Kleine Sonnentänzer auf großer Bühne: Marita Erxlebens Eleven zeigen „Wie der Rabe das Licht brachte“

Auf Spitzen im Rampenlicht des Hans Otto Thaters. Foto: Vanessa Schümmelfeder

Es ist schwer, den richtigen Weg zu finden: nicht nur für die Sonnentänzer und das Rabenvolk. Auch dem Zuschauer fehlt über weite Strecken der Kompass der Erleuchtung. Die von Choreografin Marita Erxleben meisterlich in Szene gesetzte Tanzproduktion „Wie der Rabe das Licht brachte“ glänzt zwar am Hans Otto Theater mit sinnlichen und kontrastreichen Bildern, aber der Inhalt bleibt mitunter auf der Strecke. Weiterlesen

Weggeputztes Männerglück: „Ein seltsames Paar“ im Gasometer des Hans Otto Theaters

Lotterwirtschaft trifft auf Saubermann: Wieviel Putzmittel verträgt eine Männer-WG?

Seine kleine häusliche Welt ist auseinander gebrochen. An den roten Wänden hängen noch Fotos der glücklichen Familie – neben den Kunstdrucken berühmter Maler wie Rothko. Genau jenes Bild, das im Museum Barberini derzeit im Original zu sehen ist (Amerika lässt grüßen). Der Fußboden der großzügigen Wohnung ist indes übersät von leeren Bierbüchsen und zerknüllten Chipstüten. Der Kühlschrank gähnt vor Leere. Nur ein Rest Milch gibt es noch, und der flockt. Der Hausherr schlurft in abgestumpfter griesgrämiger Selbstherrlichkeit durch sein Männerreich: mit langen Loden, Schmierbauch und kurzer Schlafanzughose. Unappetitlich wie sein klebriger Tisch. Mann kann sich gehen lassen.

Seine Kumpels leisten ihm beim Pokern bierselig Gesellschaft. Die einzige Störung in diesem gepflegten Männerchaos sind die Anrufe der Ex, die auf Unterhalt für sich und die Kinder pocht.

Die Handlung dieser kammerspielartigen Komödie von Neil Simon ist durchaus aktuell: Das Singledasein hat Hochkonjunktur, getrennte Familien, wohin man schaut. Das diesjährige Sommertheater im Gasometer des Hans Otto Theaters greift mit „Das seltsame Paar“ also ein Stück mit langlebigem Gebrauchswert auf, auch wenn es etwas an auffrischender Politur fehlt. Weiterlesen

Laut kläffend: Lars von Triers „Dogville“ am Hans Otto Theater

Die Menschlichkeit wird ans Kreuz genagelt. Foto: HL Böhme/HOT

Dass dies ein schonungsloser Abend werden würde, war voraus zu sehen. Schließlich ist Lars von Triers Film „Dogville“ von so einer schmerzhaften Wucht, dass er atemlos macht. In von Triers düsterer Parabel spielte Nicole Kidman die Hauptrolle der Grace und ich erinnere mich noch sehr eindrücklich daran, wie angespannt ich um ihr Überleben bangte und wie überrascht ich schließlich von dem Ende war.

Am Samstag brachte nun das Hans Otto Theater „Dogville“ in der Dramatisierug von Christian Lollike auf die Bühne. Für die Inszenierung dieses Höllentanzes holte sich das HOT erstmals den erfolgreichen Regisseur Christoph Mehler ans Haus, der viele Jahre die Spielstätte Box und Bar am Deutschen Theater leitete. Das Premierenpublikum war erstaunlich jung und folgte der ins Groteske getriebenen straffen Einstudierung mit Lachen und konzentriertem Innehalten. Weiterlesen

Das kleine Licht bin ich: Wenn sich Fantasie zum Traumberg erhebt

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Laura Heineckes schwebende Magie. Licht und Schatten tanzen einen zarten Reigen. Foto: Gurlt

Es war ein kleines Wagnis: mein erster Theaterausflug mit Enkeltochter. Schließlich richtet sich das Tanzstück „Das kleine Licht bin ich“ an Kinder ab drei Jahren. Paula ist nicht mal zwei, dafür aber eine ausdauernde Bilderbuchanguckerin. Auch das Video, mit dem das T-Werk seine Inszenierung bewirbt, legte die Hoffnung nahe, dass sich unsere Enkelin von dem Zauber verführen lässt. Weiterlesen

L‘ Amour Fou – Liebe ohne Zukunft

Hans-Otto-Theater, Das goldene Vlies von Franz Grillparzer, Regie: Alexander Nehrlich Medea Marianna Linden Jason Florian Schmidtke Gora Sabine Scholze Phryxus/ Kreon Peter Pagel Aietes Bernd Geiling Peritta/ Kreusa Denia Nironen Milo Wolfgang Vogler Absyrtus Jonas Götzinger Junge Medea Renée Carlotta Gerschke Clara Sonntag
Ein Kampf der Gefühle (Foto: Göran Gnaudschun)

„Das Goldene Vlies“ von Franz Grillparzer im Hans Otto Theater

Es ist ein Abend der großen Emotionen. Antiker Stoff verpackt in einer dramatischen Liebesgeschichte, die sich schnell als „Amour Fou“ entlarvt – eine Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist. Zugegebenermaßen sah ich dem Theaterabend etwas skeptisch entgegen, tue ich mich mit Dramen aus der Mythologie doch manchmal etwas schwer. Zu viele gleich klingende Namen, zu viele Intrigen, zu viele Nebenhandlungen. Und dazu eine Sprache, die die volle Konzentration abverlangt. Doch die Tragödie “Das Goldene Vlies“ von Franz Grillparzer unter der Regie von Alexander Nerlich benötigte nur wenige Minuten, um mich am vergangenen Samstagabend in ihren Bann zu ziehen. Weiterlesen

Lärmender Hexentanz: Hänsel und Gretel in der Biosphäre

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Hänsel und Gretel nicht im deutschen Wald, sondern in den Tropen. Gruselig wurde es trotzdem.

