„The Gate“: 300 Jahre Berliner Geschichte in 20 Minuten

Geschichte hautnah. „The Gate“ setzt schlaglichtartig und mit multimedialer Finesse auf Emotionen.

Schon beim Runtersteigen der Treppe dröhnt uns lauter Kanonendonner entgegen. Wir hören die piepsige Stimme von Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“ Als wir schließlich durchs Drehkreuz den flachen dunklen Raum betreten, werden wir von der Bilderflut geradezu überschwemmt. Der Körper vibriert im „Kugelhagel“ dieser rasanten Erlebnisshow zwischen Schüssen, Scherben, Bomben, Feuer, Jubeltaumel. In nur 20 Minuten durcheilen wir 300 Jahre Geschichte und es gibt kein Entrinnen. Diese vor einem Jahr eröffnete multimediale Ausstellung „The Gate“ in den Räumen des früheren Kennedy-Museums neben der französischen Botschaft am Pariser Platz zieht hinein: mit kraftvollen Filmsequenzen, schnellen Schnitten, dröhnenden Elektrobeats. Wie in einem Fahrstuhl geht es hoch und runter – von Glanz zu Elend und wieder zurück: vom blutigen Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs zu den Charleston-Klängen der 20er, vom Scheiterhaufen „entarteter“ Kunst zum Erstürmen der Mauer, vom lichten Ballett der Nachwende-Kräne in die schwüle Hitze der wiedervereinten Disconacht. Weiterlesen

Alles hat seine Zeit: Barbara Wiesener liest aus ihren „Notizen aus dem Gartenhaus“

Die Sonnenstrahlen tragen schwarze Ränder. Foto: Sybille Kinne

Sie nannte ihr Buch bescheiden: „Notizen aus dem Gartenhaus“ und haderte lange mit der Veröffentlichung. Zu privat erschienen ihr die niedergeschriebenen Gedanken. Doch gerade diese ungefilterte Nähe macht die Stärke dieses kleinen, bewegenden Büchleins aus, das nun in der zweiten Auflage erschienen ist. Die Autorin Barbara Wiesener stellt es am Dienstag, den 14. März, im „Viktoriagarten“ vor. Weiterlesen

Kein Halt auf freier Strecke. „Schlafen werden wir später“ in dieser rastlosen Zeit

Zsuzsa Bánk lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main. In ihrem Briefroman  fragt sie: Was wird noch kommen in diesem Leben um die 50?! Foto: Gaby Gerster

Gerade bin ich durch den dicken Wälzer von Juli Zeh gerauscht und noch ganz benommen von diesem stachligen Charakteren-Gestrüpp, das tief in die Haut sticht. Dieser schwergewichtige Heimatroman „Unterleuten“ reißt einer sehnsuchtsgetränkten Dorfromantik beherzt die Maske vom Gesicht. Danach hat es jedes weitere Lebensdrama erstmal schwer, zu einer neuen Leseleidenschaft zu werden.

Dennoch griff ich erwartungsfroh zu Zsusza Bánks im S. Fischer-Verlag erschienenen Briefroman „Schlafen werden wir später“, das die Autorin am Mittwoch im Waschhaus vorstellen wird. Eigentlich sollte die Lesung  im Buchladen Wist stattfinden, aber die Nachfrage war zu groß. Von der preisgekrönten deutschen Schriftstellerin mit ungarischen Wurzeln kannte ich bereits „Die hellen Tage“, die mich in ihrer weltverlorenen Schwebe leseglücklich machten.

Ihr neues Werk ist nun in gut konsumierbarer Briefform geschrieben: Zwei Freundinnen teilen sich fast täglich per Email mit, von welchen Alltagskrisen sie gerade durchgeschüttelt und aufgerieben werden. Und davon gibt es unzählige in diesen beiden so verschiedenen Leben. Weiterlesen

Lilis Blitzrezept: Pasta mit Lachs

Manchmal muss es schnell gehen. Gerade jetzt, wo sich Lilis Zuhause in eine Baustelle verwandelt hat, bleibt wenig Zeit und Muße, um am Herd zu  stehen. Doch eine gute Küchenfee hat immer ein Rezept parat, das sich auch im Baudreck zügig zubereiten und servieren lässt. Hier also Lilis Blitzrezept für ein leckeres „Abendbrot“ zu zweit:

Pasta mit Lachs Weiterlesen

Kultursegler auf Tour: „Elphi“ im Selbsttest

Die Hamburger Elbphilharmonie eröffnete am 11. Januar 2017
Foto: Andi Graf (Creative Commons)

