Schwarz und stolz – ein musikalischer „Kommentar“ zum Amtsantritt von Donald Trump

 

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Der Film „Schwarz und stolz“ erzählt, welche inspirierende Kraft in der Verschiedenheit von Kulturen liegen kann.

Musik kann zwar keine Vorurteile zu Fall bringen, aber sie kann mitreißen und das Herz erwärmen. Was wäre also geeigneter als ein Ausflug in die Musik, um die Amtseinführung von Donald Trump zu „kommentieren“?! In der Galerie Ruhnke ist am Vorabend dieses schwarz anmutenden Tages der Film „Schwarz und stolz – die Geschichte der Black Music“ zu sehen. Und allein schon wegen des Songs „Strange Fruits“ von Billie Holiday lohnt es sich, die Galerie zu besuchen. Dieser Song ist von einer emotionalen Wucht, der auch heute noch – 70 Jahre später – aufwühlt.

Billie Holiday besingt darin den Körper eines Schwarzen, der an einem Baum hängt: als Opfer der Lynchmorde. Sie bringt in dem Lied ihre Wut, ihre Kraft und die Widersprüche Amerikas zum Klingen.

„Die Südstaaten-Bäume tragen merkwürdige Früchte
Blut auf den Blättern und Blut an der Wurzel
Ein schwarzer Körper baumelt im Südstaaten-Wind
Merkwürdige Früchte hängen von den Pappeln…“

Das Lynchen war damals ein öffentliches Spektakel: Ein begeistertes Publikum schaute der Folter in karnevalähnlicher Atmosphäre zu oder hetzte mit. Eine Umfrage aus dem Jahr 1939 ergab, dass in den Südstaaten sechs von zehn Weißen das Lynchen befürworteten.  Das ist lange her: Und doch wissen wir, wie schnell Vorurteile wachsen und sich in Gewalt Bahn brechen. „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“, mahnte Meryl Streep in einer bewegende Rede bei der Verleihung des Golden Globe.

Für die schwarze Bevölkerung Amerikas ist die Musik seit der Sklaverei ein Ventil, ihre Gedanken und Hoffnungen, aber auch ihre Forderungen laut werden zu lassen. „Singen war ihre einzige Freiheit“, heißt es in Vecchiones ARTE-Dokumentation von 2010, die nun in der Galerie Ruhnke wieder aufgeführt wird.

Für ihre Herren waren die Schwarzen  „Tiere“, doch in ihren Liedern sangen sie die Menschlichkeit. Mit ihren dumpfen, pulsierenden Rhythmen sprachen sie sich gegenseitig Mut zu.

Seither hat sich die Musik der Schwarzen immer wieder gewandelt: Es entstanden unzählige neue Ausdrucksformen und Stile – von den frühen Negro Spirituals über Blues, Jazz, Rhythm’n’Blues bis hin zu Soul, Funk, HipHop und Rap. Bis heute kommen in der Black Music die Hoffnungen und der Protest der Afroamerikaner zum Ausdruck.

Als die schwarze Sängerin Billie Holiday 1939 in New York ihr Lied „Strange Fruit“ anstimmte und damit zum ersten Mal offen die Unterdrückung der Schwarzen in den USA angeprangerte, ahnte keiner der begeisterten Zuschauer, dass sie gerade die erste Hymne der Bürgerrechtsbewegung hörten. Musik dient seither als „Waffe“, wenn die Zeichen auf Kampf stehen. Oder sie bringt die Welt zum Tanzen. Miteinander!

Am Vorabend der Ablösung von Barack Obama, des ersten schwarzen Präsidenten der USA, durch Donald Trump möchte der Verein „quer Kultur“  mit diesem Dokumentarfilm daran erinnern, welche positive und inspirierende Kraft in der Verschiedenheit von Kulturen und Menschen liegen kann. (he)

19.01.2017 ab 19 Uhr

Eintritt frei.

Galerie Ruhnke, Charlottenstr.122

www.galerie-ruhnke.de

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