Flower Power mit Friedrich – Karten-Run auf die Musikfestspiele Sanssouci und auf das Schlosstheater im Neuen Palais

© Musikfestspiele Potsdam Sanssouci/ Gemälde: analog Credit

Friedrich der Große mit pinkfarbener Hippie-Brille und dickem Joint in der Hand. Oha, wenn das mal nicht die Gemüter spaltet. Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci sind seit 2019 in den Händen der Meisterflötistin Dorothee Oberlinger. Mit ihr scheint eine neue Ära des jährlich stattfindenden Festivals eingeläutet worden zu sein. Und auch das Programm 2020 scheint gut anzukommen. In nur wenigen Tagen wurde bereits über ein Drittel aller Karten des am 12. Juni beginnenden Festivals verkauft. Unter dem diesjährigen Motto „Flower Power“ versammeln sich lupenreine Schlosskonzerte mit Barockmusik – endlich auch wieder im sanierten Schlosstheater im Neuen Palais – ebenso wie Open Airs mit lustvollem Genremix. Ein Spagat, den das Plakatmotiv des als Hippie verkleideten Friedrich II. aufgreift.

Flower Power im Barockgewand?

Doch was hat Alte Musik, was haben die ehrwürdigen Schlösser und Gärten von Sanssouci mit den langhaarigen Blumenkindern zu tun? Mehr als man zunächst meint. Denn Friedrich II. ließ auf seinem Sommersitz, dessen Blumengärten sich als florale Ornamente bis in die Gemächer hinein ranken, die Künste im wahrsten Sinne des Wortes erblühen. Der ideale Ort also für ein „Blumenkinderfest“.

Und um den friedlichen Umbruch, die sanfte Revolution und die Kraft der Blumen als Symbol vergänglicher Schönheit soll es gehen. Nicht umsonst hat die farbenfrohe Hippie-Generation die Devise ihres Lebensgefühls vor allem in Musik zum Ausdruck gebracht, während ihre Utopien das Jahrhundert veränderten.

Die zerbrechliche Kraft der Blumen findet sich im Festspielprogramm in Musikstücken aus sieben Jahrhunderten wieder. Beim Wandelkonzert begegnet man blühender Mariensymbolik im Potsdamer Paradiesgarten, während Blumen des Bösen Pate standen für Streichquartette des Fin de Siècle. Die Romantik sucht in der Blume ihre Poesie des Unsagbaren, um sie anschließend gepresst und getrocknet als Albumblatt zur Salonkultur zu zähmen. Der Nelke ist im Programm der Musikfestspiele ein ganzer Tag gewidmet: Ihre Bedeutung changiert zwischen christlicher, bürgerlicher und revolutionärer Symbolik – ganz so, wie ihre Blüten zwischen Rot und Weiß.

Und auch die Blumenkinder selbst lassen von sich hören, in ihrem Wunsch nach Freiheit und Menschenmaß wurzelte einst auch der Pioniergeist der Alten Musik. Die Improvisationsgenies Jimi Hendrix und Georg Friedrich Händel begegnen sich im Eröffnungskonzert. Monteverdis mythischer Sänger Orpheus greift zur E-Gitarre, und am Mittsommerabend sprengen Alte Musik, Folk und Sixties-Rock gemeinsam erneut die Grenzen aller Genres.

Das Erbe der Blumenkinder lebt weiter: Derzeit pocht eine junge Generation, friedlich aber bestimmt, auf Ihr Recht an den Ressourcen unserer Welt. Ihnen ist das 11. Fahrradkonzert gewidmet: klimafreundlich und nachhaltig. Hier erfüllt sich die wahre Kraft von Flower Power: Die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft.

Das Abschlusskonzert am Orangerieschloss: The Indian Queen – Purcells Opernspektakel, kubanisch befeuert. (Foto: Stefan Gloede)

Sieben Jahre „in der Maske“: das Schlosstheater

Ein besonderes Highlight im Programmkatalog der Festspiele ist die Premiere von Telemanns „Pastorelle en musique“ – denn diese findet im Schlosstheater im Neuen Palais statt. Das im Stil des Friderizianischen Rokoko gestaltete Theater wird nach sieben Jahren der Sanierung erstmals wieder bespielt. Das Konzert ist leider schon ausverkauft. Jedoch gibt es eine Chance, das Schlosstheater dennoch mit Musik zu genießen: während eines ungewöhnlichen Tanztheaterprojekts an zwei Abenden während der Musikfestspiele. Schon 2019 konnte es Publikum und Jury bei den Lunchkonzerten für sich einnehmen: das Ensemble Europa Danzante mit seinem Leiter, dem Violinist und Choreograf Yves Ytier. In Dialog bringen sie dafür die »Rosenkranzsonaten« Heinrich Ignaz Franz Bibers mit dafür neu entstandenen Werken des mehrfach preisgekrönten rankokanadischen Komponisten Thierry Tidrow. Aber auch für die RosenTanzsonaten wird ab jetzt eine Warteliste eingeführt – so Pressesprecherin Genia Börner-Hoffmann auf Nachfrage. Wer nicht in den Genuss einer Schlosstheater-Aufführung während der Festspiele kommt, sollte sich rechtzeitig die Winteroper vormerken: Sie wird im November wieder an ihrem ursprünglichen Veranstaltungsort, dem Schlosstheater im Neuen Palais, aufgeführt: nunmehr mit Benjamin Brittens „The Rape of Lucretaia“.

Infos zum Programm und Karten.

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