Gewitzt: Karaseks Buch „Das find ich aber gar nicht komisch!“

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Foto: Sven Teschke / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

Kennen Sie den? Sagt ein Achtzigjähriger zu einem anderen Achtzigjährigen: „Sag mal, wie hast du es geschafft, das bildschöne 22-jährige Model zur Heirat rumzukriegen?“ Antwortet der andere: „Indem ich ihr vorgelogen habe, ich sei neunzig.“ Kein Totlacher, aber ein nettes Witzchen, eine „mörtelmäßige“ Geschichte, meint Hellmuth Karasek, der sie mit in sein Buch „Das find ich aber gar nicht komisch“ aufgenommen hat. Ein Alterswitz, der gut zum Wiener Hofball passe, zu den ewig jungen Playboys, gut betucht und mit einer abstrusen Sehnsucht nach der ewig währenden Liebe und der unerlöschlichen Lendenkraft. Und wohl auch zu dem 81-jährigen Schwerenöter Karasek selbst.

Der wortgewandte blitzgescheite Spielshowveteran sattelte auf den Erfolg seines Buches „Soll das ein Witz sein?“ auf und legte jetzt die unterhaltsame Lektüre „Das find ich aber gar nicht komisch!“ nach: eine Geschichte in Witzen und Geschichten über Witze. Untersuchte er in seinem ersten Buch die Typologie des Witzes, wendet er sich nun der Komik zu. Warum zum Beispiel erzählt man im Alter andere Witze als in der Jugend? Was macht unfreiwillige Komik aus?
Seine Exkurse lesen sich mal kurzweilig, mal etwas langatmig, sind pointiert auf den Punkt gebracht oder selbstverliebt ausschweifend, aber immer im netten Plauderton erzählt. Man kann sich durch die 280 Seiten blättern und nur die gut sichtbar eingerückten Witze herauspicken, oder aber man füllt das Gerippe mit Fleisch drum herum. Nach Lust und Laune und eigenem Frohsinn.
Es gibt zum Glück nicht nur Alterswitze, sondern auch Kinderwitze, Zeit-Witze, Fußballerwitze, Zoten und Zötchen und auch Witze über Rassismus. Das Thema: „Muss das Wort Neger aus der Literatur getilgt werden?“ packt Karasek in dem Kapitel „Der Mohr und seine Schuldigkeit“ kulturgeschichtlich beim Schopfe. Er klopft sie gründlich ab: die political correctness, die die Gesellschaft von allen rassistischen Exzessen reinigen soll. Wie stünde es dann aber um Othello, Tom Sawyer oder den „kohlpechrabenschwarzen Mohr“ im Struwwelpeter, der einst zur Toleranz erziehen sollte? Einige „Mohren“ gehören einfach zur Kulturgeschichte dazu, andere in die Tonne. Wie zum Beispiel dieser: „Ich hasse zwei Dinge auf der Erde“, sagt ein Mann. Erstens Rassismus und Rassenvorurteile und zweitens einen Neger im Mercedes.“ Witze erzählen auch immer etwas über ihren Erzähler.
Manche in Karaseks Buch schrammen dicht an der Peinlichkeitsgrenze vorbei – oder liegen darunter. Die Grenzen zieht jeder für sich. Der Autor gräbt sich jedenfalls mit sichtlicher Freude durch die Zeit- und Witzgeschichte, durch platte und geistvolle Bonmots. „Witze machen das Leben mitunter erträglicher und nehmen dem Schrecken die Schärfe.“
Manche bleiben einem auch im Halse stecken, wie dieser Auschwitz-Witz: Der Lagerkommandant sagt zu einem Häftling: „Ich habe ein Glasauge, wenn du herausfindest, welches von beiden das Glasauge ist, bekommst du eine Zusatzration Brot.“ Darauf der Häftling, nachdem er dem Kommandanten ins Gesicht geschaut hat: Das linke Auge, Herr Kommandant, das linke.“ Darauf der Kommandant verblüfft: „Wie hast du das herausgefunden?“ Darauf der Häftling: „Es blickt so menschlich.“ Das Furchtbare dabei: Manchmal überlebt nur die Pointe. (he)

Hellmuth Karasek, „Das find ich aber gar nicht komisch!“, Erschienen im Quadriga Verlag, 16,99 Euro (gebundene Ausgabe)

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