Unheilschwanger im Paradies: Malte Brekenfelds magisch-verrückte Welt in der Sperl Galerie

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„Sei unser Licht“, überschrieb Malte Brekenfeld dieses Bild. Also: Mir nach Kanaillen! Die Sperl Galerie lädt zu einer schaurig-schönen Ausstellung ein.

Seine Bilder erinnern mich an die Wimmelbücher, die mein Enkel so mag. Immer wieder gibt es aus irgendeiner Ecke eine neue Offenbarung. Genaues Hinsehen ist gefragt und dankt es dem Betrachter mit einer Fülle kleiner Geschichten. Auch bei Malte Brekenfeld bleibt keine Ecke ausgespart, um nicht ein weiteres Mal zu überraschen: Es zappelt, wimmelt und vibriert wie in einem unter Strom gesetzten Aquarium.

Das fischige Leben wird durcheinander gewirbelt und treibt die wundersamsten Blüten. Wir stehen staunend davor und wissen nicht, wohin wir zuerst schauen sollen. Malte Brekenfelds Bilder sprengen den Rahmen und quellen in ihrem tierischen Aufbegehren, strudeligen Abgründen und menschlichen Bos- und Blindheiten geradezu über. Die skurrilen Verrenkungen und wild gestreuten Metaphern schrecken auf und stoßen ab, unterhalten und setzen sich fest wie Angelhaken. Was im Überschwang fein-piesackender Botschaften auf uns einströmt, lässt sich mit Worten kaum bändigen. Es sind Ahnungen, Alpträume, die sich aus dem Unterbewusstsein nach oben spülen und schonungslos über den Betrachter ergießen. Dieses Welttheater zu Lande und zur See kommt mit schrillen Sirenen und Nebelhörnern und auch mit zart gestrichenen Geigenklängen daher. In Öl gebannte Momente, die ein ganzes Filmarchiv abspulen: von „Rauchende Colts“ bis „Pasta Fellini“. Oder ganz leise „Black Swan“: Auf einer Perlenschnur aufgefädelte weiße Schwäne umzingeln vor abendgrauen Ostseehimmel einen schwarzen Schwan.

Der da so überschäumt in seinem von Beckmann und Bosch, Breughel und Janssen beeinflussten Malkosmos wurde gerade 50, kommt von der Küste, hat drei Kinder, eine Frau, einen Garten, eine Dozentenstelle. Und eine Galerie, die ihn seit seinen Malanfängen stetig unterstützt: die Sperl Galerie. Die gibt es mittlerweile  25 Jahre und sie feiert diesen Anlass gemeinsam mit einem ihrer maleifrigsten Jüngern: noch bis 17. Juli in der Fachhochschule am Alten Markt.

Die Galerie trumpft trotz Baucontainer-Sicht-Barriere auch jetzt unverzagt auf: lässt die Kunst durch große Fenster leuchten. Doch erstmal muss man den Weg dorthin finden. Wer ihn nicht sucht, verpasst wichtige Künstler: So wie Malte Brekenfelds Aufstände im verlorenen Paradies.

Die Ausstellung ist bis zum 17. Juli in der Sperl Galerie, Friedrich-Ebert-Str.4, Erdgeschoss Fachhochschule Potsdam, Nähe Stadtschlosszu sehen. Mittwoch bis Sonntag: 12 bis 18 Uhr.

Weiteres unter www.sperlgalerie.de

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