Kultur mit Kulisse – Fahrradkonzert der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Auftakt des Fahrradkonzerts am Alten Markt / Foto: So

Sieben Seen, sieben Kirchen, 24 Konzerte, 20 Orte – das ist das ambitionierte Programm des diesjährigen Fahrradkonzerts der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, das am vergangenen Sonntag in achter Auflage stattfand. 1500 gut gelaunte Radler schwangen sich bei schönsten Sommerwetter auf ihre Drahtesel, um auf 33 bzw. 24 Kilometern in den Genuss der vollen Packung Kultur zu kommen. Weiterlesen…

Kultursegler auf Tour: „Elphi“ im Selbsttest

Die Hamburger Elbphilharmonie eröffnete am 11. Januar 2017
Foto: Andi Graf (Creative Commons)

Bis sie vollendet werden konnte, musste viel Wasser die Elbe runter- und vor allem viel Geld aus dem Bürgerschaftssäckel abfließen: die Hamburger Elbphilharmonie. Mit ungeahnten Bauverzögerungen und einer Kostenentwicklung, die dem Fass den Boden auszuschlagen drohte, lag der Vergleich zum Berliner Flughafen BER schnell nahe. Doch der große Unterschied ist: die „Elphi“ ist trotz 7-jähriger Verspätung und einer Vervierfachung der Kosten im Gegensatz zum BER nun tatsächlich fertig geworden. Vor etwas mehr als einem Monat wurde mit viel Brimborium die Eröffnung gefeiert. Seit dem scheint man in Hamburg nicht mehr zurückschauen zu wollen – um das neue Wahrzeichen der Stadt ist ein regelrechter Hype entstanden. Viel wurde geschrieben über die einzigartige Architektur, die hochgelobte Akustik, das auf Monate ausverkaufte Qualitätsprogramm und Ticketpreise, die auf dem Schwarzmarkt durch die Decke gehen. Und auch wir nutzten den „zweiten Vertriebsweg“, um uns von der neuen Konzerthalle selber ein Bild zu machen. Konnte sie uns überzeugen? Weiterlesen…

Das kleine Licht bin ich: Wenn sich Fantasie zum Traumberg erhebt

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Laura Heineckes schwebende Magie. Licht und Schatten tanzen einen zarten Reigen. Foto: Gurlt

Es war ein kleines Wagnis: mein erster Theaterausflug mit Enkeltochter. Schließlich richtet sich das Tanzstück „Das kleine Licht bin ich“ an Kinder ab drei Jahren. Paula ist nicht mal zwei, dafür aber eine ausdauernde Bilderbuchanguckerin. Auch das Video, mit dem das T-Werk seine Inszenierung bewirbt, legte die Hoffnung nahe, dass sich unsere Enkelin von dem Zauber verführen lässt. Weiterlesen

Lärmender Hexentanz: Hänsel und Gretel in der Biosphäre

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Hänsel und Gretel nicht im deutschen Wald, sondern in den Tropen. Gruselig wurde es trotzdem.

Das kleine Mädchen neben mir hat es genau eine halbe Stunde ausgehalten. Dann half auch kein Ohrenzuhalten und Einkuscheln auf Mutters Schoß mehr. Sie musste einfach raus: befreit werden von der lärmenden Gruselei rund um den Hexenbesen. „Hänsel und Gretel“ ist schon ein Schwergewicht für junge schwache Nerven, zumal wenn es in Opernform und noch dazu in so einer scheppernden Lautstärke präsentiert wird, wie gerade in der Biosphäre. Bis zur Pause war am Freitagabend von stimmlicher Brillanz und musikalischem Genuss keine Spur. Die Tonübertragung – jedenfalls im Block B – versetzte dem engagiert aufspielendem Sinfonieorchester Collegium musicum Potsdam unter Leitung von Knut Andreas und dem beherzt agierenden Darstellern eine schallende Ohrfeige. Wie schade! Denn man konnte ahnen, mit welcher Kraft und Leidenschaft sich das Ensemble in diese Produktion hineingeworfen hatte, zumal nach der Pause das Desaster etwas abgemildert werden konnte. Weiterlesen

Das #EmptyMuseum Barberini ist nun geschlossen. Aber am 23. Januar öffnet es wieder: dann gefüllt mit Kunst

Noch sind die Räume leer, bald aber schon werden die Impressionisten einziehen.
Noch sind die Räume leer, bald aber schon werden die Impressionisten einziehen.

Am liebsten würde man über das Parkett tanzen: unter den hohen geschwungenen Decken, im Rausch der Weite und der farbprächtigen Wände – inmitten von Potsdam, das durch die Fenster grüßt. Das EmptyMuseum ist ein gelungener Auftakt für das Museum Barberini. Eine Woche lang strömten die Potsdamer und Touristen an den Alten Markt, der nun wieder in alter Geschlossenheit für sich einnimmt. Überall strahlende Gesichter, die durch dieses Schmuckstück in äußerer Palazzo-Anmut und innerer schlichter Eleganz wandeln. Hier haben Handwerker bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen. Auch in den kleinsten Details ist Akkuratesse zu erkennen. Von den technischen Raffinessen, die das Auge kaum wahrnimmt, ganz zu schweigen.

