Seelenmesse im Vocalise-Glanz

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In der Erlösererkirche entfaltete sich der musikalische Glanz des Mozart-Requiems.

Aufgewühlt und beseelt verlassen die Zuschauer das Gotteshaus. Die meisten stehen noch plaudernd unter der großen Blutbuche auf dem Vorplatz und tauschen ihre Eindrücke aus. Es wirkt nach: das Mozart-Requiem, dieses monumentale Werk in seinen Abgründen und lichtem Glanz. In großen Schwingen legte es sich wie eine Klangglocke über die dicht besetzten Reihen. Immer wieder ist es diese Eintracht von Musik und Raum, die die Konzerte in der Erlöserkirche so besonders und einmalig machen.

Zur Vocalise am Samstagabend erklang Mozarts Seelenmesse in dem fein akzentuierten und mitreißenden Dirigat von Ud Joffe – nach der neukomponierten „Grablegung“, der Ashkava von Josef Bardanashvili. Es ist ein Zittern und Beben, ein Ausruf der inneren Zerrissenheit, die diesem modernen Werk seine dramatische Tiefe gibt. Wenn auf die verstörenden Dissonanzen der helle Sopran und engelsgleiche Gesang der Kinder und Frauen folgt, ist das wie ein Frühlingsmorgen nach dunkler Nacht. Kaum merklich gleitet der Zuhörer nach dieser spannungsreichen Grablegung sanft hinüber zu Mozarts „Ewige Ruhe“.

Der stimmliche Glanz der Solisten, der Kantoreischule Potsdam und der Potsdamer Kantorei, der unter den Sternen und dem filigranen Blattwerk im orangerot ausgemalten Altarraum so kräftig leuchtet, umfängt die Besucher im wärmenden Miteinander. Man kann den Text im Programmheft mitlesen, versuchen, ihn zu begreifen. Aber eigentlich ist es viel schöner, sich nur der Musik im Spiel des Neuen Kammerorchesters Potsdam hinzugeben, die mehr sagt als alle Worte. Sie trifft mitten ins Herz und hält für jeden eine ganz eigene Botschaft bereit. (he)

Das nächste Vocalise-Konzert ist am Freitag, den 13. November, um 19.30 Uhr in der Französischen Kirche. Unter dem Titel „Melancholia“ treffen deutsche Volkslieder auf Klassik und Jazz. Zu erleben sind „Die Bogarts“ aus Potsdam. Eintritt 15 Euro/erm. 10 Euro.

Weiteres unter www.vocalise.de

 

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