Die Selbstinszenierung hat einen Namen: Karl Lagerfeld. Im Innenhof des Kunstmuseums Moritzburg in Halle geben sich mehr als 30 fotografische Selbstporträts des Modedesigners ein Stelldichein. Lagerfeld, der immer im Rampenlicht stand, hat sein Ego gern nach außen gestellt: Dunkle Brille, weiße Haare, bis zum Jahr 2000 war da noch ein Fächer. Überlebensgroß sind die Fotografien. Mit selbstironischem Blick hat er sie bedacht, dabei auch die eigene Endlichkeit nicht außer Acht gelassen: „Meine Devise im Leben ist: Es fängt mit mir an und hört mit mir auf“. War dieses Bonmot ernst gemeint, weil er sich in der Modewelt als der Größte sah und in dieser Branche eine Selbstvermarktung unerlässlich ist? Mit diesem Nachdenken durchschreite ich die Ausstellung Karl Lagerfelds, der in Hamburg geboren wurde, in Paris lebte und arbeitete. Am 19. Februar 2019 starb er mit 85 Jahren.→ weiterlesen
Dreiecksbeziehung zwischen den Sitzreihen. Endlich wieder Kino
Die erste Veränderung ist schon von weitem zu sehen, die zweite folgt auf dem Fuß. Im luftigen Außen-Entree des Thalias sind zwischen der verglasten Kinoreklame Tische aufgestellt. Die abendlichen Gäste schlürfen genüsslich ihren Aperol und ihr Bierchen, während sich andere durch die ursprüngliche Ausgangstür Eingang zur Kinokasse verschaffen. Verkehrte Welt.→ weiterlesen
Kornblumenblau. Christian Heinze bringt „Land und Licht“ in die Kirche von Velten
Er fährt oft durch Alleen, saugt sich voll mit Bildern, Farben, dem Rhythmus der Baumstämme, den Korn- und Mohnblumen. Christian Heinze besucht Dorfkirchen, die viel von der Geschichte des Ortes und vom Glauben ihrer Bewohner erzählen, beobachtet Vögel und macht an malerischen Teichen Ruhepausen. Im märkischen Land findet der Maler immer wieder seine bevorzugten Motive und Ausstellungsräume. Wie jetzt in der preußisch-akkuraten Kirche von Velten, in der seine Sommerschau „Land und Licht“ zu sehen ist.
Pfarrer Markus Schütte hat mit einem Team von Gemeindegliedern die Bilder ausgewählt. Bei der Fülle von Ölbildern, Aquarellen und Grafiken, die im Atelier des Potsdamer Künstlers zu finden sind, war dies keine leichte Aufgabe. Mit expressiver Farbigkeit gibt er den märkischen Landschaften Kraft und Dynamik, ob in den Radierungen oder Ölbildern. Es sind Bilder von einer gelassen-heiteren Stimmung, oftmals ist Melancholisches zu entdecken und lassen beschauliche Momente zu. Faszinierend sind die eingefangenen Lichtstimmungen, in denen der Glanz der aufgetragenen Farben für sich einnimmt.→ weiterlesen
Bildsattes Gaukelwerk. Das Große Zittauer Fastentuch erzählt vom Entsagen, Wundern und Freveln
Waren Sie schon mal in Zittau? Oder haben Sie jemals etwas von dem einzigartigen Schatz dieser Stadt gehört? Wir sind durch Zufall auf diese historische Rarität im letzten Winkel Sachsens gestoßen. Denn eigentlich waren wir zum Wandern unterwegs: zum Oybin, wo einst Caspar David Friedrich seine Staffelei aufstellte und malfreudig der Romantik frönte.
Auf dem Rückweg dieser zu Unrecht von uns so lange übersehenen Landschaft – wo sich versteinerte Monster schaurig-schöne Geschichten zuraunen – machten wir in der Kirche zum Heiligen Kreuz Halt. Dort bedeckt hinter einer riesigen Glasvitrine das Fastentuch von 1472 den Altarraum. Es wird das Große Fastentuch genannt, ein kleines gibt es ebenfalls: gleich um die Ecke, im ehemaligen Franziskanerkloster, und 100 Jahre später entstanden.
Was aber ist ein Fastentuch, das der Reformator Martin Luther als „päpstisches Gaukelwerk“ abtat, uns aber heute das Staunen lehrt? → weiterlesen




