Kanon der Einsamkeit: Die „Drei Schwestern“ am Hans Otto Theater

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Der schöne Schein: Hinter der Fassade bröckelt es im Gebälk der Einsamkeit. Jeder greift in seinem Anspruch auf Glück ins Leere. Foto: HOT/HL Böhme

„Wir wollen nach Moskau!“. Gebetsmühlenartig wiederholen die Schwestern diesen Satz: schreiend, flüsternd, fast daran erstickend. Moskau ist ihr Sehnsuchtsort, ihre Hoffnung. Er könnte auch „Europa“ heißen, so wie wir ihn täglich von Flüchtlingen in den Medien rufen hören. Die Sehnsucht trägt viele Gewänder.

Anton Tschechows Stück „Drei Schwestern“, das am Freitag am Hans Otto Theater zur Premiere kam, rückt dem Besucher hautnah auf Leib und Seele. Weiterlesen

Blass und seelenlos: „Der Besuch der alten Dame“ am Hans Otto Theater

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Alissa Kohlbusch baute die Bühne als Katakomben. Für die Schauspieler wurden die Schrägen in die Unterwelt zur Rutschpartie. Foto: HOT

Sie verlassen nicht das sinkende Schiff. Nein, diese Ratten kommen aus allen Löchern und feiern fröhlich Urständ …

Wir sitzen im Theater und schauen zur Premiere von Dürrenmatts tragischer Komödie „Der Besuch der alten Dame“ in die Katakomben von Güllen. Rauch steigt aus der Unterwelt des verarmten seelenlosen Dorfes auf. Es riecht förmlich nach Verwesung. Die raumgreifende Bühne von Alissa Kolbusch mit den in den Abgrund führenden Schrägen gehört zu den eindringlichsten Bildern dieser Inszenierung am Hans Otto Theater. Ansonsten wabert der Abend in der Regie von Niklas Ritter vorhersehbar dahin: mit überflüssigen szenischen Zutaten – wie dem Oratoriengesang oder die Fahrt mit dem Pappauto – die die Handlung spannungsarm zerfasern lässt. Weiterlesen

Wenn ein Gedicht zur Revue wird: „Kruso“ am Hans Otto Theater

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Eine rätselhafte Freundschaft von Schiffbrüchigen: zwischen dem Potsdamer Offizierssohn Kruso (Raphael Rubino, links) und dem Studenten Ed (Holger Bülow).  Foto: HL Böhme

 

Den Zuschauern, die Lutz Seilers Buch nicht gelesen haben, geht es wie Edgar: Sie fallen aus dem Nichts mitten in die Handlung hinein und haben Schwierigkeiten, sich zu orientieren und Fuß zu fassen. Die Fäden der Theateradaption des preisgekrönten Romans „Kruso“ lassen sich nur schwer greifen und fügen sich am Ende zu einem löchrigen Gewebe zusammen.

Für die Eingeweihten, die Seilers Roman und seine Figuren kennen, ist diese Inszenierung indes eine kraftvolle Stimme, die neue Töne anschlägt und Stimmungen schafft, die die Düsternis aufbrechen. Weiterlesen

Alles schien möglich – „Das schwarze Wasser“ am Hans Otto Theater

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Es ist ein Funkenflug, der auf die Köpfe niedergeht. Wortsprengsel, schillernd schön, die davon stieben, ohne sich festzusetzen. Es braucht einen langen Anlauf, bis „Das schwarze Wasser“ zu einer Welle wird, die auf den Zuschauer überschwappt. In dieser merkwürdig bizarren Collage von Roland Schimmelpfennig am Hans Otto Theater switchen Zeiten, Figuren und Handlung ständig hin und her. Es geht vor und zurück – in einem Sprung von 20 Jahren. Aus jugendlicher Unbekümmertheit und Neugierde auf das Leben werden im Nu die Abgeklärtheit und der nüchterne Alltag der mittleren Generation. Die sprühenden Funken der Träume verglühen im schwarzen Nichts. Weiterlesen

Aus dem Schatten ins Rampenlicht

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Frech, charmant und stimmkräftig: Christel Leuner nahm beim Theaterfest die Besucher mit auf eine musikalische Reise an die Nordee. Begleitet wurde sie von Christian Deichstetter. / Foto: he

Bei diesem Wetter mussten wir uns einfach aufs Rad schwingen, um 13 Kilometer weiter in die bunt schillernde Welt des Theaters einzutauchen. Doch wir kommen zu spät. Die Karten für den Rundgang durch das Labyrinth der Werkstätten mit den Schauspiel-Kostproben sind schon vergriffen. Die Enttäuschung verfliegt schnell, denn überall gibt es Dinge zum Bestaunen: Glitzerkostüme zum Kauf, Prinzessinnen-Schuhe zum Reinschlüpfen, eine Windmaschine zum Drehen. Das Hans Otto Theater setzt bei seinem traditionellen Fest zum Saisonauftakt nun schon im vierten Jahr auf Besuchernähe. Weiterlesen