Beim Nachblättern in die Anfänge unseres Kulturseglers, der genau vor zehn Jahren startete, haben wir erfreut festgestellt, dass sich Gutes bis heute durchgesetzt hat. So schrieben wir im Juli 2015 einen Artikel über das „Spätromantische Flair im Café Eden“. Gerade hat es sich neu herausgeputzt und lädt nun in sanierter Meierei die Besucher ein. Auch Localize gibt es weiterhin: Vor einem Jahrzehnt lud „Localize in die Platte“, diesmal vom 18. bis 20. Juli an den Aradosee. Anderes verschwand von der Bildfläche: wie die Potsdamer Erlebnisnacht.
Auch Wohlfühlorte, die wir bereits gemeinsam mit Euch erkundeten, warten wieder mit spannenden Angeboten auf: wie die Liebermann-Villa am Wannsee. Dort gehts derzeit zurück in die „Versunkene Welt von Felicie und Karl Bernstein“, dem bedeutenden jüdischen Kunstsammlerpaar aus Kaisers Zeiten. In ihrem Haus im Berliner Tiergartenviertel veranstalteten die Eheleute einst einen wöchentlichen Salon, bei dem Max Liebermann, Max Klinger sowie Sabine und Reinhold Lepsius zu den regelmäßigen Gästen zählten. Heute ist ihre Sammlung über die ganze Welt verstreut, von Philadelphia bis Tokio. Die Ausstellungsmacher haben versucht, die heutigen Standorte der Werke der Bernstein-Sammlung ausfindig zu machen.
Sommertheater zwischen Hecken und am Tiefen See
Das Poetenpack sorgt derweil mit dem szenischen Spektakel „Die drei Musketiere“ und Molières Verwicklungskomödie „Der eingebildete Kranke“ im bezaubernden Heckentheater am Neuen Palais für unterhaltsamen Sommerstoff. Allerdings muss ich mich noch selbst davon überzeugen, ob das sommerliche Spektakel hält, was die Presse verspricht. Turrinis böser Komödie „Der tollste Tag“ auf der Sommerbühne des Hans Otto Theaters habe ich indes schon meine Aufwartung gemacht. Eine Bekannte, die die Inszenierung vor mir gesehen hatte, empfahl mir, vorher ein Glas Wein zu trinken. Den Rat befolgte ich gern, hätte aber auch ohne Aufmunterung Spaß an dem von Adriana Altaras inszenierten Abend gehabt. Das Ensemble zeigte sich gut aufgelegt und wusste auch musikalisch zu überzeugen. Bis 19. Juli ist noch Gelegenheit, das muntere Treiben vor der Traumkulisse des Tiefen Sees zu erleben.
Unbedingt sehenswert ist „Bondi Beach“ am Hans Otto Theater – allerdings gibt es die nächste Vorstellung erst wieder nach der Spielzeitpause: am 1. Oktober. Diese schwarzhumorige Komödie von Rebekka Kricheldorf zeigt fünf Freunde in der Midlife-Crisis, die der eigenen Vergänglichkeit ins Auge schauen. Das kurzweilige Stück mäandert 90 Minuten sehr pointiert zwischen Liebe und Einsamkeit und trifft mitten hinein ins eigene Leben. Schön, wenn man über sich selber lachen kann!
Infos & Tickets Heckentheater.
Infos & Tickets Sommerbühne HOT.
Unsere Lesetipps für den Sommer
Wie wäre es mit dem Buch „Großmütter“ von Melara Mvogdobo, das in einer zauberhaft reduzierten und doch so einfühlsamen Sprache verfasst ist? Einer Freundin, der ich es geborgt hatte, schrieb mir begeistert: „Habe es in einem Rutsch durchgelesen und war sehr berührt. Was hatten und haben wir doch für ein herrlich selbstbestimmtes Leben“. Dieser schmale Band handelt von zwei Großmüttern. Die eine kommt aus einer armen Schweizer Bauernfamilie, die andere aus einer relativ wohlhabenden Familie in Kamerun. Beide schaffen es am Ende ihres Lebens, sich von ihren Männern, die sie gedemütigt und missbraucht haben, zu befreien. Die beiden Großmütter bleiben namenlos, denn dieses wunderbare Buch hat die Autorin „Großmüttern zu Ehren“ geschrieben, „den lebenden, den toten und denen, die noch geboren werden.“ (he)
Caroline Wahl ist mittlerweile in aller Munde. Und das absolut zurecht. Mit „22 Bahnen“ hat sich die 30-jährige Autorin sofort in mein Herz geschrieben. Stand bei ihrem Debütroman noch Protagonistin Tilda im Vordergrund, geht es im Folgeroman „Windstärke 17″ um das Leben von Tildas kleiner Schwester Ida, die versucht, nach dem Tod ihrer alkoholsüchtigen Mutter irgendwie mit dem Leben klarzukommen. Man leidet mit dieser jungen Frau, spürt den Druck auf ihrer Brust, die Last ihrer Vergangenheit. Schafft sie es, sich von den Schatten ihrer Geschichte zu lösen – sich mit ihnen zu versöhnen? (so)
Wir wünschen allen unseren Lesern einen erholsamen, reise- und kulturfreudigen Sommer!
Ahoi! he, ro, so
Herzlichen Glückwunsch dem Kultursegler zum 10. Geburtstag.
Danke für viele niveauvolle, interessante und vielfältige Beiträge!
Ebenfalls von mir herzliche Glückwunsche, liebe Heidi.
Ein schönes Projekt und eine der wenigen niveauvollen Rezenzion/Berichte/Beschreibungen unserer Potsdamer Region.
Grüße aus der Galerie KUNST-KONTOR, die jetzt 20 Jahre in Potsdam reussiert.
Friederike Sehmsdorf