Mit Luthers Tischreden an Bord des Theaterschiffs

Wo Luthers Reden einmal ansetzten, ist die Tafel heute leergefegt. Findet sich ganz hinten im Küchenschrank doch noch eine alte Geschichte, die uns Hoffnung schenkt? Darüber denkt das Theaterschiff ab 2. Juni in CONVIVIUM FABULOSUM laut nach: mit Christian Klischat als Martin Luther.  Foto: Caroline Schenk

„Alles Übel erwächst daraus, dass ein Weib nicht kochen kann.“ – soll Martin Luther gesagt haben. Seine Katharina konnte kochen: Der Tisch war immer reich gedeckt. Zu Mittag gab es Fleisch und Fisch. Dazu Getreidebrei, Rübenmus, Weißkohl mit Speck, Linsen, Brot oder ein Püree aus Hülsenfrüchten. Kartoffeln waren noch unbekannt. Zum Nachtisch servierte die Hausangestellte oft einen mit Honig und Gewürzen gefüllten Bratapfel. Fleisch und Fisch samt Zutaten stammten meist aus dem Gartenbetrieb der Luthers. Sie hatten neben Kühen, Schweinen und Geflügel einen Fischteich, einen Weingarten, Gemüsebeete und sogar eine eigene Brauerei. Getrunken wurde gerne Leichtbier und Wein – auch die Kinder tranken mit.
Weinbeseelt öffneten sich Zunge und Herz auf leichte Weise: Luthers fröhliche Tafelrunden, an denen neben den sechs Kindern oft 20 bis 50 Gäste Platz nahmen, waren wie geschaffen, um Lebensweisheiten auszuplaudern, über die Liebe und  Ehe nachzudenken und über Gott und die Welt zu räsonieren. Luther nutzte mit Vergnügen die Runde, um sein Herz auszuschütten. Mitunter wurde aus einem kleinen Bibelvers eine ganze Predigt. So mancher Braten wird wohl dabei kalt dabei geworden sein.

„Gott will, dass wir fröhlich seien, und hasst die Traurigkeit. Wenn er nämlich gewollt hätte, dass wir traurig seien, hätte er uns nicht die Sonne, den Mond und die anderen Schätze der Erde geschenkt.“

Und so ging es feucht-fröhlich daher … Mit Luthers Professorengehalt alleine wäre dieser Trubel nicht zu stemmen gewesen. Und so kümmerte sich Frau „Käthe“ ziemlich geschäftstüchtig um Einnahmen von allen Seiten. Das ging so weit, dass sie ernstlich anregte, den Zuhörern Luthers bei Tische ein Eintrittsgeld abzuverlangen, vor allem dann, wenn sie sich Worte des Meisters notieren wollten. Luther selbst ging das wohl zu weit, und er wies seine Frau zurecht: „Ich habe dreißig Jahre gratis gelehrt und gepredigt. Warum sollte ich jetzt, da ich alt und schwach bin, damit Handel anfangen? Der Doktor ist kein theologischer Schankwirt!“

Im Theaterschiff können sich die Besucher nun ebenfalls mit an den reich gedeckten Tisch Luthers setzen – allerdings gegen ein kleines Eintrittsgeld!  Dafür dürfen sie sich ganz heutig in tiefsinnige, hitzige Auseinandersetzungen über Gott und das Leben verwickeln lassen. Am 2. Juni um 19.30 Uhr feiert das Schiff die Uraufführung seines Beitrags zum Luther-Jahr: CONVIVIUM FABULOSUM – ein Theaterprojekt in zwei Teilen nach einer Idee von Martina König. Regie führen Götz Brandt und Valentin Werner.

Der Schauspieler Christian Klischat führt im ersten Teil als Martin Luther in dessen Tischreden ein. Im zweiten Teil erörtern und ereifern sich zwei junge Schauspieler (Patricia Coridun und Ibrahim El-Akramy) im Hier und Heute zu den Fragen: Was gibt uns einen Sinn, wo stehen wir in dieser Welt?  Wo Luthers Reden einmal ansetzten, ist die Tafel heute leergefegt. Die Religionen haben sich versündigt, die Überzeugungen sind abgefrühstückt und selbst zur Wahrheit gibt es Alternativen. Der Glauben ist im Mülleimer gelandet. Die Fragen der jungen Leute verlassen den Küchentisch, Worte schweben empor und blicken von oben auf die Welt. Findet sich ganz hinten im Küchenschrank doch noch eine alte Geschichte, die uns Hoffnung schenkt? he

Karten kosten im Vorverkauf 19,- und an der Abendkasse 21,- Euro.

Weiteres unter www.theaterschiff-potsdam.de

2 Kommentare zu “Mit Luthers Tischreden an Bord des Theaterschiffs

  1. Dank für die fröhlich wunderbar bildhafte Einführung zu dieser Aufführung. Da bekomme ich gleich Lust und möchte mit an die Tafel.
    Hoffentlich gibt es diese Aufführung nicht nur am 2. Juni?

    • Liebe Frau Rüss, die nächste Gelegenheit, sich mit an die Tafel zu setzen, besteht am 6. Juli um 19:30 Uhr. Die Kultursegler wünschen dabei viel Spaß!

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