Gärtner führen keine Kriege: Preußens Arkadien hinter Stacheldraht.

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Lennés Idee der Sichtachsen wurde pervertiert: Denn auch die Grenzer wollten „Sichten“. Allerdings in anderem Sinne. Es ging ihnen um ein „freies Sicht- und Schussfeld“.

Immer wenn ich durch den Sacrower Park laufe, sehe ich unter dem frischen Grün das Blut getöteter Hunde. Am Rande einer Führung durch das Schloss erzählte vor ein paar Jahren ein Mitarbeiter, wie nach dem Fall der Mauer die hier ausgebildeten Grenzhunde erschossen wurden. Sie hatten ihre Schuldigkeit getan.

In der bis 13. November laufenden Ausstellung „Gärtner führen keine Kriege“ gerät der Zuschauer wieder mitten hinein in diese Zeit der tollwütigen Bespitzelung, in der Mensch, Natur und auch Tier skrupellos missbraucht und notfalls zur Strecke gebracht wurden. Da zählte keine Kulturlandschaft, wie sie sich einst Lenné und Pückler unter königlicher Order erdachten und mit Sichtachsen, blühenden Wiesen und schwungvollen Wegen in Szene setzten. Da wurde platt gemacht, was dem Blick auf mögliche Grenzflüchter im Wege stand. Das Schussfeld musste frei sein. Weiterlesen

Mein gelbes Wunder – gemalt von Barbara Raetsch. Ab Sonntag gibt es eine Ausstellung im Güldenen Arm

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Seh-Abenteuer. Barbara Raetsch lässt das Licht tanzen.

An manchen Tagen wirkt es erdenschwer und sommersatt. Das heitere Sonnengelb geht über in das matte Gold des Herbstes. Wie oft bin ich wohl schon mit meinem gelben Wunder in der Wohnung umgezogen, um es ins rechte Licht zu setzen, ihm den besten Auftritt zu gewähren?! Es ist immer wieder voller Überraschungen, dieses gemalte Farbspiel von Barbara Raetsch. Ich entdeckte es vor gut zehn Jahren in einer Ausstellung im Museumshaus „Im Güldenen Arm“, dort, wo ab Sonntag erneut die Bilder der Potsdamer Künstlerin zu sehen sind: diesmal anlässlich ihren bevorstehenden 80. Geburtstages. Weiterlesen

Das neue Jahr wird angeblasen – Mit Vergnügen auf dem Pfingstberg

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Von königlicher Schönheit: das Belvedere auf dem Pfingstberg. Am Neujahrstag gibt es dort um 12 Uhr das traditionelle Bläserkonzert. Foto: SPSG

Es gehört zum Pflichtprogramm für fast jeden unserer Besucher. Wer mit uns gemeinsam Potsdam erkunden will, muss als erstes hoch auf den Pfingstberg. Manchen schwindelt‘s beim Aufstieg der engen Wendeltreppe des Belvedere. Aber der Ausblick lohnt die Mühe: die von Lenné gestaltete Kulturlandschaft zeigt sich von den beiden Aussichtstürmen auf dem Pfingstberg in ihrer ganzen Herrlichkeit – wohl komponiert und voller Überraschungen. Man sieht die Grazie, mit der die Wasserläufe sanftmütig das grüne Eiland durchziehen, spürt das perfekt in Szene gesetzte Zusammenspiel von Natur und Architektur.

Egal von welcher Seite man sich nähert: Der Pfingstberg mit seinem königlichen Belvedere, entworfen von Friedrich Wilhelm IV. höchst persönlich, präsentiert sich weithin sichtbar mit seinen stattlichen Türmen, die wie Ausrufezeichen in die Landschaft gesetzt sind. Je näher man kommt, umso geheimnisvoller gibt sich das Ensemble. Erst wer seinen grünen Gürtel, den romantischen Garten, durchschreitet, erkennt die Schönheit bis in den Kern.

