111 Orte, die uns Geschichte erzählen: Auf ins brandenburgische Outback!

Eine Stiftung kümmert sich um den Erhalt der Reste des Olympischen Dorfes in Elstal. Man kann es besichtigen.

In diesem Büchlein geht es um ein beklagenswert dürres Land: um die lange Zeit verschmähte Streusandbüchse Brandenburg. Heute wissen wir es besser. Dieses einstige preußische Kerngebiet hat Landschaft im Überfluss. Das erkennen lange vor den Einheimischen immer wieder die reisequirligen Berliner. Der Autor und Journalist Paul Stänner ist einer von ihnen, allerdings ein Zugezogener aus dem Münsterland. Er kehrt dem Großstadtmoloch nur allzu gern den Rücken und durchquert mit spitzer Feder und geschultem Auge das sich weit ausstreckende Seen-, Kiefern- und Feldermeer sowie die Schlösser und Burgen der Friedrichs und Wilhelms und ihrer Fußvölker. Dabei entdeckte er an 111 Orten immergrüne Kulturgewächse, die er für uns mit respektloser Herzensfrische beschreibt: So wie es sich für eine „Berliner Schnauze“ gehört. Weiterlesen

Kleine Sonnentänzer auf großer Bühne: Marita Erxlebens Eleven zeigen „Wie der Rabe das Licht brachte“

Auf Spitzen im Rampenlicht des Hans Otto Thaters. Foto: Vanessa Schümmelfeder

Es ist schwer, den richtigen Weg zu finden: nicht nur für die Sonnentänzer und das Rabenvolk. Auch dem Zuschauer fehlt über weite Strecken der Kompass der Erleuchtung. Die von Choreografin Marita Erxleben meisterlich in Szene gesetzte Tanzproduktion „Wie der Rabe das Licht brachte“ glänzt zwar am Hans Otto Theater mit sinnlichen und kontrastreichen Bildern, aber der Inhalt bleibt mitunter auf der Strecke. Weiterlesen

„Bach & Bier“ in der Erlöserkirche: Saisonausklang mit Musik und Poesie in schwungvoller Heiterkeit

Wein und Sekt wurde in den bisherigen Konzerten der zu Ende gehenden Saison des Neuen Kammerorchesters Potsdam ausgeschenkt. Diesmal wird Bier aus dem Forsthaus Templin gezapft und Bach gespielt. „Zum Wohl“ nannten die Veranstalter ihre Konzertreihe, in der das Heitere, Vergnügliche neben dem Besinnlichen und Festlichen steht. Johann Sebastian Bach, der als bedeutendster Komponist kirchenmusikalischer Werke gilt, hat auch Konzerte und Suiten geschrieben, in denen das Tänzerische das Sagen haben.

Am Freitag, 7. Juli, 19.30 Uhr, wird das Neue Kammerorchester Potsdam unter der Leitung von Ud Joffe in der Erlöserkirche Potsdam ein ganzes Panorama von kunst- und schwungvollen Konzerten und Suiten musizieren, die für Bachs weltliche Kompositionskunst stehen. Weiterlesen

Weggeputztes Männerglück: „Ein seltsames Paar“ im Gasometer des Hans Otto Theaters

Lotterwirtschaft trifft auf Saubermann: Wieviel Putzmittel verträgt eine Männer-WG?

Seine kleine häusliche Welt ist auseinander gebrochen. An den roten Wänden hängen noch Fotos der glücklichen Familie – neben den Kunstdrucken berühmter Maler wie Rothko. Genau jenes Bild, das im Museum Barberini derzeit im Original zu sehen ist (Amerika lässt grüßen). Der Fußboden der großzügigen Wohnung ist indes übersät von leeren Bierbüchsen und zerknüllten Chipstüten. Der Kühlschrank gähnt vor Leere. Nur ein Rest Milch gibt es noch, und der flockt. Der Hausherr schlurft in abgestumpfter griesgrämiger Selbstherrlichkeit durch sein Männerreich: mit langen Loden, Schmierbauch und kurzer Schlafanzughose. Unappetitlich wie sein klebriger Tisch. Mann kann sich gehen lassen.

