Zum Herz zerreißen: Der Film „24 Wochen“ ist von atemloser Kraft und Ehrlichkeit

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Noch im Thalia zu sehen: „24 Wochen“. Ein großer Film, der nichts ausspart. Foto: Neue Visionen

In diesen Film sollte keiner alleine gehen. Er hat so eine Wucht, dass man einfach die Nähe eines Freundes braucht, mit dem man auch anschließend das Unfassbare teilen kann. Eigentlich wollte ich mich um „24 Wochen“ drücken. Allein der Trailer zog mich schon runter. Doch dann fragte mich eine Freundin, ob ich sie begleiten würde. Ich ging mit. Und das war gut so. Dieser Film über die Frage, ob man ein behindertes und zudem herzkrankes Kind zur Welt bringt, ist so direkt, so ehrlich, so schonungslos, dass er noch Tage später in Kopf und Seele kreist. Und immer wieder zu dem Gedanken führt: Gott sei Dank, dass ich das nicht entscheiden muss!

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Doch der Argwohn bleibt: „Geächtet“ erzählt am HOT über Vorurteile, Religion und Rassismus

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Theater mit Tiefgang: Gespielt von Melanie Straub, Jon-Kaare Koppe, Philipp Mauritz und Aimee Breidbach (v.l.)

Das Theater ist in aller Munde. Allerdings nicht wegen seiner Inszenierungen. Es geht um Querelen hinter der Bühne. Der Intendant versteht es offensichtlich nicht, seine Mannschaft hinter sich zu einen. Statt sie mitzunehmen im Ringen um zugkräftige Bühnenstoffe, Publikumsgunst und Zuschauerzahlen, fühlen sich die Schauspieler übergangen und stehengelassen in ihrer Hoffnung auf Mitsprache. Ihr Vorwurf, der in einem Brief vor zwei Jahren seinen Niederschlag fand, heißt zusammengefasst: zu wenig Demokratie.

Das Ganze wurde jüngst in der Lokalpresse ausgiebig beleuchtet und wir wollen nicht im Nachhinein ins langsam verstummende Horn der Aufständigen oder des eingeschnappten Intendanten noch laue Luft blasen. Der Oberbürgermeister und seine fachkundigen Berater werden entscheiden müssen, wie lange die Ära Wellemeyer noch anhält. Offensichtlich geht es um eine breitgefächerte Antistimmung gegen den obersten Spielherren, obwohl er seiner Crew eigene Spielwiesen in der Reihe „nachtboulevard“ immer wieder einräumte. Sie muss also tiefer liegen, diese Eisschicht. Das zu bewerten, ist von außen schwierig. Viele wissen indes aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn Chefs für Kälte und Erstarrung im Betriebsklima sorgen.

Auf der Bühne ist es den Schauspielern indes nicht anzumerken, ob und wie heiß es brodelt unter den Brettern, die die Welt bedeuten. In der Inszenierung „Verdächtig“, die ich am Tag der Einheit in einem recht gut gefüllten Haus erleben konnte, gab es einmal mehr ein kraftvoll und differenziert aufspielendes Ensemble, mit dem das Theater immer wieder punkten kann. Weiterlesen

Was Theater kann! Das große Fest zum Spielzeitbeginn

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Auch neue Gesichter gibt es zu entdecken. Frédéric Brossier ist einer der drei neuen Ensembleschauspieler. Er spielt schon jetzt im „Sommernachtstraum“.

Das Theater zeigt am Samstag zum Auftakt der neuen Saison, was die Kunst im Inneren zusammenhält. Ob Schauspieler, Tischler, Inspizient oder Requisiteur – sie alle gestalten eine knallbunte „Vorstellung“, in der sie sich auch selbst den Spiegel vorhalten. An geheimnisvollen Orten zwischen Werkstätten und Bühne können die Zuschauer an offenen Proben teilnehmen, Schau-Aktionen der künstlerischen Abteilungen erleben oder sich auf eine „Kleine Theaterweltreise“ begeben, bei der es auch Kostproben aus kommenden Stücken gibt.
Die Mitarbeiter offenbaren, was Theater alles kann und entfachen ein „Feuerwerk“ aus Licht und Ton und künstlerischer Raffinesse. Weiterlesen

Alter macht launisch: Das Neue Globe Theater mit einem actionreichen, aber zu langen König Lear

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König und Narr: Andreas Erfurth und Kilian Löttker. Foto: Gerrit Wittenberg

Diesem langen, zu langen Abend möchte ich ein kurzes Nachwort beifügen. Es ging heiß her, bei diesem „König Lear“ des Neuen Globe Theaters, das am Donnerstag im T-Werk Premiere feierte: bei gefühlten 40 Grad, die sich auch mit dem Programmheft nicht wegwedeln ließen. Die acht Mannen in schau-lustigen Frauen- und Männerkleidern kosteten den von Shakespeare tief gegrabenen Spielbrunnen genüsslich aus. Sie boten ganz im Sinne des großen Dramatikers pralles, derbes, witziges, bluttriefendes, zotiges und in seinen besten Momenten auch berührendes Theater. Weiterlesen

Zuckerbrot und Peitsche: Ibsens „Peer Gynt“ am Hans Otto Theater

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Rita Feldmeier und Alexander Finkenwirth als Mutter und Sohn in einer spannungsgeladenen Beziehung. Foto: HOT/ HL BÖhme

