Von Trauer und Neubeginn: „Gift“ bietet spannungsgeladenes Theater in der Kirche am Neuendorfer Anger

Aufwühlendes Theater mit Simone Kabst und Andreas Hueck vom Poetenpack. Foto: Henning

Fünf Stühle und zwei Schauspieler. Mehr braucht es nicht für diese spannungsgeladenen 90 Minuten. Simone Kabst und Andreas Hueck füllen diese Zeit mit Leere und Wut, Angst und Zynismus. Vor allem aber mit Trauer, die auch nach zehn Jahren nicht aufgebraucht ist. Solange ist es her, dass Sie und Er ihr Kind bei einem Unfall verloren haben.

Und fast solange haben sie sich auch nicht mehr gesehen. Sie konnten den Schmerz nicht gemeinsam ertragen. Nun sitzen sie hier, an dem Ort, wo ihr Kind begraben liegt und eine Umbettung aufgrund von Gift im Boden stattfinden soll. „Gift“ ist auch der Titel dieses meisterlich komponierten Kammerspiels von der niederländischen Autorin Lot Vekemans, das das Potsdamer Poetenpack am morgigen Sonntag noch einmal auf die Bühne bringt. Und wer es einrichten kann, sollte sich die Zeit nehmen, um diese aufwühlend-zupackende Inszenierung von Michael Neuwirth anzuschauen. Die Bühne für den feingeschliffenen Dialog, der ohne Pathos in die Seelen schaut, befindet sich unter dem Sternenhimmel der Kirche am Neuendorfer Anger. Die Enge des Kirchenraums zieht auch den Zuschauer tief mit hinein in dieses Beziehungswirrwarr, in das sich die beiden über die Trauer hinaus verstrickt haben. Das Unausgesprochene wurde ihnen zur Falle, aus der sie sich nicht befreien können. Er trägt es in seine neue Beziehung mit dem neuen Kind, das er erwartet, hinein. Sie verharrt vehement in ihrem Loch der Einsamkeit, verwehrt sich einem Neuanfang. Das Tuch der Trauer liegt bleiern über ihre verletzte dünne Haut, die nicht verwinden kann, verlassen worden zu sein. Die beiden Schauspieler dringen tief hinein in ihre Rollen: ringen mit sich, um sich, gegen sich. Einfühlsam und kraftvoll, innehaltend und aufbrausend und immer wieder auch tragikomisch. Sie weinen miteinander, und können am Ende auch miteinander lachen, in gemeinsamer Erinnerung ihre Ruhe finden. Es lohnt sich, dieses „Gift“ auf sich wirken zu lassen, dieses nuancenreiche Spiel um Liebe und Schmerz. (he)

GIFT. Eine Ehegeschichte, am 25. Februar um 17 Uhr. Potsdam-Babelsberg, Kirche am Neuendorfer Anger, Eintritt 20 Euro, es gibt noch Karten!

Weiteres unter www.theater-poetenpack.de

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