Kantorei-Jubiläum mit einer Hommage an Monteverdi: Am Sonntag ist in der Erlöserkirche die Marienvesper zu erleben

Sternenbekränzt. Die Potsdamer Kantorei während eines Konzerts in der Erlöserkirche. Foto: Stefan Gloede

Von Gastautor Klaus Büstrin

Die Potsdamer Kantorei wird 60 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum am Sonntag mit einem Konzert in der Erlöserkirche. 1957 von Kirchenmusikdirektor Friedrich Meinel als übergemeindlicher Chor gegründet, entwickelte sich die Kantorei zu einem der leistungsfähigsten Ensembles Potsdams und darüber hinaus. Große Oratorien von der Barockzeit bis zum 20. Jahrhundert bestimmen das Repertoire der rund 120 Sängerinnen und Sänger. Nach Meinels Eintritt in den Ruhestand übernahm der aus Israel stammende Dirigent Ud Joffe die Leitung des Chores. Natürlich hat er ihn mit eigenen, innovativen Impulsen weitergeführt. Die klangliche Qualität, die Öffnung zu unbekannten Werken, die auch ganz alt sein können, sowie  die musikalische Herangehensweise machen die Kantorei zu einem Klangkörper, dessen Aufführungen man immer  mit großer Spannung verfolgen kann. Zum Jubiläum musiziert die Kantorei die „Marienvesper“ gemeinsam mit Gesangssolisten sowie dem Barockorchester Capella Nuova zum ersten Mal. Die Aufführung am Sonntag, 3. Dezember (1. Advent) um 17 Uhr in der Erlöserkirche Potsdam ist auch eine Hommage an Claudio Monteverdi, dessen 450. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert.

Vor 407 Jahren komponierte Claudio Monteverdi seine „Marienvesper“, eines der großen Werke der Musikliteratur überhaupt. Doch zu seiner Zeit war man mit den Kompositionen des venezianischen Kapellmeisters nicht immer einverstanden. Neue Musik war schon zu damaliger Zeit nicht beliebt. Monteverdi wurde bezichtigt, dass er in seinen Madrigalen gegen die Regeln des strengen Kontrapunkts verstoße. Ein Skandal.

Der Komponist bat Papst Paul V., dem er seine „Marienvesper“ widmete, „jene Münder“ zum Schweigen zu bringen, die gegen ihn „ungerechte Äußerungen machen“.  In dem stilistisch reichsten sakralen Werk greift der Monteverdi auf fast sämtliche seinerzeit vorstellbaren Mittel für die musikalische Textgestaltung zurück. Drei Jahre nach seiner berühmten Oper „L’Orfeo“ stellt Claudio Monteverdi seine „Marienvesper“ aus einem Invitatorium (Einleitung), fünf Psalmen, einem Hymnus und einem Magnificat in lateinischer Sprache zusammen. Es ist kein geschlossenes Werk, sondern eher eine lose Sammlung verschiedener geistlicher Kompositionen mit einer wechselnden Besetzung zwischen chorischen und solistischen Partien. Die „Marienvesper“ steht auf der Schwelle von der Renaissance zum Barock und verbindet beide Epochen kunstvoll.

Zu erleben am 3. Dezember, 17 Uhr, Erlöserkirche, Nansenstraße

Claudio Monteverdi „MARIENVESPER“ / Potsdamer Kantorei • Solisten • Cappella Nuova / Leitung: Ud Joffe

Es ist zugleich das Abschlusskonzert der VOCALISE 2017

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