Seelenmesse im Vocalise-Glanz

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In der Erlösererkirche entfaltete sich der musikalische Glanz des Mozart-Requiems.

Aufgewühlt und beseelt verlassen die Zuschauer das Gotteshaus. Die meisten stehen noch plaudernd unter der großen Blutbuche auf dem Vorplatz und tauschen ihre Eindrücke aus. Es wirkt nach: das Mozart-Requiem, dieses monumentale Werk in seinen Abgründen und lichtem Glanz. In großen Schwingen legte es sich wie eine Klangglocke über die dicht besetzten Reihen. Immer wieder ist es diese Eintracht von Musik und Raum, die die Konzerte in der Erlöserkirche so besonders und einmalig machen. Weiterlesen

Blick in das neue Kreativ-Epizentrum der Stadt

Rechenzentrum
Büros zu Ateliers: Wo bis vor kurzem noch die Zahlen regierten, können sich nun kreative Köpfe ausleben. Foto: ro

Seit einige Wochen füllt sich das alte Rechenzentrum in der Potsdamer Innenstadt mit neuem Leben. Dort, wo früher – etwas dröge anmutend – Zahlen und Statistiken in schon leicht angegilbten Büros verarbeitet wurden, entsteht derzeit das neue „Kreativ-Epizentrum“ der Stadt.

Die Idee zu diesem Projekt entstand vor knapp zwei Jahren, als feststand, dass die Alte Brauerei am Fuße des Brauhausberges – seit vielen Jahren das Domizil von Bands, Künstlern und anderen Kreativen – zu exklusiven Wohngebäuden umgebaut werden würde. Die Kündigung für die Mieter kam zu einer Zeit, als auch die Zukunft für andere Häuser, wie der Scholle 51 in Potsdam-West oder des Kunsthauses sans titre in der Französischen Straße, ungewiss war. So entstand die Kulturlobby, ein Zusammenschluss verschiedenster Engagierter, die sich für eine neue, bezahlbare Bleibe für die Künstler einsetzte. Mit Erfolg. Weiterlesen

Die Macht der Anonymität – „Insight Men“ beim unidram­-Festival

Ohne Identiät: "Insight Men" von "AnonymoUS" beim unidram - Foto: promo / AnonymoUS
Ohne Identität: „Insight Men“ von „AnonymoUS“ beim unidram – Foto: promo / AnonymoUS

Wir sitzen zusammen in einer Gruppe auf der kleinen Zuschauertribüne. Niemand kennt den anderen. Und nicht nur das: Wir können uns nicht einmal voneinander unterscheiden, denn alle sehen komplett identisch aus. In Overalls und den zum Symbol gewordenen Guy-Fawkes-Masken sind wir alle gleich, anonym.

Diese Anonymität, die die Gruppe „AnonymoUS“ beim diesjährigen unidram-Festival im Laufe ihrer Performance per Anweisung auch im Publikum erreicht, ist einerseits befremdlich, andererseits hat sie auch etwas Verlockendes. Das wird dem Besucher in diesem Moment deutlich vor Augen geführt: Man kann tun und lassen, was man will, man kann sprechen und schweigen, wie man will. Keine Tat und kein Wort (ob wahr oder unwahr) wird mit dem eigenen Gesicht, der eigenen Person in Verbindung gebracht. So verschwindet mit einem Mal die Hemmung, in einer Gruppe völlig fremder Menschen persönliche Details und Geheimnisse preiszugeben oder sich ohne die Gedanken über das, „Was denken die Anderen über mich“, durch den Raum zu bewegen. Hinter der Maske findet sich potenziell der Mut, sich wahlweise zum Deppen zu machen oder aber für Dinge einzustehen, in Kämpfen, die man sonst nur aus der Distanz beobachtet. So entsteht eine ganz eigene, spannende – aber zuweilen auch gefährliche – Dynamik. Weiterlesen

Weich gebettet im Meer des Lichts

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Erleuchtet. Töne werden zu Licht. Die Installation im Kunsthaus zieht vor allem Familien an.

Das Licht breitet sich wie eine warme Dusche über dem Körper aus. Es ist ein sanftes, ein wohliges Gefühl, das im Wechsel der Farben wegträumen lässt. Betty Rieckmanns Lichtinstallation „taming the light“, die unter dem Gebälk des Kunstraums aufragt, entführt in eine Welt der Magie, die der Besucher mit eigener Hand ausmalen kann. Er setzt sich einfach ans Keyboard und mit seinem Spiel verändern sich die Farben. Töne werden zu Licht und wechseln mit den Oktaven. Man muss kein großer Meister sein: Auch eine laienhafte Improvisation schwingt sich zum Zauberstab auf. Weiterlesen

Das Fremde in uns – die Vocalise nähert sich einem großen Thema auf leise Weise

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Bei der Vocalise 2015, die am 5. November beginnt, geht es nicht um den Blick auf Andere, sondern auf uns selbst: auf unsere eigene Kultur, die wir sehr schätzen und die uns dennoch manchmal fremd ist.

Allerorts sind wir von dem Thema Fremdheit umzingelt. Pegida-Aufmärsche machen uns wütend, hitzige Talkrunden in den Medien müde. Wir unterschreiben Petitionen gegen Fremdenhass, spenden Geld und Kleidung, erwägen eine Patenschaft – und schauen zugleich verstohlen auf die so anders aussehenden Menschen unter Kopftüchern und langen Gewändern, denen wir in Potsdam mehr und mehr begegnen. Ist dieser Fremde auf der anderen Straßenseite „nur“ Flüchtling oder führt er gar Böses im Schilde? Der Glaube an das Gute im Menschen, auch in uns selbst, wird auf die Probe gestellt und verlangt Vertrauen.

Auch in der „Vocalise“, dem traditionellen Vocalfestival des Herbstes, geht es um das Fremde. Allerdings nicht um Syrer oder Afghanen, unsere neuen unbekannten Nachbarn. Nein Ud Joffe, der künstlerische Leiter der Vocalise, möchte vor allem das Fremde in uns selbst hinterfragen: auf eine unaufgeregte, subtile Weise. Weiterlesen