Nur beste Zutaten – Avishai Cohen trifft im Nikolaisaal auf das Filmorchester Babelsberg

Ich lernte Avishai Cohen vor einigen Jahren in einem kleinen polnischen Dorf kennen. Gemeinsam mit anderen jungen Leuten aus ganz Europa nahm ich dort an einem Workshop im Rahmen eines Austauschprogramms teil. An einem gemütlichen Abend spielten wir uns gegenseitig Musik aus aller Welt vor. „Du machst doch Musik. Erklär mir mal – was zum Henker ist denn das hier für ein Rhythmus?“, sagte jemand aus Lettland in meine Richtung und drückte auf Play. Es war Cohens Song „Seven Seas“. Eine Antwort konnte ich ihm nicht geben – aber ich war sofort fasziniert von dem, was ich hörte. Seit dem ist die Musik des israelischen Jazz-Kontrabassisten, Komponisten und Sängers Avishai Cohen ein regelmäßiger Begleiter in meinen Kopfhörern.

Am Samstagabend besuchte Avishai Cohen nun mit seinem Trio den Nikolaisaal Potsdam. Gemeinsam mit dem Babelsberger Filmorchester unter der Leitung von Bastien Stil entstand eine Fusion aus Modern Jazz, nahöstlicher Musik, Latin und Klassik. Ein Abend, wie ein köstliches Mezze-Buffet! → weiterlesen

Und nochmal Luther. Mit Bruno Preisendörfer zurück in die Zeit, als unser Deutsch erfunden wurde

Martin Luther lag erst gut ein Jahr in der Wittenberger Schlosskirche im Sarg, als ihm eine massive Ruhestörung drohte. Von den Türmen seiner alten Predigtkirche, der Stadtkirche St. Marien, sollten anno 1547 die Aufbauten entfernt werden, um auf die freigemachten Plattformen Kanonen zu hieven. Mit diesen Geschützen wollte man die Landsknechte Karls V. vom Sturm auf die Stadt abhalten. Letztendlich wurde die Stadt friedlich übergeben. Luthers Leichnam wurde nicht aus dem Grab geholt und verbrannt, um noch posthum die Reichsacht an ihm zu vollstrecken – obwohl es Stimmen gab, die dies forderten.

Bei einer Matinee am Samstag, den 18. Februar, um 11 Uhr in der Villa Quandt erinnert Bruno Preisendörfer in seinem Buch „Als unser Deutsch erfunden wurde: Reise in die Lutherzeit“ an diese bewegte Zeit. → weiterlesen

Steh-Prosecco und fliegende Kellner im „Al Dente“

Raus aus der Kälte, rein in die gemütliche Kneipenwärme. Bevor wir uns auf das Fatih-Akin-Drama “Aus dem Nichts“ im Thalia einlassen, wollen wir uns noch stärken. Der Italiener in der Alt Nowawes ist ein heißer Tipp. Der Blick durch die großen Scheiben ist indes ernüchternd.  Die Menschen verschwimmen im Kerzenmeer und scheinen sich zu stapeln. Wir probieren dennoch unser Glück. Ehe wir die Lage richtig überblicken, werden wir schon von einem ewig jungen smarten Endvierziger mit dunkler Schmalztolle fast in die Arme genommen. „Haben Sie bestellt?“ „Nein!“ „Uno Momento!“. → weiterlesen

Ein Blick in den Abgrund. „Unterleuten“ feierte am Hans Otto Theater Premiere

Stumm reihen sich die Bäume aneinander. Ein riesiges Autobahnschild thront wie ein Fremdkörper am Horizont. Wir befinden uns am Rande vom Nirgendwo. In Brandenburg. In der Provinz. Dass sich ausgerechnet hier der Ort „Unterleuten“ versteckt, klingt irgendwie ironisch. Wer Juli Zeh, die Autorin dieses Romans kennt, ahnt, dass es sich bei „Unterleuten“ nicht um die Aufnahme eines harmonischen Dorflebens handelt. Mich hat Juli Zeh bereits mit „Nullzeit“ völlig umgehauen. Beim Lesen dieses Krimis war ich angeekelt, gefesselt und angetan zugleich. Vor einigen Monaten wollte ich mich nun in das nächste Juli Zeh Abenteuer stürzen: „Unterleuten“. Zugegeben: Ich lese viel zu wenig und viel zu selten. Abends bin ich zu müde oder zu unkonzentriert. Tagsüber habe ich nicht die Zeit. Also dauert die Lektüre eines dicken Buches wie dieses auch mal ein paar Monate. Dass sie nun auch die Premiere des Hans Otto Theaters kreuzte, gefiel mir eigentlich gar nicht, denn noch hatte ich einige Seiten vor mir. Das große Finale stand noch aus. Trotzdem ließ ich mir die vielversprechende Premiere am vergangenen Freitag nicht entgehen.→ weiterlesen