Klangvolle Bilder. Wolf-Dieter Pfennig malt live beim Eröffnungskonzert des Neuen Kammerorchesters Potsdam

Auf den Schwingen der Fantasie. Wolf-Dieter Pfennig begleitet das Neue Kammerorchester Potsdam malend durch die Saison.

 

Er selbst sagt von sich: „Ich bin ein Jazzer im Zeichnen und Malen“. Am Donnerstag kann Wolf-Dieter Pfennig live unter Beweis stellen, wie tief das Improvisieren in seiner künstlerischen Hand pulsiert, wie die Musik sein Malen dirigiert. Zur Saisoneröffnung des Neuen Kammerorchesters Potsdam in der Schinkelhalle entsteht vor den Augen des Publikums ein großformatiges Werk, das das Gehörte sichtbar macht: Rhythmen und Klänge gerinnen zu Strichen, Farben, Impressionen.  Pfennig ist in dieser Spielzeit ein „Artist in Residence“, er gestaltet die Plakate und Flyer des Klangkörpers – und zum Auftakt nun eben dieses „Spontanwerk“. Weiterlesen

Im wilden Gestrüpp des Schweigens: „Das Wasser im Meer“ erzählt von Flucht und Vertreibung

Drinnen und draußen, Plüsch und Container. Ein Stück über Flucht, Vertreibung und Heimat am Hans Otto Theater

Weniger ist manchmal mehr! Mit diesem geflügelten Wort ließ sich im Groben der hochambitionierte, aber überfrachtete Theaterabend „Das Wasser im Meer“ beschreiben. Volksweisheiten gibt es in Fülle in diesem Stück von Christoph Nußbaumeder, das Freitag am Hans Otto Theater seine Deutsche Erstaufführung erlebte. Denn Sprichwörter wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder „Von nichts kommt nichts“ waren Kernsätze in der Erziehungsmethode von Stefan Riedl. Dieser verwitwete Mann wird nun 80 und die drei Töchter mit Familien haben sich zur verhassten, aber unvermeidlichen Feier angesagt. Weiterlesen

Kleine Sonnentänzer auf großer Bühne: Marita Erxlebens Eleven zeigen „Wie der Rabe das Licht brachte“

Auf Spitzen im Rampenlicht des Hans Otto Thaters. Foto: Vanessa Schümmelfeder

Es ist schwer, den richtigen Weg zu finden: nicht nur für die Sonnentänzer und das Rabenvolk. Auch dem Zuschauer fehlt über weite Strecken der Kompass der Erleuchtung. Die von Choreografin Marita Erxleben meisterlich in Szene gesetzte Tanzproduktion „Wie der Rabe das Licht brachte“ glänzt zwar am Hans Otto Theater mit sinnlichen und kontrastreichen Bildern, aber der Inhalt bleibt mitunter auf der Strecke. Weiterlesen

L‘ Amour Fou – Liebe ohne Zukunft

Hans-Otto-Theater, Das goldene Vlies von Franz Grillparzer, Regie: Alexander Nehrlich Medea Marianna Linden Jason Florian Schmidtke Gora Sabine Scholze Phryxus/ Kreon Peter Pagel Aietes Bernd Geiling Peritta/ Kreusa Denia Nironen Milo Wolfgang Vogler Absyrtus Jonas Götzinger Junge Medea Renée Carlotta Gerschke Clara Sonntag
Ein Kampf der Gefühle (Foto: Göran Gnaudschun)

„Das Goldene Vlies“ von Franz Grillparzer im Hans Otto Theater

Es ist ein Abend der großen Emotionen. Antiker Stoff verpackt in einer dramatischen Liebesgeschichte, die sich schnell als „Amour Fou“ entlarvt – eine Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist. Zugegebenermaßen sah ich dem Theaterabend etwas skeptisch entgegen, tue ich mich mit Dramen aus der Mythologie doch manchmal etwas schwer. Zu viele gleich klingende Namen, zu viele Intrigen, zu viele Nebenhandlungen. Und dazu eine Sprache, die die volle Konzentration abverlangt. Doch die Tragödie “Das Goldene Vlies“ von Franz Grillparzer unter der Regie von Alexander Nerlich benötigte nur wenige Minuten, um mich am vergangenen Samstagabend in ihren Bann zu ziehen. Weiterlesen

Lärmender Hexentanz: Hänsel und Gretel in der Biosphäre

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Hänsel und Gretel nicht im deutschen Wald, sondern in den Tropen. Gruselig wurde es trotzdem.