Wer sie verpasst hat – die leeren Räume,  den sollen unsere Fotos (© D. Jäger) einen kleinen Eindruck vermitteln: von diesem Geschenk an Potsdam. Die Millionen von Hasso Plattner sind gut angelegt: zur Freude aller! Weiterlesen

Laut, schrill, immer nackig und etwas eklig. „Familiengeschäfte“ ohne Biss

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Das Hans Otto Theater präsentiert eine zahnlose Gesellschaftskomödie

Herr Wellemeyer bleibt sich treu. Wenn er eine Komödie in die Hand nimmt, weiß der Besucher, was ihn erwartet. Es wird laut und schrill, immer nackig und etwas eklig. Auch bei Alan Ayckbourns „Familiengeschäfte“, die der Chef des Hans Otto Theaters am Samstag zur hauseigenen Premiere brachte, gab es Geschrei und Klamauk und jede Menge Blut. Also viel Lärm um Nichts?

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Da hilft kein Jammern! Der „Gestiefelte Kater“ nimmt das Glück in die Hand

 

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Abgründiges in der flirrenden Märchenwelt: Der Gestiefelte Kater am Hans Otto Theater.

Dieser Gestiefelte Kater nimmt große Schritte. Er durchquert so ziemlich alle Niederungen, in die wir fallen können und die uns mitunter zermürben. Dieses Märchenspiel von Thomas Freyer als Adaption der Grimmschen Märchen wird zur Persiflage auf die wilde Jagd der Arbeitgeber auf die Kraft ihrer Angestellten. Immer mehr haben sie zu buckeln  – bis sie schließlich erschöpft zusammen brechen. Ja, hier geht es um Burnout und Depression und doch kratzt diese Problemwelt der Erwachsenen nicht an dem märchenhaften Zauber, mit der diese Inszenierung von Kerstin Kusch die Bühne überzieht. Sie ist spritzig und witzig und vor allem sehr musikalisch. Weiterlesen

Die hohe Kunst des Verweigerns: Ton und Kirschen überzeugen in „Bartleby der Schreiber“ mit Slapstick und Hintersinn

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Stein des Anstoßes: der Verweigerer Bartleby. Am Wochenende ist er in der fabrik zu sehen.  Foto: Estournet

Dieser Bartleby erinnert mich an die gemalten Einsamkeits-Gestalten von Edward Hopper: verlorene Seelen mit Blicken, die ins Leere gehen. Wir versuchen, sie zu ergründen und bleiben gebannt und doch ratlos zurück.

„Bartleby, der Schreiber“ ist indes die Titelfigur einer 1853 geschriebenen Erzählung von Herman Melville, die das Wandertheater Ton und Kirschen am Donnerstag in der fabrik Potsdam mit Schwung, Slapstick und großer Konzentriertheit auf die Bühne brachte. Weiterlesen

Doch der Argwohn bleibt: „Geächtet“ erzählt am HOT über Vorurteile, Religion und Rassismus

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Theater mit Tiefgang: Gespielt von Melanie Straub, Jon-Kaare Koppe, Philipp Mauritz und Aimee Breidbach (v.l.)

Das Theater ist in aller Munde. Allerdings nicht wegen seiner Inszenierungen. Es geht um Querelen hinter der Bühne. Der Intendant versteht es offensichtlich nicht, seine Mannschaft hinter sich zu einen. Statt sie mitzunehmen im Ringen um zugkräftige Bühnenstoffe, Publikumsgunst und Zuschauerzahlen, fühlen sich die Schauspieler übergangen und stehengelassen in ihrer Hoffnung auf Mitsprache. Ihr Vorwurf, der in einem Brief vor zwei Jahren seinen Niederschlag fand, heißt zusammengefasst: zu wenig Demokratie.

Das Ganze wurde jüngst in der Lokalpresse ausgiebig beleuchtet und wir wollen nicht im Nachhinein ins langsam verstummende Horn der Aufständigen oder des eingeschnappten Intendanten noch laue Luft blasen. Der Oberbürgermeister und seine fachkundigen Berater werden entscheiden müssen, wie lange die Ära Wellemeyer noch anhält. Offensichtlich geht es um eine breitgefächerte Antistimmung gegen den obersten Spielherren, obwohl er seiner Crew eigene Spielwiesen in der Reihe „nachtboulevard“ immer wieder einräumte. Sie muss also tiefer liegen, diese Eisschicht. Das zu bewerten, ist von außen schwierig. Viele wissen indes aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn Chefs für Kälte und Erstarrung im Betriebsklima sorgen.

Auf der Bühne ist es den Schauspielern indes nicht anzumerken, ob und wie heiß es brodelt unter den Brettern, die die Welt bedeuten. In der Inszenierung „Verdächtig“, die ich am Tag der Einheit in einem recht gut gefüllten Haus erleben konnte, gab es einmal mehr ein kraftvoll und differenziert aufspielendes Ensemble, mit dem das Theater immer wieder punkten kann. Weiterlesen

Eine Feier des Lebens. Bis in den Tod. Fotografien von Monika Schulz-Fieguth im Potsdam Museum

Klosterbuch A.89
Das „Klosterbuch“, 2010. Die Seiten springen fast heraus.

Es ist bereits ein paar Wochen her, als ich die Porträtwelt Monika Schulz-Fieguths im Potsdam Museum durchquerte. Mit einem gebrochenen Knöchel an die Couch gefesselt, blättere ich jetzt noch einmal durch den Katalog ihrer Ausstellung und bin erneut zutiefst berührt. Vor allem ihre Fotografien über das Sterben sind von einer Kraft, die atemlos machen. Unaufgeregt und doch aufwühlend. Weiterlesen