Tiefschwarze „Unschuld“

 

Die Grimme-Preisträgerin Nina Kunzendorf gibt den Figuren in der tiefschwarzen Komödie „Unschuld“ von Jonathan Franzen ihre charismatische Stimme. Es geht um jugendlichen Idealismus, maßlose Treue und Familienverstrickungen. Foto: Literaturbüro/promo

Vielleicht liest sie aus dem Kapitel über den Mord. Das würde passen. Schließlich kennen wir Nina Kunzendorf noch bestens als Tatort-Kommissarin Conny Mey. Ihre langen Beine mit wippendem Colt an aufreizenden Hüften machten jede ihrer Ermittlung zum Hingucker. Nach Potsdam kommt sie unbewaffnet. Einzige Verstärkung: Jonathan Franzens „Unschuld“. Aus diesem 800-seitigen Sprachgiganten wird sie Sonnabend lesen. Weiterlesen

„Forelle grau“ – eine schillernde Geschichte

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OL erzählt mit viel Humor seine Geschichte Foto: Literaturbüro/Tim Trzoska

Seine Mutter nahm sich das Leben elf Tage vor seinem dritten Geburtstag. Sie war einundzwanzig und zum zweiten Mal schwanger. Olaf wuchs in der Familie seiner Tante und seines Onkels auf. Durchaus liebevoll. Über den Tod der Mutter sprachen sie nie mit ihm. Olaf wusste nur, etwas Schlimmes war passiert. Kein Thema für Kinder. Ständig fühlte er sich schuldig, hatte ein schlechtes Gewissen, ohne zu wissen warum. „Es gab keinen Kinderpsychologen, nur Schuld.“

Heute ist Olaf Schwarzbach 50 und bekannt unter seinem Künstlernamen OL. Er hat seine Geschichte in einem Roman aufgeschrieben: federleicht – ohne die Tiefen zu umschiffen. Der Cartoonist lässt die Vergangenheit hochschwappen wie einen kalten Wasserschwall. Weiterlesen

Gewitzt: Karaseks Buch „Das find ich aber gar nicht komisch!“

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Foto: Sven Teschke / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

Kennen Sie den? Sagt ein Achtzigjähriger zu einem anderen Achtzigjährigen: „Sag mal, wie hast du es geschafft, das bildschöne 22-jährige Model zur Heirat rumzukriegen?“ Antwortet der andere: „Indem ich ihr vorgelogen habe, ich sei neunzig.“ Kein Totlacher, aber ein nettes Witzchen, eine „mörtelmäßige“ Geschichte, meint Hellmuth Karasek, der sie mit in sein Buch „Das find ich aber gar nicht komisch“ aufgenommen hat. Ein Alterswitz, der gut zum Wiener Hofball passe, zu den ewig jungen Playboys, gut betucht und mit einer abstrusen Sehnsucht nach der ewig währenden Liebe und der unerlöschlichen Lendenkraft. Und wohl auch zu dem 81-jährigen Schwerenöter Karasek selbst. Weiterlesen