Welcher Ort könnte also passender sein, um das neue Jahr zu begrüßen?! Die Kultursegler empfehlen deshalb, den Silvester-Kater am Neujahrsmittag dorthin auszuführen und dabei den Blechbläsern von „Con Piacere“, was so viel wie „Mit Vergnügen“ heißt, zu lauschen. Weiterlesen

Harry Mohr, der Glücksbeschwörer. Eine Ausstellung im Kunstraum

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Harry Mohrs „Der Auftrieb der Seele“, 1995

Seine Linien- und Kreislabyrinthe entführen auf eine weite Reise der Fantasie. Wer sie betritt, findet immer neue Wege und Abzweigungen, die mit warmer Poesie frohlocken. Harry Mohr war ein Träumer, ein Hoffender, der mit seinem Malstift das Glück beschwor. Vor einem Jahr ist der Potsdamer Künstler gestorben, gerade mal 64 Jahre alt. Im Kunstraum wird ab Donnerstag mit einer Ausstellung an ihn erinnert. Weiterlesen

Stadtflüchter

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„Wir sind nackt und nennen uns Du“, lautete der programmatische Titel einer Schrift der Nacktkolonie am Motzener See

Der erste Blick fällt auf die nackten Damen im „Garten der Schönheit“ von Karl Vanselow. Der betrieb vier Jahre in Werder einen Verlag und frönte schon früh der Freikörperkultur. Während er mit seiner Prosa gern mal die Schwelle zum Kitsch überschritt, setze er als Fotograf die jungen Damen im Eva-Kostüm durchaus wirkungsvoll in Szene. Mit diesem reizvollen Auftritt des schillernden Akteurs von der Blüteninsel wird die Ausstellung „Einfach. Natürlich. Leben. Lebensreform in Brandenburg 1890-1939“ wirkungsvoll eingeläutet. Doch es gibt schon im wohligen Orange des Entrees eine Bildtafel, die den Besucher schmunzeln lässt. Sie zeigt, wie sich unsere Vorfahren anno 1904 ihren Zukunftsstaat vorstellten. Weiterlesen

Einladung zum Lächeln

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Edel, hilfreich und gut – Nutzobjekte von Künstlerinnen und Künstlern in der Galerie Ruhnke

Der rot leuchtende Stuhl strahlt dem Besucher einladend entgegen. Doch wer sich draufsetzt, wird ihn schnell wieder verlassen. Bequem ist anders. Ja, man fühlt sich trotz der Wuchtigkeit dieser originellen Holzkonstruktion fasst eingepresst. Irgendwie erinnert dieses Nichtsitz-Vehikel an Omas Ohrensessel ebenso wie an einen elektrischen Stuhl.
Bunt, elegant, aber auch schräg und absurd sind die Nutzobjekte von 15 Künstlerinnen und Künstlern, mit denen die neue Ausstellung in der Potsdamer Galerie Ruhnke am Samstag eröffnet wird. Weiterlesen

Nichts wie noch hin: zur „ImEx“

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Max Pechsteins „Sitzendes Mädchen“ von 1910 – ein Expressionist
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Berthe Morisots „Der Spiegel“ von 1876 – ein Impressionist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die halbe Wartesstunde vergeht wie im Fluge. Brautleute lassen sich auf den Treppen der Alten Nationalgalerie fotografieren, Kinder spielen am Brunnen Hopse. Ich schaue auf die meterlang herabfallenden Werbebanner mit Max Pechsteins “Sitzendes Mädchen“ und auf das zart hingetupfte Frauenbildnis, das die Impressionisten vertritt … Ja, aber von wem ist das eigentlich?

Der Rundgang durch diese großartige, mitreißende Ausstellung klärt auf: Von Berthe Morisot, der ersten Frau aus der Gruppe der französischen Impressionisten. In dieser exklusiven Schau „ImEx“, die leider schon in zwei Wochen zu Ende geht, treffen sich die Expressionisten und Impressionisten auf wunderbar versöhnliche Weise: die ganz Großen und auch die aus der zweiten Reihe, die zu Recht nach vorne aufrücken. Weiterlesen

„Pas de Deux“ im KUNST-KONTOR

Metzkes "Mona" aus Bronze
Metzkes „Mona“ aus Bronze
Putbreses "Zwei Fischerboote"
Putbreses „Zwei Fischerboote“

 

Diese Figuren lassen Nähe spüren. Sie sind in sich versunken, schauen oft entrückt in die Ferne und bewegen sich doch auf Augenhöhe zum Betrachter. Es ist ein intimes Zwiegespräch, das die Skulpturen leise flüsternd anzetteln. Weiterlesen

Erhole dich. Wenn du kannst! – K.T. Blumbergs Fotografien im Kunsthaus sans titre

Wo ist die Alm?
Wo ist die Alm?
Einsam auf Wacht
Einsam auf Wacht

Vor gut einem halben Jahr schrieb ich über eine Ausstellung von K.T. Blumberg in der Staatskanzlei: „Die Potsdamer Fotografin und Soziologin will sehen, was hinter den Bergen ist.“ In ihrer neuen Ausstellung im Kunsthaus „sans titre“ ist dieser Satz mehr als eine Metapher. Weiterlesen