„Wir sind die schrecklichsten Eltern“, schreibt die Potsdamer Autorin Janina Kürschner in ihrem munteren Buch über den ganz normalen Familienwahnsinn

Umarmung mit Maxi, der nicht teilen will.

Ein  ganzes Bündel vielfältiger kultureller Veranstaltungen tut sich beim Lesen dieses Satzes auf: Morgens Theater, abends Zirkus und zwischendurch ganz großes Kino. Man kann ihn so lesen, als ob er uns in eine gehobene Stimmung versetzen will, doch auch mit einem gedehnten Duktus, bei dem man einen kleinen Seufzer heraushört. „Unsagbares Glück und hin und wieder ein Stöhnen liegen im Familenalltag dicht beieinander“, sagt die Potsdamer Autorin Janina Kürschner in einem Gespräch. Im Marburger Francke Verlag hat sie ein Buch mit dem Titel „Morgens Theater, abends Zirkus und zwischendurch ganz großes Kino“ veröffentlicht. Damit macht sie deutlich, was alles in einer Familie möglich ist.

Die gebürtige Potsdamerin wuchs in einem atheistischen Umfeld auf, engagierte  sich in der DDR-Jugendorganisation FDJ, studierte nach der politischen Wende Volkswirtin und war als Entwicklungshelferin in mehreren Ländern der Welt tätig. „Nicht darüber, sondern über die vielen Freuden und kleinen Kümmernisse einer Mutter und Ehefrau schrieb ich für eine Zeitschrift Kolumnen“, berichtet Janina Kürschner. Die Artikel fanden großen Anklang, so dass Janina Kürschner dem Rat folgte, ein Buch darüber zu verfassen. Eine Leserin schrieb an den Verlag: „Anfangs dachte ich, na ja, ein Erlebnisbericht einer gestressten Mutter, wie es nun mal ist. Dann kamen Neugier und auch manchmal Neid dazu. Wie hat sie das nur geschafft,  Struktur und Kommunikation in die Familie und in die Partnerschaft zu bringen? Das scheint ein Geheimnis aller glücklichen Familien zu sein.“ Janina Kürschner macht aus dem Familienalltag mit den vier Kindern (6, 14, 16 und 19 Jahre alt) und dem Ehemann, der in der Umgebung von Potsdam als Gemeindepfarrer tätig ist, kein Geheimnis. Die Ehefrau Martin Luthers, Katharina von Bora, ist ihr großes Vorbild. „Was sie als anspruchsvolle und umsichtige Pfarrfrau und Mutter in der bestimmt quirligen Familie und in dem Haus mit ständig vielen Gästen geleistet hat, ist einfach großartig.“

„Klar, Stress gab und gibt es, manche Seufzer lassen sich nicht vermeiden“, sagt die Autorin. Sie erzählt, dass sie kurz vor einer Spendengala für eine Entwicklungshilfeorganisation ihr viertes Kind auf dem Arm hielt, um es zu stillen. „Kurze Zeit später dachte ich: Was mache ich hier eigentlich?! In diesem Moment wurde mir klar: Karriere und Mutter sein – das geht nicht mehr gleichzeitig. Der Ruf der Arbeit wird immer lauter. Eines wird zu kurz kommen. Und das ist das Baby.“ Janina Kürschner gab die Arbeit auf, denn ihr war bewusst: Mutter ist ein Vollzeitjob.

Die Titel der einzelnen Buchkapitel verraten, welche Themen im Hause Kürschner während des ganz normalen Familienalltags eine Rolle spielen: Wir sind die schrecklichsten Eltern der Welt; Die Langeweile bringt mich um; Mama, warum bist du eigentlich so religiös oder Zeit für Gott, für Familie und mich.  Dann geht es um die Eindämmung des überzogenen Medienkonsums, um Hilfen bei der Hausarbeit, sonntägliche Gottesdienstbesuche der Kinder, stille Zeiten sowie um die Unterstützung ihres Mannes in der Kirchengemeinde. „Für ein paar Stunden in der Woche bin ich in der Familienberatung tätig“, berichtet die Potsdamerin.  „Ich bin froh, dass die Familie dazu Ja gesagt hat.“

Wer jetzt denkt, o je, schon wieder ein aufdringliches Ratgeber-Buch zu Ehe, Familie und Erziehung, vielleicht sogar eines aus dem evangelikalen Einflussbereich, der irrt. Janina Kürschner gibt unkompliziert Einblick in die bunte Vielfalt ihrer Familie, in der es mit Sicherheit nie langweilig wird. Dass dabei dennoch einige Tipps für Leserinnen und Leser abfallen, ist gewollt und sicherlich auch willkommen. (von Gastautor Klaus Büstrin)

 

 

 

 

Janina Kürschner, Morgens Theater, abends Zirkus und zwischendurch ganz großes Kino, Francke-Buch GmbH Marburg, 14.95 Euro

 

 

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