Es ist eine sehr lange Reise, auf die sich dieser Peer Gynt begibt. Und auch für die Zuschauer, die am Mittwochabend die Reihen im Hans Otto Theater gut füllen, dehnt sich die Zeit. Am Ende sehnt man fast den Tod dieses skrupellosen abgehalfterten Weltenbummlers herbei. In Erinnerung bleiben die vieldeutige Bühnenschräge mit dem schwarzen Loch von Wolfgang Menardi und die großartige Wandelbarkeit von Alexander Finkenwirth. Weiterlesen

Improtheater im Waschhaus: Wal, umhäkelt…

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Die Gorillas – Improtheater aus Berlin. Immer am zweiten Donnerstag des Monats zu Gast im Waschhaus Potsdam.
(Foto: promo / Iris Janke)

…dieser überlebte am kurzweiligen Theaterabend der „Gorillas im Schleudergang“ im Waschhaus Potsdam ebenso wenig wie der in der Havel gefangene Barsch des Anglers im Lila-T­-Shirt. Aber Spätzle mag gar keine Fische…

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„Sag mal, geht’s noch?“: „Die Berliner Stadtmusikanten“ als vergnügliches Puppenspiel für Erwachsene

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Die Puppenbühne der Zitadelle Spandau kommt mit ihren skurril-witzigen „Berliner Stadtmusikanten“ ins T-Werk.

Zu meinen Lieblingsmärchen gehörten sie nicht: „Die Bremer Stadtmusikanten“. Vielleicht misstraute ich dem ganzen Spuk, dass vier so abgewrackte Gesellen tatsächlich richtige Räuber in die Flucht schlagen können. Und diese Botschaft „Etwas Besseres als den Tod findest du überall …“  bewegte mich als Kind auch nicht sonderlich. Eigentlich packte mich diese Grimm‘sche Geschichte erst so richtig, als ich sie in der Theaterversion der Zitadelle Spandau erzählt bekam: nunmehr als „Berliner Stadtmusikanten“ und als Puppenspiel für Erwachsene. In dieser kurzweilig-pointierten Inszenierung des Familienunternehmens Wagner und des Regisseurs Pierre Schäfer paarten sich plötzlich Leben, Witz und Klugheit auf erfrischende Weise, die noch im Nachhall für vergnügliches Schmunzeln sorgt. Weiterlesen

Blass und seelenlos: „Der Besuch der alten Dame“ am Hans Otto Theater

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Alissa Kohlbusch baute die Bühne als Katakomben. Für die Schauspieler wurden die Schrägen in die Unterwelt zur Rutschpartie. Foto: HOT

Sie verlassen nicht das sinkende Schiff. Nein, diese Ratten kommen aus allen Löchern und feiern fröhlich Urständ …

Wir sitzen im Theater und schauen zur Premiere von Dürrenmatts tragischer Komödie „Der Besuch der alten Dame“ in die Katakomben von Güllen. Rauch steigt aus der Unterwelt des verarmten seelenlosen Dorfes auf. Es riecht förmlich nach Verwesung. Die raumgreifende Bühne von Alissa Kolbusch mit den in den Abgrund führenden Schrägen gehört zu den eindringlichsten Bildern dieser Inszenierung am Hans Otto Theater. Ansonsten wabert der Abend in der Regie von Niklas Ritter vorhersehbar dahin: mit überflüssigen szenischen Zutaten – wie dem Oratoriengesang oder die Fahrt mit dem Pappauto – die die Handlung spannungsarm zerfasern lässt. Weiterlesen

Wenn ein Gedicht zur Revue wird: „Kruso“ am Hans Otto Theater

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Eine rätselhafte Freundschaft von Schiffbrüchigen: zwischen dem Potsdamer Offizierssohn Kruso (Raphael Rubino, links) und dem Studenten Ed (Holger Bülow).  Foto: HL Böhme

 

Den Zuschauern, die Lutz Seilers Buch nicht gelesen haben, geht es wie Edgar: Sie fallen aus dem Nichts mitten in die Handlung hinein und haben Schwierigkeiten, sich zu orientieren und Fuß zu fassen. Die Fäden der Theateradaption des preisgekrönten Romans „Kruso“ lassen sich nur schwer greifen und fügen sich am Ende zu einem löchrigen Gewebe zusammen.

Für die Eingeweihten, die Seilers Roman und seine Figuren kennen, ist diese Inszenierung indes eine kraftvolle Stimme, die neue Töne anschlägt und Stimmungen schafft, die die Düsternis aufbrechen. Weiterlesen

Die PuppenTheaterTeufel in Schöpferlaune: Samstag ist Premiere

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Jugendliche Puppenspieler zeigen am Wochenende im T-Werk frei nach Prometheus, wie die Geschichte der Menschheit begann: „Ich nenne es: Den Anfang!“

Es muss schon kräftig dampfen und brodeln in dieser Ursuppe, in der alles entstand. Und so läuft die Nebelmaschine auf Hochtouren, wenn Prometheus sein Werk beginnt … Fünf Potsdamer Jugendliche, genannt die „PuppenTheaterTeufel“, bringen am Wochenende im T-Werk die griechische Mythologie auf die Bühne: in ihrer ganz eigenen bildreichen Version. Weiter