Oberkommandierende.→ weiterlesen

Zwei Kochbücher – eine ganze Welt. Lieblingsgerichte aus dem Kuddelmuddel der Kulturen

Sammeln Sie auch Rezepte? Ich reiße und schneide immer wieder welche aus irgendeiner Zeitschrift heraus, freue mich über Tipps von Freunden oder lasse mich von Hobbyköchen aus dem Internet inspirieren. Seit ein paar Monaten speichere ich meine Lieblingsrezepte sogar in einer App. Meine Kinder halten mich technisch auf Trab. Und nicht nur das. Ihre strikte Haltung zum Tierwohl hat auch mein Essenverhalten stark verändert. Wenn ich Fleisch kaufe, dann nur noch mit einer 4 auf der Verpackungsampel. Das hat seinen Preis und reduziert von ganz allein den Fleischkonsum.

Vor mir liegen nun zwei gerade erschienene Kochbücher, die ich näher unter die Lupe nehme. Da die Restaurants wieder geschlossen sind, müssen wir uns eben selber überraschen. Denn: „anyone can cook“ – jeder kann kochen. Das jedenfalls behaupten die jungen Kreativen der Kochplattform „kitchen stories“, die zusätzlich zu ihrer App mit einem richtigen Kochbuch fürs Regal auftrumpfen, „durch dessen Rezepte man sich blättert, vor und zurück, und in dem man Favoriten mit Eselsohren versieht“. Bei ihnen dreht sich alles ums Abendessen: mit möglichst wenig Zutaten und ohne großen Zeitaufwand. Und dennoch schmackhaft und einfallsreich, oft auch vegetarisch und vegan. Daneben mutet das Büchlein „Die besten Rezepte aus Brandenburg“ geradezu bieder an. Aber auch hier gibt es im Kladderadatsch der regionalen Vielfalt Leckeres aus Topf und Pfanne.

→ weiterlesen

Für intensive Lesestunden: Grit Poppes Stasi-Jugenddrama „Verraten“ und Alexander Kühnes Nachwenderoman „Kummer im Westen“

Meine Ausgehwunschliste für den November war lang: Aufführungen von Unidram, Maria Stuart im Hans Otto Theater, ein Konzert der KAP im Schlosstheater …. Aus all den erwartungsfrohen Ereignissen wird nun nichts. Gestrichen. Verschoben. Das tut weh. Zum Glück konnte ich noch Karten für das verstörend großartige Kammerspiel „Schwesterlein“ mit Lars Eidinger und Nina Hoss im Thalia erwischen. Dass es wirklich Sinn macht, die bestens präparierten, coronakonformen Einrichtungen zu schließen, wage ich zu bezweifeln. Aber die steigenden Krankheitszahlen beunruhigen natürlich auch mich. Nun also hat die Literatur wieder die Kulturhoheit. Die Freude am Lesen auf der Couch kann mir auch kein Virus verderben. Also erzähle ich hier etwas über meine zwei letzten Bücher, die ich gerade ausgelesen und empfehlen kann: das aufwühlende Stasi-Jugenddrama „Verraten“ von der Potsdamer Schriftstellerin Grit Poppe und die bitter-fröhliche Nachwendegeschichte „Kummer in Westen“ von dem brandenburgischen Autor Alexander Kühne. Der wollte am 11. November seine unterhaltsame Lektüre selbst vorstellen: bei einer Lesung im Waschhaus. Die wurde nun auf Februar 2021 verlegt. Aber es lohnt sich auch zu Hause, seinem eingängig heiteren, atmosphärisch dichten Sound zu lauschen – und sich an den eigenen November vor 31 Jahren zu erinnern.

→ weiterlesen

Schillernd und federleicht: Joseph Roths „Legende vom Heiligen Trinker“ bis Sonntag in der fabrik

Die Schauspieler und vor allem die Zuschauer haben Glück. Noch auf den letzten Metern können sie sich an Joseph Roths Legende vom Heiligen Trinker erfreuen. Die in Werder beheimatete Wandertruppe Ton und Kirschen zeigt vor coronakonformen Sitzreihen noch bis Sonntag in der fabrik ihre heiter-luftige Inszenierung um den Pariser Clochard Andreas, bevor sich die Kunst wieder einigeln muss.

→ weiterlesen