Das kleine Mädchen neben mir hat es genau eine halbe Stunde ausgehalten. Dann half auch kein Ohrenzuhalten und Einkuscheln auf Mutters Schoß mehr. Sie musste einfach raus: befreit werden von der lärmenden Gruselei rund um den Hexenbesen. „Hänsel und Gretel“ ist schon ein Schwergewicht für junge schwache Nerven, zumal wenn es in Opernform und noch dazu in so einer scheppernden Lautstärke präsentiert wird, wie gerade in der Biosphäre. Bis zur Pause war am Freitagabend von stimmlicher Brillanz und musikalischem Genuss keine Spur. Die Tonübertragung – jedenfalls im Block B – versetzte dem engagiert aufspielendem Sinfonieorchester Collegium musicum Potsdam unter Leitung von Knut Andreas und dem beherzt agierenden Darstellern eine schallende Ohrfeige. Wie schade! Denn man konnte ahnen, mit welcher Kraft und Leidenschaft sich das Ensemble in diese Produktion hineingeworfen hatte, zumal nach der Pause das Desaster etwas abgemildert werden konnte. Weiterlesen

Laut, schrill, immer nackig und etwas eklig. „Familiengeschäfte“ ohne Biss

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Das Hans Otto Theater präsentiert eine zahnlose Gesellschaftskomödie

Herr Wellemeyer bleibt sich treu. Wenn er eine Komödie in die Hand nimmt, weiß der Besucher, was ihn erwartet. Es wird laut und schrill, immer nackig und etwas eklig. Auch bei Alan Ayckbourns „Familiengeschäfte“, die der Chef des Hans Otto Theaters am Samstag zur hauseigenen Premiere brachte, gab es Geschrei und Klamauk und jede Menge Blut. Also viel Lärm um Nichts?

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Da hilft kein Jammern! Der „Gestiefelte Kater“ nimmt das Glück in die Hand

 

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Abgründiges in der flirrenden Märchenwelt: Der Gestiefelte Kater am Hans Otto Theater.

Dieser Gestiefelte Kater nimmt große Schritte. Er durchquert so ziemlich alle Niederungen, in die wir fallen können und die uns mitunter zermürben. Dieses Märchenspiel von Thomas Freyer als Adaption der Grimmschen Märchen wird zur Persiflage auf die wilde Jagd der Arbeitgeber auf die Kraft ihrer Angestellten. Immer mehr haben sie zu buckeln  – bis sie schließlich erschöpft zusammen brechen. Ja, hier geht es um Burnout und Depression und doch kratzt diese Problemwelt der Erwachsenen nicht an dem märchenhaften Zauber, mit der diese Inszenierung von Kerstin Kusch die Bühne überzieht. Sie ist spritzig und witzig und vor allem sehr musikalisch. Weiterlesen

Die hohe Kunst des Verweigerns: Ton und Kirschen überzeugen in „Bartleby der Schreiber“ mit Slapstick und Hintersinn

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Stein des Anstoßes: der Verweigerer Bartleby. Am Wochenende ist er in der fabrik zu sehen.  Foto: Estournet

Dieser Bartleby erinnert mich an die gemalten Einsamkeits-Gestalten von Edward Hopper: verlorene Seelen mit Blicken, die ins Leere gehen. Wir versuchen, sie zu ergründen und bleiben gebannt und doch ratlos zurück.

„Bartleby, der Schreiber“ ist indes die Titelfigur einer 1853 geschriebenen Erzählung von Herman Melville, die das Wandertheater Ton und Kirschen am Donnerstag in der fabrik Potsdam mit Schwung, Slapstick und großer Konzentriertheit auf die Bühne brachte. Weiterlesen

Durch welche Tür treten Sie? „Terror“ ist auch am Hans Otto Theater ein aufwühlendes Ereignis

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Die Zuschauer werden zu Schöffen im Theater-Gericht – und geraten in eine Zwickmühle.
Nachdem ich Schirachs „Terror“  im Fernsehen gesehen hatte, sank mein Interesse, mir auch noch die Aufführung am Hans Otto Theater anzusehen. Die TV-Besetzung mit Martina Gedeck, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Burckhard Klausner, Florian Daniel Fitz ist einfach nicht zu toppen, die Handlung auserzählt, das Votum abgegeben.
Dennoch: Die Karten sind nun mal bestellt, die Verabredung mit der Freundin getroffen … Es wird trotz  meiner Bedenken ein bewegender Abend – mit unerwartetem Ausgang.

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