Auf dem Großmutter-Abstellgleis

Tägliches Highlight - die Video-Schalte zwischen Enkelin und Oma

Seit dem 6. März habe ich meine Enkel nicht mehr gesehen.  Na klar, wir skypen, bekommen Videos, schreiben und malen uns Briefe. Derzeit schicken wir Fotos von unseren bemalten Ostereiern hin und her. Wir sind dauerdigital. Was gibt es also zu klagen? Die Vernunft sagt: Es ist eine Frage der Zeit, dann ist der ganze Spuk vorbei. Die Gesundheit ist das Wichtigste. Jeder nimmt auf den Anderen Rücksicht, noch viel mehr, wenn der Opa unter einer Vorerkrankung leidet. Wir kennen alle Argumente, Zahlen und Berichte, die uns von morgens bis in die Nacht begleiten und uns oft auch den Schlaf stehlen. Und dennoch: Es fällt so unendlich schwer, zu verzichten, auf das In-den Arm-Nehmen der Enkel, das Kuscheln, das gemeinsame Staunen und Wundern über die vorlauten Enten an den Römischen Bädern, über die dicken Bäume mit ihren zernarbten Häuten, die frechen Krähen und umherflitzenden Hunde. Keine Entdeckungsrunden mit dem Kinderwagen mehr durch den Park Sanssouci, kein Bude bauen, kein Fußballspielen mit dem Schulkindenkel …. Verlust offenbart Reichtum. 

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Wenn wir nicht in das Museum kommen, kommt das Museum zu uns

Die derzeitige Situation setzt uns allen zu. Wir sind zu physischer Distanz aufgerufen, die Schulen und Kitas sind dicht und sämtliche Freizeit- und Kultureinrichtungen haben berechtigterweise geschlossen. Gut, dass uns die Digitalisierung zumindest einige dieser Angebote ins Wohnzimmer bringt und wir so zum Beispiel auch nicht ganz auf den Museumsbesuch verzichten müssen. Das Museum Barberini bietet für die aktuelle Monet-Ausstellung virtuelle Einblicke. Wir haben aber noch ein paar mehr Tipps für das Kulturerlebnis zu Hause.

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Seerosen, Heuhaufen und dampfende Loks. Mit Monet auf Reisen. Zwölf Stationen im Museum Barberini

Update: Das Museum ist vorerst bis zum 19. April geschlossen.
Schon lange steht es auf meiner Reisewunschliste: das französische Dörfchen Giverny. Der Grund ist klar. Ich möchte Monets Gartenidyll nicht nur auf seinen Bildern bestaunen, sondern mit eigenen Augen den Seerosenteich ergründen, über die japanische Brücke schlendern, den Rosen- und Lilienduft einatmen. Doch natürlich sind es zuvorderst die gemalten Farbgiganten des Impressionisten, die das Herz elektrisieren. Monet war eben der Meister des Moments und der Genauigkeit, der die Magie von Licht und Schatten auf seine Leinwand bannte. Wie das selbst angelegte üppig glänzende Grün mit dem zarten Blütenteppich. Monet soll einen seiner Gärtner sogar damit beauftragt haben, jeden Morgen die Seerosenblätter zu putzen, um sie vom Ruß der nahen Eisenbahn zu befreien. Zwölf Orte des vielreisenden Monets gibt es nun im Museum Barberini zu bestaunen.

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Gespenstertanz der Albträume: Die Potsdamer Autorin Grit Poppe stellt ihren neuen Roman „Angstfresser“ vor

Wohin mit der Angst, wenn sie sich wie schwarze Girlanden über die Tage und Nächte legt? Die Potsdamer Autorin Grit Poppe erzählt von einem Angstfresser, der mit seinen Saugnäpfen die dunklen Gedanken aus dem Blut ziehen kann. Der Leser spürt ihn fast selbst, diesen Vampir, der mit jedem Zug das Seelengift aus dem Körper schlürft. Wie bei Mira. Der Schuss in ihrem Kopf wird allmählich leiser. Er wurde 1986 von einem Grenzsoldaten auf das 15-jährige Mädchen abgefeuert. In Klein Glienicke, der eingemauerten Idylle, in der der Schrebergarten neben dem Todesstreifen liegt. Die Kugel schlägt fehl. Doch noch Jahrzehnte später ist sie zu hören: bei Mira und auch bei Hans, dem sie über die Mauer folgen wollte. Und der sie zurückließ. Grit Poppes neuer Roman „Angstfresser“, den sie am Donnerstag in der Villa Quandt vorstellt, seziert messerscharf die Vergangenheit, erzählt aber auch von neuen Ängsten, die mit den alten einen Gespenstertanz der Albträume aufführen.

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