Seine Kumpels leisten ihm beim Pokern bierselig Gesellschaft. Die einzige Störung in diesem gepflegten Männerchaos sind die Anrufe der Ex, die auf Unterhalt für sich und die Kinder pocht.

Die Handlung dieser kammerspielartigen Komödie von Neil Simon ist durchaus aktuell: Das Singledasein hat Hochkonjunktur, getrennte Familien, wohin man schaut. Das diesjährige Sommertheater im Gasometer des Hans Otto Theaters greift mit „Das seltsame Paar“ also ein Stück mit langlebigem Gebrauchswert auf, auch wenn es etwas an auffrischender Politur fehlt. Weiterlesen

Potsdamer, raus auf die Straße – zur Fête de la Musique!

Umsonst und (meistens) draußen: die Fête de la Musique | Foto: Rd Höhne

Am Mittwoch ist es soweit. Traditionell zur Sommersonnenwende und der kürzesten Nacht des Jahres steht mit der Fête de la Musique auch dieses Jahr wieder ein klangvolles Kulturhighlight am 21. Juni an. Ein Fest der Musik, im wahrsten Sinne des Wortes, denn gefeiert wird die Fête wie immer auf dutzenden, über die ganze Stadt verteilten Bühnen, wo an mitunter auch ungewöhnlichen Orten unzählige Musiker, Bands und DJs das Publikum locken. Dabei geht vor allem um eines: die Freude an handgemachter Musik in all ihren Farben, und zwar für jeden! Hinter dem Festival, das parallel in hunderten Städten auf der ganzen Welt stattfindet, steht der Grundgedanke, alle Konzerte frei zugänglich und kostenlos zu veranstalten, während sämtliche Musiker ohne Gage spielen. Profitieren soll – zumindest finanziell – niemand. Dass es sich trotzdem mehr als lohnt, zeigen nicht nur die Tausenden Besucher der Vorjahre. Auch Veranstalter und Bands reißen sich geradezu um die Fête de la Musique in Potsdam.

Der Kultursegler (KS) sprach mit Ulrike Oehmichen (U) und Luisa Richter (L) vom Kulturtänzer e.V., der die Potsdamer Fête nun schon zum 13. Mal organisiert.  Weiterlesen

Das große Reale, das große Abstrakte: Geliehene Kostbarkeiten „Von Hopper bis Rothko“ im Barberini

In die leuchtende Abstraktion getrieben: „Die rote Sonne“ von Arthur Dove

Die Wände sind neu gestrichen und geben als taubenblauer Hintergrund den Gästen aus Amerika ihren kraftvollen Auftritt: Sie werden als „Kronjuwelen“ gehandelt, sind aber zumeist für uns noch ungeschliffene Diamanten. Kein Grund, den unbekannten „Fremden“ nicht die Aufwartung zu machen, zumal sich überraschende Verwandtschaften mit berühmten Europäern wie Matisse oder Cezanne ablesen lassen.

Die am morgigen Samstag im Museum Barberini beginnende Ausstellung „Von Hopper bis Rothko“ nimmt uns mit in die Weiten der Rocky Mountains, an den Pazifik oder in die enge Großstadt von New York oder Washington. Dorthin zog es die Künstler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren Staffeleien, um die Farben und Formen hautnah einzufangen. Anfangs ganz dicht dran an der Natur, später in freien Flächen abstrahierend. Berge, Schluchten, Himmel lösten sich auf in großen Farbfeldern. Weiterlesen

Kultur mit Kulisse – Fahrradkonzert der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Auftakt des Fahrradkonzerts am Alten Markt / Foto: So

Sieben Seen, sieben Kirchen, 24 Konzerte, 20 Orte – das ist das ambitionierte Programm des diesjährigen Fahrradkonzerts der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, das am vergangenen Sonntag in achter Auflage stattfand. 1500 gut gelaunte Radler schwangen sich bei schönsten Sommerwetter auf ihre Drahtesel, um auf 33 bzw. 24 Kilometern in den Genuss der vollen Packung Kultur zu kommen. Weiterlesen…

Über grausame Mahlzeiten und Liebesgezwitscher: Hanns-Josef Ortheil und Denis Scheck bei LIT:potsdam