Bis sie vollendet werden konnte, musste viel Wasser die Elbe runter- und vor allem viel Geld aus dem Bürgerschaftssäckel abfließen: die Hamburger Elbphilharmonie. Mit ungeahnten Bauverzögerungen und einer Kostenentwicklung, die dem Fass den Boden auszuschlagen drohte, lag der Vergleich zum Berliner Flughafen BER schnell nahe. Doch der große Unterschied ist: die „Elphi“ ist trotz 7-jähriger Verspätung und einer Vervierfachung der Kosten im Gegensatz zum BER nun tatsächlich fertig geworden. Vor etwas mehr als einem Monat wurde mit viel Brimborium die Eröffnung gefeiert. Seit dem scheint man in Hamburg nicht mehr zurückschauen zu wollen – um das neue Wahrzeichen der Stadt ist ein regelrechter Hype entstanden. Viel wurde geschrieben über die einzigartige Architektur, die hochgelobte Akustik, das auf Monate ausverkaufte Qualitätsprogramm und Ticketpreise, die auf dem Schwarzmarkt durch die Decke gehen. Und auch wir nutzten den „zweiten Vertriebsweg“, um uns von der neuen Konzerthalle selber ein Bild zu machen. Konnte sie uns überzeugen? Weiterlesen…

Wittenberg: Wir sind schon da!

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Asisis zeichnerische Annäherung an Luther: zu sehen im imposanten Panorama-Neubau „Luther 1517“.

Manchmal bringt es nichts, die erste sein zu wollen. Mit Luther und Wittenberg sollte man sich Zeit lassen. Noch hat der Winter das kleine Städtchen im Griff und mit ihr seine Einwohner. Die Freude auf Touristen hält sich jedenfalls bislang bedeckt. Weiterlesen

Das kleine Licht bin ich: Wenn sich Fantasie zum Traumberg erhebt

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Laura Heineckes schwebende Magie. Licht und Schatten tanzen einen zarten Reigen. Foto: Gurlt

Es war ein kleines Wagnis: mein erster Theaterausflug mit Enkeltochter. Schließlich richtet sich das Tanzstück „Das kleine Licht bin ich“ an Kinder ab drei Jahren. Paula ist nicht mal zwei, dafür aber eine ausdauernde Bilderbuchanguckerin. Auch das Video, mit dem das T-Werk seine Inszenierung bewirbt, legte die Hoffnung nahe, dass sich unsere Enkelin von dem Zauber verführen lässt. Weiterlesen

L‘ Amour Fou – Liebe ohne Zukunft

Hans-Otto-Theater, Das goldene Vlies von Franz Grillparzer, Regie: Alexander Nehrlich Medea Marianna Linden Jason Florian Schmidtke Gora Sabine Scholze Phryxus/ Kreon Peter Pagel Aietes Bernd Geiling Peritta/ Kreusa Denia Nironen Milo Wolfgang Vogler Absyrtus Jonas Götzinger Junge Medea Renée Carlotta Gerschke Clara Sonntag
Ein Kampf der Gefühle (Foto: Göran Gnaudschun)

„Das Goldene Vlies“ von Franz Grillparzer im Hans Otto Theater

Es ist ein Abend der großen Emotionen. Antiker Stoff verpackt in einer dramatischen Liebesgeschichte, die sich schnell als „Amour Fou“ entlarvt – eine Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist. Zugegebenermaßen sah ich dem Theaterabend etwas skeptisch entgegen, tue ich mich mit Dramen aus der Mythologie doch manchmal etwas schwer. Zu viele gleich klingende Namen, zu viele Intrigen, zu viele Nebenhandlungen. Und dazu eine Sprache, die die volle Konzentration abverlangt. Doch die Tragödie “Das Goldene Vlies“ von Franz Grillparzer unter der Regie von Alexander Nerlich benötigte nur wenige Minuten, um mich am vergangenen Samstagabend in ihren Bann zu ziehen. Weiterlesen

Potsdam spielt mit in der Spitzenliga der Kunst. Das Barberini ist eröffnet

Munch neu
Hier haben die Klassiker der Moderne ihren farbkräftigen Auftritt: darunter Munchs „Mädchen auf der Brücke“.

Geschrieben und gelobpreist wurde genug. Jetzt ist es an der Zeit, dass sich jeder selbst ein Bild macht. Nachdem das Barberini am Samstag freien Eintritt gewährte und sich die Besucher quer über den Alten Markt schlängelten, ist heute die reguläre Eröffnung des Museums. Der „Alltag“ zieht ein: wenn man bei einem Haus dieser Superklasse überhaupt davon reden kann. Weiterlesen