Tief in Kopf und Herz eingenistet: zwei CDs mit Luthers Liedern

Ein Geschenktipp von unserem Gastautor Klaus Büstrin

luther_2017_rgb-fit-559x1200table50Der Reformator Martin Luther dichtete seine Kirchenlieder nicht in der damals üblichen Liturgiesprache, sondern allgemein verständlich auf Deutsch. Somit wurde auch die Gottesdienst-Gemeinde zum Subjekt und zum Träger des Gottesdienstes durch den volkssprachlichen, muttersprachlichen Gesang. In dieser Form ist die Gemeinde seit der Reformation vor 500 Jahren die Hauptakteurin des Gottesdienstes.

Die 35 erhaltenen Lieder Luthers – von den ursprünglich vielleicht 45 – sind quantitativ betrachtet ein wohl eher kleines musikalisch-literarisches Œuvre. In seinen Texten und Melodien jedoch steckt eine enorme Kraft. Klar und zupackend ist die Sprache, kernig die Musik. Mit vielen Liedern verfolgte Luther pädagogische Ziele, ohne dass man es heute noch spürt. So werden die Weihnachts- und die Ostergeschichte erzählt und das Vaterunser oder der Katechismus erklärt. Nicht zuletzt nisten sich mit Melodien verbundene Texte, gesungene Lieder, tief in Kopf und Herz ein.

Sämtliche Lieder von Martin Luther wurden nun auf zwei neuen CDs eingespielt, herausgegeben von der Edition chrismon und dem Carus Verlag. Klaus-Martin Bresgott, der Musikverantwortliche im Kulturbüro der Evangelischen Kirche Deutschlands, sang mit dem von ihm geleiteten Athesinus Consort die Luther-Lieder ein. Zum Consort gesellten sich unter anderen der Kammerchor Stuttgart, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Komponisten aller Epochen haben sich den dichterischen und musikalischen Erfindungen immer wieder zugewandt, sie mit ihren eigenen kompositorischen Interpretationen in die jeweilige Zeit geholt. Bis heute. Somit ist eine farbig-spannende Aufnahme entstanden, die von großer Aussagekraft ist, weil die Sängerinen und Sänger, vor allem des Athesinus Consort, Luthers neue Lieder mit hörbarer Freude an die Frau und an den Mann bringen.

In der Friedenskirche Sanssouci wird es Anfang des kommenden Jahres eine Predigtreihe mit vier Gottesdiensten zu den Liedern des Reformators geben. Am Samstag, 7. Januar, 16 Uhr, predigt der Publizist Andreas Hillger über den Weihnachtschoral „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Der neue Kantor der Friedenskirche, der 27-jährige Johannes Lang, spielt auf der Woehl-Orgel aus dem reichen Fundus musikalischer Erfindungen, die man dem bekannten und beliebten Lied zugedacht hat. Weitere Gottesdienste sind am 21. Januar sowie am 11. und 25. Februar, jeweils um 16 Uhr.

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Luthers Lieder, 2 CDs,

edition chrismon, 19.90 Euro

 

 

Erst Musik, dann Bier: Konzert zum 100. Todestag von Max Reger in der Friedenskirche Sanssouci

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Max Reger beim Komponieren: gemalt von Franz Nölken im Jahr 1913.

Von unserem Gastautor Klaus Büstrin

Der Komponist Max Reger, der ein leidenschaftlicher Genießer von Bier war, konnte Zeit seines Lebens kein Wortspiel und keinen Kalauer unterlassen. Viele von ihnen wurden aufgeschrieben und immer wieder gern zitiert. Zu dem Heidelberger Universitätsmusikdirektor Hermann Poppen sagte er einmal: „Als der liebe Gott den Humor verteilte, habe ich halt zweimal hier geschrien.“ Der Spätromantiker Max Reger ist ein Komponist mit vielen begeisterten Verehrern. Man muss aber auch, um der Gerechtigkeit willen, mitteilen, dass ihm nicht alle Hörer folgten und folgen. In Potsdam hat der am 11. Mai vor 100 Jahren Gestorbene eine gute Heimstatt gefunden. Hier wird er nun auch mit einem Konzert geehrt, das ihm als Komponist und Bierkenner gerecht wird.

Der ehemalige Kantor der Friedenskirche, Matthias Jacob, gestaltet am 10. Mai mit dem Vocalkreis in der Friedenskirche Sanssouci einen Abend, bei dem unter anederem Acht Geistliche Gesänge op. 138 aus dem Jahre 1914 zur Aufführung gelangen. Weiterlesen