Ein Muss im Sommer: Kino „oben ohne“

Freiluftkino (hier im Waschhaus Potsdam) - ein cineastischer Genuss in warmen Sommernächten

Laue Nächte, Liegestühle, ein kühles Getränk und Knabbereien, dazu ein guter Streifen auf der Leinwand – Kino unter freiem Himmel gehört zum Sommer einfach dazu. Kein Wunder, die Atmosphäre im Freiluftkino ist auch immer ein bisschen wie Camping. Manchmal wird es etwas frisch, droht von weitem ein Gewitter oder nervt eine Mücke. Meistens jedoch hat es etwas sehr Romantisches, wenn einem eine spätabendliche, warme Brise um die Nase weht, sich die Sterne zeigen und man die spannende (Aus-)Sicht genießen kann …entsprechende Temperaturen vorausgesetzt. Im Juli geht die Freiluftsaison wieder los.

Traditionell wartet das Waschhaus mit einem guten Open-Air-Programm auf, bei dem vor allem Filme aus dem letzten Jahr gezeigt werden. Aber auch der Nachbarschaftsgarten Scholle 34 in Potsdam-West kann in diesem Sommer von Cineasten erneut besucht werden. Wir wagen schon einmal einen kleinen Ausblick. Unsere Programm-Tipps lest Ihr hier.

In Zusammenarbeit mit dem Thalia-Kino lädt das Waschhaus vom 18. Juli bis 4. August wieder zur Kinosommerreihe in die Schiffbauergasse. Hier gibt es die Gelegenheit, bekanntere Filme der letzten Saison nachzuholen oder noch einmal zu schauen. Ich persönlich freue mich zum Beispiel darüber, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ sehen zu können (1. Aug.), den ich zur regulären Spielzeit leider verpasst habe. Das Drama um eine Mutter, die mit ungewöhnlichen Methoden die örtliche Polizei dazu drängt, sich dem Fall des Mordes an ihrer jugendlichen Tochter zu widmen, soll mit einer ordentlichen Prise bitterbösem, schwarzem Humor sowie den Schauspielern Francis McDormand und Woody Harrelson bestechen. Beide wurden dafür zuletzt mit einem Oscar prämiert. Auch ein weiterer, diesjähriger Oscar-Abräumer (u.a. bester Film und beste Regie) ist im Waschhaus vertreten: Am 20. Juli kann man sich selbst vom düsteren Fantasyfilm „Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers“ von Regisseur Guillermo del Toro überzeugen lassen. Wenn es die Zeit dann noch erlaubt, werde ich zudem versuchen, „Wildes Herz“, Charly Hübners Doku über die Mecklenburger Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, nachzuholen (2. August).

Eine ganz persönliche Empfehlung noch zum Waschhaus-Programm: Am 25. Juli läuft die Self-Made-Dokumentation „WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“. Der Film eines jungen Paars aus Süddeutschland hat mich sehr beeindruckt: mit viel Offenheit, Vertrauen und wenig Gepäck reisen Gwen und Patrick in drei Jahren einmal um den Globus; durch Südosteuropa, den Kaukasus, Indien, Zentralasien und China bis nach Japan per Anhalter, durch Mittelamerika mit einem alten Bully und auf der letzten Etappe durch Südwesteuropa zu Fuß. Dabei dokumentieren sie neben unendlichen Landschaften vor allem einzigartige Begegnungen mit den Menschen auf ihrem Weg. Für Reiseliebhaber und Fernwehgeplagte ist der Film ein Muss!

Die Filme auf der Open-Air-Bühne in der Schiffbauergasse beginnen jeweils um 21:45 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro, Karten gibt es vor Ort an der Abendkasse. Den kompletten Spielplan bekommt man unter: www.kinosommeramwaschhaus.de (oder weiter unten). Ein Bonus im Waschhaus: Besucht man Abendveranstaltungen vor den Vorführungen, wie zum Beispiel den Havel Slam, ist der Eintritt für den anschließenden Film meistens inklusive.

In Potsdam-West geht der Kinosommer sogar noch etwas länger. Hier organisiert das Stadtteilnetzwerk zwischen dem 6. Juli und dem 7. September ehrenamtlich wieder ein kleines, aber feines Freiluftkino in den Nachbarschaftsgärten der Scholle 34 (Geschwister-Scholl-Straße 34). Die Filmauswahl hier ist weniger von aktuelleren Blockbustern geprägt, dafür aber keineswegs weniger sehenswert. Der Eintritt kostet 6 Euro, erstmals wird neben Getränken auch Popcorn und Eis angeboten. Weitere Infos auf www.stadtteilnetzwerk.de

Mein persönlicher Tipp hier: Am 13. Juli wird „Searching For Sugarman“ gezeigt, eine absolut sehenswerte Dokumentation, die die unglaubliche, aber tatsächlich wahre Geschichte des Musikers Sixto Rodriguez erzählt. Aufgewachsen in armen Verhältnissen in Detroit, wird dieser 1970 in einer Bar musizierend von einem Produzenten entdeckt und bekommt die Chance, zwei Platten aufzunehmen. Plattenfirma und Kritiker sind begeistert – sie glauben, den nächsten Bob Dylan vor sich zu haben. Jedoch, die Platten floppen aus unerklärlichen Gründen desaströs. Rodriguez zieht sich zurück und lebt sein sehr bescheidenes Leben weiter. Was er nicht weiß: Eine Kopie seiner Platte gelangt nach Südafrika. Und schlägt dort ein wie eine Bombe. Mehrere hunderttausend seiner Alben werden dort vervielfältigt und entwickeln sich zum Soundtrack einer ganzen Generation weißer Südafrikaner, die – auch inspiriert durch Rodriguez‘ Texte – anfangen, sich kritisch mit der Apartheid auseinanderzusetzen. Rodriguez wird in Südafrika zum Megastar. Und zum Mythos: am Kap weiß niemand, wer er ist oder woher er kommt; viele Gerüchte ranken sich um seinen angeblichen Tod. Zugleich erfährt auch der mittlerweile völlig verarmte Rodriguez nie von seinem Ruhm in einem anderen Teil Welt, Tantiemen erhält er ebenso wenig. Bis sich ein Musikliebhaber aus Kapstadt 40 Jahre nach den Album-Aufnahmen auf eine lange Suche macht… (ro)

Alle Filme im Überblick:

Waschhaus Kinosommer:

  • 18. Juli: Loving Vincent
  • 19. Juli: Nur Gott kann mich richten
  • 20. Juli: Shape of Water
  • 21. Juli: Axolotl Overkill
  • 25. Juli: WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt
  • 26. Juli: Battle of the Sexes
  • 1. Aug.: Three Billdboards Outside Ebbing, Missouri
  • 2. Aug.: Wildes Herz
  • 3. Aug.: Blade Runner 2049
  • 4. Aug.: Greatest Showmen

Freiluftkinosommer Scholle 34:

  • 6. Juli: Wie im Himmel
  • 13. Juli: Searching for Sugarman
  • 20. Juli: Licht
  • 27. Juli: Die göttliche Ordnung
  • 3. Aug.: Love Steaks
  • 10. Aug.: Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?
  • 17. Aug.: Blade Runner
  • 24. Aug.: Tschick
  • 31. Aug.: 10 Milliarden
  • 7. Sept.: Das Schloss aus Glas

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