Kultur am lauschigen Ort: Das Gartenreich der Villa Jacobs lädt zu Lesung, Wein und Gesellgkeit ein. Foto: LIT:potsdam

Wir haben die Decke abgewählt und uns für einen Sitzplatz entschieden. Auch für bewegte Frauen, die wöchentlich Bauch, Beine und Po tapfer malträtieren, lässt sich eine gewisse Abnutzung nicht leugnen. Also setzen wir uns am 7. Juli bequem auf einen Stuhl, lehnen uns samt unserer Trainerin Sybille entspannt zurück und lauschen im Gartenreich der Villa Jacobs den wohlfeilen Sätzen des Schriftstellers Hanns-Josef Ortheil. Diese Lesungen während des Festivals LIT:potsdam in der Weite des historischen Parks mit dem traumhaften Blick auf den Jungfernsee stehen inzwischen jedes Jahr auf unserem Kulturplan. Weiterlesen

Mit Luthers Tischreden an Bord des Theaterschiffs

Wo Luthers Reden einmal ansetzten, ist die Tafel heute leergefegt. Findet sich ganz hinten im Küchenschrank doch noch eine alte Geschichte, die uns Hoffnung schenkt? Darüber denkt das Theaterschiff ab 2. Juni in CONVIVIUM FABULOSUM laut nach: mit Christian Klischat als Martin Luther.  Foto: Caroline Schenk

„Alles Übel erwächst daraus, dass ein Weib nicht kochen kann.“ – soll Martin Luther gesagt haben. Seine Katharina konnte kochen: Der Tisch war immer reich gedeckt. Zu Mittag gab es Fleisch und Fisch. Dazu Getreidebrei, Rübenmus, Weißkohl mit Speck, Linsen, Brot oder ein Püree aus Hülsenfrüchten. Kartoffeln waren noch unbekannt. Zum Nachtisch servierte die Hausangestellte oft einen mit Honig und Gewürzen gefüllten Bratapfel. Fleisch und Fisch samt Zutaten stammten meist aus dem Gartenbetrieb der Luthers. Sie hatten neben Kühen, Schweinen und Geflügel einen Fischteich, einen Weingarten, Gemüsebeete und sogar eine eigene Brauerei. Getrunken wurde gerne Leichtbier und Wein – auch die Kinder tranken mit.
Weinbeseelt öffneten sich Zunge und Herz auf leichte Weise: Luthers fröhliche Tafelrunden, an denen neben den sechs Kindern oft 20 bis 50 Gäste Platz nahmen, waren wie geschaffen, um Lebensweisheiten auszuplaudern, über die Liebe und  Ehe nachzudenken und über Gott und die Welt zu räsonieren. Luther nutzte mit Vergnügen die Runde, um sein Herz auszuschütten. Mitunter wurde aus einem kleinen Bibelvers eine ganze Predigt. So mancher Braten wird wohl dabei kalt dabei geworden sein. Weiterlesen

Croissants statt Eiersalat: Ein Blick zurück durch die Rauchschwaden der Theaterklause

Mit Leckereien und einem frischen Wein in den Feierabend: Ab jetzt wohl öfter in der neu eröffneten Theaterklause in Potsdam-West | Foto: ro

Sie scheinen nur auf die Eröffnung gewartet zu haben: die Kiezbewohner von Potsdam-West. Wo findet man auch sonst Freiluftplätze in der Nachmittagssonne – noch dazu bei hausgebackenen Kuchen oder Potsdamer Stangeneis mit Blick auf die rutschenden und kletternden Kinder. Die Theaterklause in der Zimmerstraße – vis-à-vis vom Spielplatz – ist im Handumdrehen wieder zum Treffpunkt geworden.

Für mich ist es ein ganz besonderer Ort: drei Jahre lang holte ich mir hier fast täglich die beliebten Eiersalatbrötchen. Meist trug ich sie durch die rauchgeschwängerte Luft schnell nach oben an meinen Schreibtisch, in die Dramaturgie. Dort fühlte ich mich im Kreise meiner Kolleginnen sicherer. Denn die Schauspieler und Sänger, die selbstbewusst in der holzgetäfelten Kantine fläzten, schienen Lichtjahre von meinem kleinen Horizont entfernt. Weiterlesen