Walzer der Verdammnis: Eugen Ruge erzählt in „Metropol“ von seiner Großmutter und Stalins „Säuberungsaktionen“

Auf den Spuren seiner Großmutter: der Autor Eugen RugeFoto:Asja Caspari

Auf den Spuren seiner Großmutter: der Autor Eugen Ruge, Foto: Asja Caspari

Ein eisiger Wind schlägt dem Leser entgegen. Es ist nicht nur die klirrende Kälte des russischen Winters, die sich durch das Buch „Metropol“ zieht. Es ist vielmehr diese unsägliche Zeit, die alle Poren erstarren lässt, in der Bespitzelung, Verrat, ohnmächtige Angst gnadenlos um sich greifen. Jeder bangt um sein Leben: Bin ich der Nächste, der von Stalins Getreuen abgeholt, nach Sibirien geschickt oder erschossen wird? Eugen Ruges neuer Familienroman erzählt anhand der Geschichte seiner Großeltern von den „Säuberungen“ in der Sowjetunion auf ihrem Höhepunkt von 1936 bis 1938. Rund 1000 Menschen wurden damals täglich exekutiert – so die Schätzungen. Seine Großmutter Charlotte, die schöne Übersetzerin, und ihr zweiter Mann Hans, kamen mit dem Leben davon. Doch sie schwiegen zeitlebens über diese anderthalb Jahre im „Metropol“, dem Luxushotel in Moskau, das nichts anderes als ein Gefängnis war: in dem die Wände Ohren hatten, wo jeder nervös beim Frühstück um sich schaute, wer nun wieder fehlte, weil er nachts abgeholt wurde.→ weiterlesen

Pfeifend durch den Herbst des Lebens: In „Harold und Maude“ brilliert Rita Feldmeier in ihrer letzten großen Rolle am Hans Otto Theater

Der Rock'n' Roll des Lebens: Rita Feldmeier und David Hörning in Harold und Maude. Foto: Jauk

Der Rock'n' Roll des Lebens: Rita Feldmeier und David Hörning in Harold und Maude. Foto: Thomas M. Jauk

Sie pfeift auf Scheinmoral, jodelt auf dem Hochsitz eine Hymne auf das Leben und die Liebe. Auch mit 80 schillert das Glück noch bunt wie eine Seifenblase. Und wenn sie zerplatzt? Macht nichts: der Moment hat sich dennoch gelohnt. Rita Feldmeier spielt am Hans Otto Theater in „Harold und Maude“ die couragierte Menschenfreundin Maude und macht damit nicht nur sich selbst ein großes Geschenk. Der Vorhang öffnet sich nach 44 Jahren nun zu ihrer letzten Spielzeit: Das Publikum feiert sie!→ weiterlesen

Im Galopp durch ein blutrotes Jahrhundert: „Das achte Leben. Für Brilka“ am Hans Otto Theater

Die rote Fahne weht voran. Guido Lambrecht als überzeugter Militär in "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili Foto: Jauk

Diese Urlaubslektüre erwies sich in jeder Hinsicht als Schwergewicht. Als unser alter Koffer in Split vom Band rollte, zerfiel er in seine Einzelteile. Mittendrin der 1300-Seiten-Roman „Das achte Leben. Für Brilka“ von Nini Haratischwili. Natürlich rafften wir alles wieder ordentlich zusammen, schnürten notdürftig unser Ränzl und brachten es unversehrt in unsere Herberge. → weiterlesen

Kontrastreich. Zweimal Großstadt Berlin. – Neue Ausstellung in der Liebermann-Villa am Wannsee

Ein Ort der Inspiration: Blick auf die Liebermann-Villa

Der Himmel legt sich wie eine leichte Decke über den sattgrünen Rasen am Fuße der ausladenden Terrasse. Birken am Wegesrand und Segelschiffe am Horizont bilden den Rahmen dieses Gemäldes, in dem wir an diesem herrlichen Sonnentag Platz nehmen. Kein Wunder, dass Max Liebermann an diesem Ort der Ruhe seine Inspiration zum Malen fand. Derzeit ist in der Villa am Wannsee die Sonderausstellung „Max Liebermann und Lesser Ury – Zweimal Großstadt Berlin“ zu sehen.→ weiterlesen