Das kleine Mädchen neben mir hat es genau eine halbe Stunde ausgehalten. Dann half auch kein Ohrenzuhalten und Einkuscheln auf Mutters Schoß mehr. Sie musste einfach raus: befreit werden von der lärmenden Gruselei rund um den Hexenbesen. „Hänsel und Gretel“ ist schon ein Schwergewicht für junge schwache Nerven, zumal wenn es in Opernform und noch dazu in so einer scheppernden Lautstärke präsentiert wird, wie gerade in der Biosphäre. Bis zur Pause war am Freitagabend von stimmlicher Brillanz und musikalischem Genuss keine Spur. Die Tonübertragung – jedenfalls im Block B – versetzte dem engagiert aufspielendem Sinfonieorchester Collegium musicum Potsdam unter Leitung von Knut Andreas und dem beherzt agierenden Darstellern eine schallende Ohrfeige. Wie schade! Denn man konnte ahnen, mit welcher Kraft und Leidenschaft sich das Ensemble in diese Produktion hineingeworfen hatte, zumal nach der Pause das Desaster etwas abgemildert werden konnte. Weiterlesen

Laut, schrill, immer nackig und etwas eklig. „Familiengeschäfte“ ohne Biss

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Das Hans Otto Theater präsentiert eine zahnlose Gesellschaftskomödie

Herr Wellemeyer bleibt sich treu. Wenn er eine Komödie in die Hand nimmt, weiß der Besucher, was ihn erwartet. Es wird laut und schrill, immer nackig und etwas eklig. Auch bei Alan Ayckbourns „Familiengeschäfte“, die der Chef des Hans Otto Theaters am Samstag zur hauseigenen Premiere brachte, gab es Geschrei und Klamauk und jede Menge Blut. Also viel Lärm um Nichts?

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Da hilft kein Jammern! Der „Gestiefelte Kater“ nimmt das Glück in die Hand

 

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Abgründiges in der flirrenden Märchenwelt: Der Gestiefelte Kater am Hans Otto Theater.

Dieser Gestiefelte Kater nimmt große Schritte. Er durchquert so ziemlich alle Niederungen, in die wir fallen können und die uns mitunter zermürben. Dieses Märchenspiel von Thomas Freyer als Adaption der Grimmschen Märchen wird zur Persiflage auf die wilde Jagd der Arbeitgeber auf die Kraft ihrer Angestellten. Immer mehr haben sie zu buckeln  – bis sie schließlich erschöpft zusammen brechen. Ja, hier geht es um Burnout und Depression und doch kratzt diese Problemwelt der Erwachsenen nicht an dem märchenhaften Zauber, mit der diese Inszenierung von Kerstin Kusch die Bühne überzieht. Sie ist spritzig und witzig und vor allem sehr musikalisch. Weiterlesen

Durch welche Tür treten Sie? „Terror“ ist auch am Hans Otto Theater ein aufwühlendes Ereignis

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Die Zuschauer werden zu Schöffen im Theater-Gericht – und geraten in eine Zwickmühle.
Nachdem ich Schirachs „Terror“  im Fernsehen gesehen hatte, sank mein Interesse, mir auch noch die Aufführung am Hans Otto Theater anzusehen. Die TV-Besetzung mit Martina Gedeck, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Burckhard Klausner, Florian Daniel Fitz ist einfach nicht zu toppen, die Handlung auserzählt, das Votum abgegeben.
Dennoch: Die Karten sind nun mal bestellt, die Verabredung mit der Freundin getroffen … Es wird trotz  meiner Bedenken ein bewegender Abend – mit unerwartetem Ausgang.

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Was Theater kann! Das große Fest zum Spielzeitbeginn

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Auch neue Gesichter gibt es zu entdecken. Frédéric Brossier ist einer der drei neuen Ensembleschauspieler. Er spielt schon jetzt im „Sommernachtstraum“.

Das Theater zeigt am Samstag zum Auftakt der neuen Saison, was die Kunst im Inneren zusammenhält. Ob Schauspieler, Tischler, Inspizient oder Requisiteur – sie alle gestalten eine knallbunte „Vorstellung“, in der sie sich auch selbst den Spiegel vorhalten. An geheimnisvollen Orten zwischen Werkstätten und Bühne können die Zuschauer an offenen Proben teilnehmen, Schau-Aktionen der künstlerischen Abteilungen erleben oder sich auf eine „Kleine Theaterweltreise“ begeben, bei der es auch Kostproben aus kommenden Stücken gibt.
Die Mitarbeiter offenbaren, was Theater alles kann und entfachen ein „Feuerwerk“ aus Licht und Ton und künstlerischer Raffinesse. Weiterlesen

Zuckerbrot und Peitsche: Ibsens „Peer Gynt“ am Hans Otto Theater

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Rita Feldmeier und Alexander Finkenwirth als Mutter und Sohn in einer spannungsgeladenen Beziehung. Foto: HOT/ HL BÖhme

Es ist eine sehr lange Reise, auf die sich dieser Peer Gynt begibt. Und auch für die Zuschauer, die am Mittwochabend die Reihen im Hans Otto Theater gut füllen, dehnt sich die Zeit. Am Ende sehnt man fast den Tod dieses skrupellosen abgehalfterten Weltenbummlers herbei. In Erinnerung bleiben die vieldeutige Bühnenschräge mit dem schwarzen Loch von Wolfgang Menardi und die großartige Wandelbarkeit von Alexander Finkenwirth. Weiterlesen